Donnerstag, 22. Juni 2017
Eine Reise durch Namibia - Zweiundzwanzigster Tag
Nach dem reichlichen Frühstück machen wir einen Spaziergang rund um die Lodge, zunächst gemeinsam bis zum Farmhaus, dann gehen Ulla und Heiner zur Lodge zurück, während Gerhild und ich zunächst weiter in nördlicher Richtung gehen, eine große Herde Kudus und einige Warzenschweine sehen. Unter einem Baum machen wir kurze Rast. Die weite Ebene bietet wenig landschaftliche Abwechslung. Erst abends heben sich die weiter entfernten Hügel wie Inseln im Meer ab. Und natürlich ist der Waterberg im Süden markante landmark.
Wir biegen nach links Richtung Lodge ab; erkennen das Haus der Eltern des Farmers und sind nach ca. zwei Stunden. wieder zurück. Ruhen uns am pool aus, Gerhild badet. Meine Wunde am Knie ist immer noch nicht ganz verheilt. Ich lese derweil.
Am späten Nachmittag fahren wir mit zur „Katzen-Fütterung“. Zunächst bei den Leoparden, die wir nur aus einem Unterstand beobachten können. Eigentlich ist es nur eine, denn die andere ist „shy“ und lässt sich nicht blicken. Aber ein mächtiges Tier mit gewaltigem Schädel kommt ganz nah an unseren Unterstand. Wenn meine Kamera tut – leider sehr schwache Batterie – mache ich hoffentlich tolle Bilder.
Die Löwen kommen bis an den Zaun, knurren Ehrfurcht gebietend und machen gelegentliche Scheinangriffe, stoppen aber immer kurz vor dem Zaun. Zwei Weibchen, ein älteres und ein jüngeres.
Die Geparden: eine ist friedlich und kann sogar gestreichelt werden. Als sie den Wagen hört, taucht sie am Zaun auf und begleitet uns den ganzen Weg bis zur Futterstelle, schöne Laufbewegung, ganz geschmeidig, zielstrebig. Schönes Erlebnis, wenn auch nicht in freier Wildbahn, aber in einem großzügigen eingezäunten Gehege.
Gestern wie heute kommt uns auf dem Weg zur Lodge die schwarze Angestellte zu Fuß entgegen. Sie geht nach Haus – wo immer das ist. Der ca. 10-jährige Farmersohn fährt eigenhändig im offenen Geländewagen ins 2 km entfernte Elternhaus.
Zum Sonnenuntergang sind wir zurück. Mit Lesen und Schreiben überbrücken wir die Zeit bis zum Abendessen.

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Mehr ausgewogene Filme! - Nachtrag
Nun haben sich ARD und Arte entschlossen, den umstrittenen Film doch zu zeigen.
Allerdings nicht aus Einsicht, sondern aufgrund des öffentlichen Drucks in den Medien.
Diese wiederum weisen auf formale und inhaltliche Schwächen des Films hin. Das ist ein Argument, mit dem man sich auseinander setzen muss. Das wäre aber immer noch kein Grund, den Film nicht zu zeigen, sich aber kritisch damit zu beschäftigen.
Mein Diktum gilt weiter: Unausgewogenheit eines einzelnen Films ist kein Grund, ihn nicht zu zeigen.

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Waldbrand in Portugal – man-made
Jetzt endlich wird das journalistisch bestätigt, was ich bereits vermutet habe: Der verheerende Waldbrand in Portugal – mehr als sechzig Menschen sind verbrannt – ist wesentlich auf die unverantwortliche Forstpolitik zurückzuführen.
Seit den achtziger Jahren kaufen internationale Investoren Land auf – zunächst im Alentejo, später auch weiter im Norden. Sie pflanzen den dort eigentlich nicht vorkommenden Eukalyptus an.
Dieser Baum wächst sehr schnell, verbraucht Unmengen an Wasser, vernichtet alle Vegetation am Boden und laugt diesen in wenigen Jahren komplett aus. Zurückbleibt eine Steppe. Das Holz wird überwiegend exportiert und zu Papier verarbeitet oder als Bauholz verwendet.
Eukalyptus produziert das nach ihm benannte Öl, das sehr leicht brennbar ist. In einem Brand „explodiert“ der Baum quasi und entzündet die anderen Bäume. Der Brand breitet sich mit rasender Geschwindigkeit aus. Durch die große Hitze entsteht stürmischer Wind, der das Feuer anfacht und verbreitet.
Solange die ruinöse Forstpolitik fortgesetzt wird, wird es auch in Zukunft derartige Katastrophen geben.

