Sonntag, 24. Januar 2021
Ecuador: Tourismus
Wie hoch der Anteil des Tourismus an der Wirtschaft bzw. dem Dienstleistungsgewerbe des Landes ist, ließ sich nicht zweifelsfrei recherchieren. Es kommen ca. 200.000 Touristen jährlich nach Ecuador, vorwiegend aus Europa, Nord- und Süd-Amerika, Australien, Asien. Die halbstaatlichen Touristenbüros, Cameras de Turismo, bemühen sich um angemessene Qualität und Preise im Fremdenverkehr. Besonders im Amazonas-Gebiet bemüht man sich um nachhaltigen Tourismus und um ein ökologisches Verständnis für Natur und Umwelt. Dies ist die ausgewiesene Philosophie der Reisegesellschaft „Manatee Amazon Explorer“, die die unsere Schiffsreise beschreibt.

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Ecuador 2015 - En viaje - Unterwegs (14)
Vierzehnter Tag: Beim Frühstück frage ich Mashia, die US-amerikanische Hotelbesitzerin, ob es sinnvoll ist, bei dem Reisebüro einen Teil des Geldes für den Chimborazo-Ausflug zurückzufordern. Sie springt sofort an und geht mit mir dorthin. Der Agent stellt sich erstmal stur und schiebt alles auf den Fahrer und die Guia. Mashia droht damit, die Camera de Tourismo einzuschalten. Da lenkt er ein. Er sagt zu, mit den beiden in einer halben Stunde ins Hotel zu kommen. Kommt aber nicht. Wir wollen noch wandern. Mashia hat die Angelegenheit zu ihrer gemacht und verspricht, sich weiter zu kümmern. „I, me myself!“ Erklärt sie resolut.

Also marschieren wir los. Auf einem sehr steilen Pfad gehen wir aufwärts zum Bellavista, wobei wir reichlich Schweiß vergießen. Oben, beim nachts erleuchteten Kreuz, bietet sich ein weiter Blick auf die umliegenden Berge und die Stadt. Die bedeckt das ganze Tal und ist nicht besonders schön. Dafür lüftet der noch aktive Tungurahua vorübergehend den Wolkenschleier. Rauch oder gar Feuer entdecken wir aber nicht.

Wir laufen wieder etwas hinunter, biegen dann aber links ab auf einen noch steileren Pfad, der uns nach oben zum Café de Cielo führt. Das Café entpuppt sich als Hotelanlage mit Thermalbad. Vier Amis bewundern uns, weil wir zu Fuß ganz von unten gekommen und nicht gefahren sind. Jetzt geht’s in engen Serpentinen abwärts. Unterwegs üppige Vegetation. Dazwischen stehen, etwas traurig, einige Pferde und ein Esel. Auf dem Weg entdecken wir auch Hufspuren: man kann dort auch hinaufreiten. Nach gut drei Stunden kommen wir wieder im Hotel an, ziemlich kaputt und total durchgeschwitzt. Duschen und ausruhen.

Mashia war inzwischen „busy“ und hat eine Anzeige bei der Camera de Tourismo gemacht, weil von der Agentur niemand aufgetaucht ist. Später erscheinen der Fahrer, die Guia und eine weitere Frau, die sich als die eigentliche Chefin erweist. Mashia verhandelt auf Spanisch mit den dreien. Die Chefin lenkt ein, ja, wir hätten Recht, die Guia könne kein Englisch, was Mashia beweist, indem sie mit ihr Englisch spricht. Die Chefin bestellt uns für 7 Uhr ins Büro, das Geld abzuholen. Eine Summe nennt sie nicht, der Camera wurde der Betrag von 50 $ genannt

Wir gehen in die Stadt. Gerhild kauft noch Postkarten und einen Holz-Tukan als Geschenk.
Die Geldautomaten geben nichts her, keine Ahnung warum. Nach etwas Bummeln finden wir uns bei der Agentur ein, wo wir unseren ursprünglichen Agenten treffen. Mithilfe eines Übersetzers fordern wir 50 $, er bietet 30 $, das sei das Honorar für die Guia. Ich erkläre, dass der Preis von 100 $ für den Ausflug viel zu hoch gewesen sei, dass das Mittagessen auch nicht so gut gewesen sei, biete als Kompromiss 40 $ an und drohe ggf. mit einer Info an die Camera.

Es stellt sich heraus, dass er gar nicht genug Geld dabei hat. Er borgt sich von seinem Kollegen 20 $, pult aus seiner Bauchtasche 10 $ heraus und drückt das Geld Gerhild in die Hand. Er verschwindet, um die restlichen 10 $ zu besorgen, und sagt zu, in 20 Minuten zurück zu sein. Nach 35 Minuten – es ist jetzt ¼ vor acht – sage ich dem Kollegen, sein Boss könne uns im Hotel finden. Wenn nicht: Camera de Tourismo!

Gerhild hat resigniert, ich warte erst mal ab. Zurück im Hotel essen und trinken wir etwas. Plötzlich steht unser Mann vorm Fenster, grinst und hat 10 $ in der Hand. Gerhild ist baff. Ich gehe hinaus, er gibt mir den Schein, reicht mir die Hand, lächelt freundlich. Ohne Groll verabschieden wir uns. Das verstehe mal einer! Wir beschließen, das Geld in die Tip-Box zu tun. Wir beenden unser Essen. Ich gebe Mashia Bescheid. Inzwischen hat sich die Angelegenheit beim Personal und einigen Gästen herumgesprochen: zustimmendes Kopfnicken ringsum.

Dann gehen wir ins Bett. Welch ein Tag! Ereignisreich, aber auf einige Ereignisse hätten wir auch gerne verzichtet. Hoffentlich hat das Ganze dazu geführt, dass dieser und alle anderen Agenten fairere Preise und bessere Leistungen bieten. Das war auch Mashias Anliegen, weswegen sie sich so engagiert hat. Sie hätte ja auch sagen können: „Geht mich nichts an.“ – Und ab ins Bett.

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