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Dienstag, 20. Juni 2017
Eine Reise durch Namibia - Einundzwanzigster Tag
Gestern Abend und in der Nacht hat’s geregnet, das ist schon eine Seltenheit. Heute früh los. In Tsuneb besichtigen wir den kleinen Otjikoko-See, der durch den Einsturz einer Höhle entstanden und 36 m tief ist. Der dazugehörige Zoo ist das Gegenteil von artgerechter Haltung, vor allem für’s Krokodil und die Strauße.
Im ethnologischen Freiluftmuseum in Tsuneb sind wir seit drei Tagen die ersten Besucher. Die Leiterin hat Zeit und hält uns einen langen Vortrag über das Museum mit seinen Lehmbauten, und dass vieles durch Sturm und Regen kaputt sei. Stimmt. Alles macht einen etwas heruntergekommen Eindruck. Dabei ist die Idee nicht schlecht. Auf einem Gelände – ungefähr – in Form der Landkarte Namibias sind Hüttendörfer der unterschiedlichen Ethnien geografisch – fast - korrekt verteilt. Allerdings ähneln sich die Bauten sehr, so dass wir nach der Hälfte des Rundgangs einen rascheren Schritt vorlegen. Es ist auch wieder ziemlich drückend.
Dann zum Hoba-Meteoriten, ein Riesenklotz 3 x 3 x 1 m, 81% Eisen! Heiner liest was über die Entstehung vor. Rast beim „Wärter“, Kinder fotografiert. Nebenan spricht mich ein Schweizer an; sie sind wegen unwetterartiger Regenfälle aus Botswana geflüchtet.
Wir fahren weiter zur Aloegrove-Lodge, die wir nach 420 km erreichen. Fantastische Lage mit tollem Rundblick auf Waterberg und andere Hügelgruppen. Unterwegs verfahren wir uns, finden dann aber den richtigen Einschlupf. Abends feuerwerksartiges Wetterleuchten hinterm Waterberg. Leider ist dieser zu weit und zu umständlich zu erreichen, so dass wir ihn für morgen aus dem Programm streichen.

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Eine Reise durch Namibis - Zwanzigster Tag
Ein lahmer Tag, zunächst bedeckt und kalt-windig, dann wird’s wärmer, aber nicht angenehm. Wir sind alle schlapp und hängen `rum. Ein Glück, dass wir unser heutiges Pensum schon gestern erfolgreich absolviert haben. Heiner hält uns unterm Sonnendach eine kurze Lektion über die Entstehung der Etosha-Pfanne, hier war mal ein riesiger See, ein Nachtrag zu dem, was wir gestern gesehen haben. Außer den Tieren waren wir beeindruckt von der „Pfannen-Landschaft“, die uns an norddeutsche Küsten und das Watt erinnerte.
Dann muss jeder machen, was er will. Ich lese und gehe mit Gerhild einmal durch’s Gelände, kein großer Gang.

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Samstag, 17. Juni 2017
Die Schlacht am Waterberg und der Genozid
Während der deutschen Kolonialzeit gab es ständige Streitigkeiten zwischen Siedlern und Einheimischen, vorwiegend um Land und Wasser. Die Siedler waren bewaffnet, außerdem wurden sie durch die Kolonialtruppen militärisch unterstützt. Die Konflikte spitzten sich zu, weil der Landbesitz der Einheimischen ständig dezimiert, ihre Lebens- und Wirtschaftsweisen beschnitten wurden. 1904 – 1906 erhoben sich die Herero und Nama gegen die Kolonialmacht zunächst in einer Art Guerillakrieg. Schließlich zwang das deutsche Militär, zahlenmäßig überlegen, besser bewaffnet und geführt, ihnen die offene Feldschlacht auf. Die Herero zogen sich mit Frauen, Kindern und dem Vieh auf das Bergplateau Waterberg (ca. 250 km nördlich von Windhuk) zurück. Hier wurden sie eingekreist und vernichtend geschlagen. Die Überlebenden flohen in die Kalahari-Wüste. Hier besetzten die Deutschen die lebensnotwendigen Wasserlöcher. Die Herero verhungerten und verdursteten. Angesichts der Zahl der Opfer – Schätzungen schwanken zwischen 30.000 und 60.000 Toten – kann man von einem Genozid sprechen. Nur ca. 20.000 Herero überlebten das Massaker.
Diese Taktik – Vertreibung in die Wüste und verdursten lassen – wendeten die Türken im 1. Weltkrieg gegen die Armenier an. Zu der Zeit waren deutsche Offiziere Militärberater der Türken.

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Ein „großer“ Kanzler
Helmut Kohl ist tot. Der große Europäer, der Schmied der deutschen Einheit – so tönt es in den Nachrufen.
Die Schmährufe verstummen dagegen fast: Ein Kanzler, der sein „Ehrenwort“ höher stellt als die Einhaltung der Gesetze, die er in seinem Amtseid einzuhalten geschworen hat.
Eine sechzehn Jahre dauernde Stagnation der gesellschaftlichen Entwicklung. Die überstürzte „Wieder“-Vereinigung und das haltlose Versprechen auf „blühende Landschaften“. Statt dessen Entvölkerung und Verödung ganzer Landstriche im Osten.
Und auch das Persönlich hat Hautgout: Während seine Ehefrau allenfalls bei Staatsakten oder für das Foto "Heile Familie" posierte, ansonsten zu Hause in Oggersheim wegen ihrer Lichtallergie im Dunkeln saß, hielt er sich in Bonn eine Geliebte, die er auch noch ungerechtfertigt in die Position einer höheren Beamtin hievte. Diesem Martyrium entzog die Gattin sich schließlich durch Freitod. Auch die Söhne sind nicht gut auf den Vater zu sprechen.
Wahrlich ein „großer Kanzler“!

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Pferdebesitzer am Bettelstab
Eine kleine holsteinische Gemeinde hat 3 Mill. € Schulden. Da überlegt ein cleverer Kämmerer schon mal, wie er das Gemeindesäckel wieder auffüllen kann. Es liegt nicht fern, sich das Geld von denen zu holen, die wahrscheinlich genug davon haben.
Ergo: es gibt Pferdebesitzer im Ort oder Auswärtige, die ihre Pferde dort stehen haben. Pferdebesitzer sind wohlhabend bis reich. Da liegt es nahe, diese zur Kasse zu bitten.
Nur mal so gesagt: Der Kauf eines Pferdes kostet mehrere tausend Euro, dazu kommen Stallgebühren, Futter, Versicherung etc., zusammen ebenfalls jährlich eine vierstellige Summe. Nun kommen noch 150 € Pferdesteuer hinzu.
Jetzt der Witz der Woche: einer der Betroffenen klagt, diese 150 € habe er nicht über. Armer Mann! Vielleicht sollte er Hartz IV beantragen, dann klappt‘s.

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Freitag, 16. Juni 2017
Türkische Regierung interveniert in Deutschland
DITIB (Zusammenschluss der türkisch-islamischen Moscheegemeinden) erklärte sich noch vor einer Woche bereit, an der für den 17. Juni in Köln geplanten Demonstration gegen „islamischen“ Terror teilzunehmen. Jetzt – Ende der Woche – widerruft DITIB. Makaber ist die Begründung: Während des Ramadan sei es Moslems nicht zuzumuten, in der „prallen Mittagssonne“ ohne Essen und Trinken zu demonstrieren. Hat sich DITIB je Gedanken darüber gemacht, dass Moslems auch im Ramadan am Fließband, auf dem Bau, bei der Straßenreinigung oder Müllabfuhr bei JEDEM Wetter arbeiten müssen?
Die Fadenscheinigkeit dieser Begründung legt den Verdacht nahe, dass DITIB – immerhin eine untergeordnete türkische Behörde – aus Ankara zurückgepfiffen wurde. Ein weiterer Fall, in dem die türkische Regierung in innerdeutsche Belange eingreift. Die Beteiligung in Deutschland lebender Türken an der Volksabstimmung war der Vorgänger-Fall. Kann man derartige Interventionen nicht abstellen?

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Donnerstag, 15. Juni 2017
Eine Reise durch Namibia - Neunzehnter Tag
Erst spät gefrühstückt, dann los. Schon am ersten Wasserloch finden wir Elefanten, erst 1, dann 2, dann eine ganze Herde von 16 Tieren. Später treffen wir weitere, teilweise ganz nah – 50 m. Dann Giraffen, Gerhild nennt sie „Kräne“, stehen Modell im Busch, einmal direkt an, ein anderes Mal auf der Piste. Jede Menge Springböcke, Spießböcke, Gnus, ein Warzenschwein, Erdhörnchen und – ein Löwe! Ein Ranger – sehr freundlich, hilfsbereit von sich aus – gibt uns einen Tipp, wo wir ein Nashorn sehen können. Der führte leider nicht zum Erfolg. Das Nashorn, das zu den „big five“ des afrikanischen Großwilds gehört, macht sich leider dünne. Dennoch tolle Begeisterung allerseits.
Kurz vor der Dunkelheit verlassen wir den Park und erreichen nach 210 km unsere Mushara Lodge. Nach dem Abendessen präsentiert das Küchen- und Service-Personal eine Art Schreittanz und Lieder. Der überlange, hagere Koch schlappt eher lustlos am Ende und klopft mit den Händen irgendeinen Rhythmus, der nichts mit dem Gesang zu tun hat. Seine kleine, pummelige Kollegin dagegen macht fröhlich und begeistert mit. Das Sagen haben Frauen aus dem Service. Am Nebentisch eine weiße Männergruppe aus Südafrika quatscht laut und störend strotz Gerhilds Protest. Alle anderen Gäste hören zu und klatschen freundlich.

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NGOs – Jetzt Ungarn
In Russland gibt es das schon, auch Israel hat nachgezogen und jetzt Ungarn: Seit Neuestem gilt dort ein Gesetz, dass Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) verpflichtet sind, finanzielle Unterstützung aus dem Ausland vom mehr als 24.000 € im Jahr der Regierung des Halbfaschisten Orhan anzuzeigen. Ungarn folgt damit den beiden anderen autoritär regierten Ländern.
In Russland dürfen NGOs überhaupt keine ausländischen Spenden annehmen.
Den Vogel schießt Israel ab: Vertreter von NGOS müssen sich bei öffentlichen Auftritten durch ein Abzeichen zu erkennen geben, wenn ihr Budget zu mehr als 50% aus dem Ausland stammt. (Ein gelber Stern wurde noch nicht eingeführt.)
Und jetzt Ungarn!

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Montag, 12. Juni 2017
Afrikanische Völker in Namibia
Die ca. 2,1 Mio Einwohner Namibias leben auf 824.000 qkm. Das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 2,56 Einwohnern pro qkm – Zum Vergleich Deutschland: 228. Da eine Majorität in den Städten lebt, ist das flache Land großenteils unbewohnt. Dieses Missverhältnis verstärkt sich weiter durch Abwanderung vor allem junger Leute in die Städte.
Die Nation Namibia besteht – grob gesprochen - aus elf unterschiedlichen Ethnien: Baster, Caprivianer, Damara, Herero, Himba, Kavango, Nama, Ova-Herero, Ovambo, San und Tswana. Diese elf „tribes“ untergliedern sich geografisch, kulturell und sprachlich noch einmal.
Kulturelle Unterschiede reichen von den San, die teilweise noch als Jäger und Sammler leben, nur sehr spärlich mit Lendenschurzen bekleidet sind, inzwischen aber ihre Eigenart touristisch verwerten, bis zu den Herero. Die Herero sind Viehzüchter und europäisch gekleidet; ihre Frauen tragen auch im Alltag noch ihre traditionelle Tracht mit weiten, knöchellangen Röcken und einer aufwendigen Kopfbedeckung. Trotz dieser Vielfalt verstehen sich alle als Nation Namibia. Die Regierung verstärkt dieses Nationalgehfühl durch Propaganda. So gibt es in Windhuk ein Wandbild mit den meisten Ethnien in ihren typischen Trachten. Der ethnischen Vielfalt entspricht die sprachliche.

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Eine Reise durch Namibia - Achtzehnter Tag
Wir brechen früh auf, fahren ein ganzes Stück Richtung Uis zurück und biegen nach Westen ab, lassen den Brandberg südlich liegen und queren eine fantastische Landschaft bis Tvyfelfontein. Dort zunächst zu den Zeichnungen: diesmal sind’s Ritzungen im Alter zwischen 2- und 8-tausend Jahren. Ist doch noch mal was Neues. Der sehr nette Führer erklärt anschaulich und informativ. Eine Felsplatte scheint so was wie eine Schultafel gewesen zu sein mit Tierfährten etc. Er bezeichnet sich als Damara. Auf meine Frage nach seiner Identität erklärt er Damara zum „tribe“ und sich zum Namibier.
Weiter zu den Basalt-„Orgelpfeifen“ und zum „versteinerten Wald“, sehr schön und sehr beeindruckend. Heiner erklärt alles geologisch. Ein Baumstamm ist über 10 m lang, das meiste unter der Erde, und einem Durchmesser von 2,5 m. Die „Orgelpfeifen sind Basaltsäulen, die durch vulkanische Aktivität entstanden. Im „versteinerten Wald“ liegen Baumstämme, die Jahrtausende in tiefen Lagen hohem Druck ausgesetzt waren und so versteinerten.
Auf der sehr schlechten Straße fahren wir wieder nach Osten, aber später geht sie in eine Asphaltdecke über, so dass ich schnell – bis 140 km/h – fahren kann. Ist auch notwendig, denn wir kommen kurz vor Toresschluss um 18.00 h nach 534 km im Naturpark an. Nach dem Ausfüllen von drei Formularen und Zahlung von 130 N$, also 78 sind wir drin. Heiner gibt ein Abendbrot aus.

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Mehr unausgewogene Filme!
Zensur bei „Arte“: Die Oberen haben einen kritischen Film über Israel/Palästina aus dem Programm genommen. Ihr Vorwurf: der Film sei „nicht ausgewogen“.
Der Skandal ist damit komplett. Unausgewogenheit ist ein billiges Totschlagargument. Wer sagt denn, dass jeder Beitrag ausgewogen sein muss? Und was ist eigentlich „ausgewogen“?
Ausgewogen sollten die öffentlich-rechtlichen Programme als Gesamtheit schon sein. Kritische Einzel-Beiträge dagegen können sehr wohl unausgewogen sein, d.h. klare Position beziehen. Solche Beiträge stellen überhaupt im ideologischen Einheitsbrei der Öffentlich-Rechtlichen die Ausgewogenheit erst her.
Ausgewogene Filme dagegen fördern nichts als Langeweile.
Ich fordere: mehr unausgewogene Filme!

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Damentennis versus Frauenfußball
Eigentlich bin ich kein Leser der Sportseite(n) in Tageszeitungen. Nun, gerade fiel mir eine Überschrift auf, in der von „Damentennis“ die Rede ist. Bemerkenswert ist, dass ansonsten von „Frauenfußball“ die Rede ist. Aha: Frauen spielen den früher als „proletarisch“ verschriehene Kicken, während Tennis dem gehobenen Bürgertum vorbehalten ist.
„Damen“ tauchten eher beim Catchen auf der Reeperbahn auf, aber das waren dann eher keine Angehörigen der höheren Stände.
Da feiert das Klassendenken fröhliche Urstände (übrigens im zitierten Fall in der als links bekannten „taz.tageszeitung“.

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Samstag, 10. Juni 2017
Eine Reise durch Namibia - Siebzehnter Tag
Beim Frühstück sind wir spät dran, also allein. Etwas ungemütlich wimmelt der waiter um uns herum, hofft, dass wir fertig werden.
Gerhild und ich machen eine weitere Tour durch die Savanne mit Abstecher zum Vingerklip, einer fingerförmigen Felsformation, wo wir Heiner und Ulla treffen, die von der Lodge den kurzen Weg genommen haben. Die Klippe macht den Eindruck, bald umzustürzen, hält aber vorläufig. Wir sitzen im Schatten an einem luftigen Platz und bewundern die grandiose Aussicht, die leider schwer zu fotografieren ist. Weiter unten im Schatten eines kleinen Felsens – bis zu dem die beiden anderen nur aufgestiegen sind – gibt Heiner einen Geologievortrag.- Zurück zur Lodge nach 2 ¼ Std. – Dann auf unserer schattigen Süd-Terrasse dies geschrieben. Natürlich steht die Sonne hier mittags im Norden!
Die Frage, welche drei Bücher man mitnehmen würde auf die einsame Insel, ist falsch gestellt. Man müsste ausreichend Bleistifte und Papier mitnehmen, zwecks Nachhaltigkeit besser noch eine Anleitung, wie man Bleistift und Papier auf dem Eiland herstellt.
Nachmittags gelesen und bisschen geschlafen, dann noch einen Teil des Wanderwegs „southern walk“ gegangen. Wieder steile Felsen, Busch und allerlei Kleintiere. Später Teetrinken auf der Terrasse mit Aussicht bis zum Sonnenuntergang. Von dort aus den Himmel in allen Gelb- und Orangetönen bewundert, die Berge nur noch Silhouetten und ganz im Westen der erste helle Stern, der Halbmond sehr hoch im Norden. Beim Abendessen schlage ich vor, doch nach Tvyfelfontein zu fahren wegen des versteinerten Waldes, der Felszeichnungen und Basaltsäulen. Die Frauen sind skeptisch, Heiner erkundigt sich bei einem Busfahrer, der sehr zuredet. Also wird’s beschlossen.

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Dienstag, 6. Juni 2017
Eine Reise durch Namibia - Sechzehnter Tag
Wir nehmen nicht die vorgeschlagene Strecke über Omaruru, sondern die Abkürzung nach Uis und kommen trotz Umweg und Abstecher auf die gleiche Entfer-nung. In Uis tanken wir und sofort kommen junge Männer, die Mineralien verkaufen wollen. Als wir am Supermarkt halten, ebenso. Einer macht ein völlig enttäuschtes Gesicht, als ich ablehne. Auf Sichtweite lauern weitere Männer und warten ab, wie erfolgreich ihr Kollege ist, um ggf. auch ihr Glück zu versuchen. Sogleich regt sich bei mir Mitleid. Er macht einen zwei-ten Anlauf: Ich soll doch den Frauen etwas kaufen. Dritter Anlauf: die Mine sei geschlossen, und er wolle nicht betteln. – So wie ihm geht’s 499 anderen in Uis, eine Kleinstadt, mehr ein Dorf. Die südafrikanische Bergbaugesellschaft hat den Abbau von Zinn und Wolfram einge-stellt. Ich hätte ihm ein wenig helfen können, aber nicht den 499 anderen. Was tun???
Wir fahren weiter und machen den Abstecher zum Brandberg, dem mit 2.573 m höchsten Massiv Nabias. Mit einer jungen guide steigen wir zur „white lady“, einer weißen Felsmalerei, auf. Unterwegs erklärt sie viel über Botanik und das archaische Verhältnis zur Natur. Der Morongobaum wird vielfältig als Nutzholz und für Heilzwecke verwandt. Tra-ditionelle Heiler gibt’s wohl noch, sie werden aber als „witch-doctors“, Hexen-Ärzte, diffa-miert.
Unter einem Felsüberhang finden wir die Malereien, mehrfarbig und sehr filigran: Tiere, Jagdszenen, Männer - übrigens hier wie ich es früher schon in Schweden gesehen habe - mit steifem Penis. Aber auch Frauendarstellungen mit Brüsten.
Der Anstieg in der prallen Mittagshitze war anstrengend: ich schnaufe, Heiner klagt über sein Knie, Ulla unkt, das sei viel zu anstrengend. Hier macht sich wohl auch schon die Höhe bemerkbar. Aber wir packen’s und der Abstieg ist leichter. Ich unterhalte mich mit der guide: sie hat eine achtjährige Tochter, die aber bei ihrem Vater lebt. Sie wohnt 2 km vom „office“, dem Eingang zum Naturpark, also jwd. Befragt nach den Jungs, die am Abzweig zum Naukluft-Park stehen, sagt sie, man solle besser nicht anhalten, sie könnten Böses im Schilde führen. Und sie fragt mich etwas aus, Beruf etc.
Unten liegen die anderen guides im Schatten und ruhen sich aus. Ich frotzele was von „lazy bones“. Einer fragt mich, ob wir ihn bis zur junction, der Straßenkreuzung, mitnehmen. Die Frauen rücken etwas zusammen, so geht’s. An der junction frage ich ihn nach den Jungs, er bestätigt die vorherige Auskunft. Fragt, ob wir ihn noch ein Stück nach Uis fahren können („half-way“). Wir müssen zwar in die andere Richtung, aber o.k. Kurz vor Uis steigt er aus und bedankt sich. Wir zurück.
Die Landschaft ist jetzt nur noch Savanne, mit viel Buschwerk und zunehmend Bäumen. Dichter besiedelt. Am Straßenrand immer wieder Buden, an denen handicraft, Kunsthandwerk, und Mineralien verkauft werden. Meist stehen Frauen in Tracht daneben und machen Handzeichen, wir sollen anhalten und kaufen. Einmal drei Frauen in unterschiedlichen Trachten, darunter eine San, „oben ohne“!
Wir kommen in die Landschaft von Vingerklip: weite Savanne von teils flachen, teils steilen Abhängen begrenzt, dazwischen heraus gewachsene Klötze à la Arizona und Vingerklips. Neben einer finden wir nach 350 km unsere Lodge, wo eine deutsche Touristengruppe lärmt. Selbst zehn von der Sorte können ein Restaurant aufmischen. Die wenigen Individualtouristen sind paarweise und dezent. Wir kriegen mit, dass der Reiseleiter zugleich fährt, zehn Stunden am Tag. Hatten wir vorher schon mal vermutet. Wäre bei uns verboten und die Einheimischen wären auch froh über die jobs. Kolonialismus à la mode!

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Statistik lügt
Statistik ist schon eine merkwürdige Wissenschaft. „Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“ So drückt der Volksmund seine Skepsis aus. Die Problematik wird scherzhaft auch in der Wissenschaft formuliert: Wenn ich mit einem Bein in Eiswasser, mit dem anderen in kochendem Wasser stehe, dann habe ich durchschnittlich ein angenehmes Bad.
Jetzt hat die Auseinandersetzung zwischen Naturschützern und Befürwortern der Windenergie eine seltsame Blüte getrieben.
Statistiker haben festgestellt, dass durchschnittlich pro Windrad im Jahr ½ Raubvogel getötet wird. Das ist offensichtlich Unsinn: Halbe Raubvögel sind bereits tot. Die Ursache muss wo anders liegen.

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Samstag, 3. Juni 2017
Felszeichnungen
sind weltweit die ältesten kulturellen Zeugnisse. Sie hatten überwiegend rituelle Bedeutung. Z.B. werden oft Jagdszenen dargestellt. Daneben gibt es sexuelle Abbildungen, solche von Tieren und Geräten. In Namibia, in Twyfelfontein gibt es eine Steinplatte ca. 2 x 2 qm mit Bildern von Jagdtieren, Fußspuren und Werkzeugen. Es wird vermutet, dass es sich um so etwas wie eine Wandtafel handelt, mit der Jugendliche auf die Jagd vorbereitet wurden. Im Unterschied zu anderen Weltgegenden finden sich in Namibia vorwiegend Felsmalereien, während Gravuren seltener sind.

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Eine Reise durch Namibia - Vierzehnter Tag
Die anderen wollen bei Sonnenaufgang die Tiere am Wasserloch beobachten. Also klingelt der Wecker um ½ 6 Uhr. Pünktlich fangen alle Vögel an zu singen, nur die Tiere am Wasserloch machen sich rar. Ich gehe also wieder ins Bett.
Nach dem Frühstück beschließen wir, das „living museum“ der San (die sogenannten „Buschmänner“) zu besuchen. Vorher fliegt noch ein Französisch sprechendes Paar aus Umaru auf der farm-eigenen Piste zum Frühstück ein. Zum San-Museum fahren wir. Etwas unsicher und zögernd nähern wir uns einer Gruppe Frauen und Kinder, die uns aber heranwinken. Sie hocken, teils nur mit Lendenschurz bekleidet, die Kinder nackt, im Sand unter einem Schatten werfenden Fels. Männer – ebenfalls fast nackt – kommen. Einer spricht Englisch und erklärt uns, was sie machen wollen: Herstellung von Bindfäden aus Pflanzenfasern, Fallenbau, Bogenschießen, Herstellung von Schmuck aus Straußeneiern, Gesang und Tanz. Gesagt, getan. Beim rituellen Tanz werden Kinder und Frauen einbezogen.
Natürlich Folklore, um Geld zu verdienen, also o.k., wenn auch strange. Die Kinder werden vom Farmer in die Schule gefahren, wo sie u.a. von San in Englisch und Afrikaans unterrichtet werden. Untereinander sprechen sie San. Sie leben normal im Nordosten des Landes, wo sie 3 Monate im Jahr hinfahren. Sonst leben sie hier. Den Privatbereich dürfen wir nicht betreten. Dort leben sie in Zelten, während im Museumsbereich Hütten aus Pflanzenfasern u.ä. stehen. Wir dürfen auch fotografieren.
Anschließend Siesta mit Klönen, Lesen und Schreiben. Dabei entdecke ich am Wasserloch eine Familie Warzenschweine. Eine Agame kommt mir ebenfalls vors Objektiv. Für den späten Nachmittag verabreden wir eine Exkursion zu weiteren Felsmalereien mit 1 ½ Stunden Fußweg. Interessant: die Sansprache hat auch die Klicklaute der Nama, eher noch mehr.
Spät nachmittags machen wir den Ausflug: Felsmalereien der San, mit Botanik und etwas Zoologie. Einmal stöbern wir einen Schwarm roter Hornissen auf. Nur absolute Bewegungslosigkeit schützt uns vor ihren gefährlichen Stichen. Schließlich fliegen sie weiter. Vor allem kann ich mich mal länger bewegen, das fehlt mir schon bei der vielen Fahrerei. Schöner Sonnenuntergang, dann zurück und Abendessen. Alle sind zufrieden!

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Donnerstag, 1. Juni 2017
Eine Reise durch Namibia - Vierzehnter Tag
Der Nachtwächter des Hotels saß heute Nacht in eine Decke eingehüllt vor dem Eingang und schlief. Heute Morgen wühlt ein Mann in den Mülltonnen der gegenüberliegenden Bäckerei und zieht schließlich ab, ohne etwas gefunden zu haben.
Nach dem Frühstück kurz zur Bank und dann weg nach Osten. Unter-wegs schlägt Heiner einen Abstecher zur Spitzkoppe vor. Geologisch und kulturell interessant. Kurz vor Usakos geht’s nach Nordwesten ab. Am Straßenrand sehr ärmliche Behausungen, teilweise aus Blechteilen zusammengesetzt, hochgebockte Autowracks (wofür?). Am Straßen-rand primitive Verkaufsstände, an denen Kinder und Frauen Kristalle, Mineralien und selbst gemachte Souvenirs anbieten. Am Eingang zum Spitzkoppepark müssen wir etwas bezahlen. Ich kriege mit, dass die Kassiererin und ein guide Nama sprechen, deren Klicklaute mich be-geistern. Ich spreche sie darauf an, hole die anderen dazu. Die beiden sprechen uns was vor, sie erklären, dass die Sprache so schwer ist, dass Kinder sie erst mit 10 Jahren beherrschen. – Der guide rät uns, die Felszeichnungen im „Kleinen Buschmann-Paradies“ und die „Brücke“, ein Felsen mit einem haushohen Loch, zu besuchen. Kein ganz einfaches Unterfangen, denn die versprochene Beschilderung ist äußerst dürftig und besteht tatsächlich aus nur einem Wegweiser. Wir befragen eine Müll-Kolonne, einen Schäfer und eine italienische Gruppe und finden schließlich die Zeichnungen. Zur „Brücke“ gelangen wir durch Befragung eines Reiseleiters. - Beides schön, die „Brücke“ beeindruckend.
Wir beschließen entgegen der vorgeschlagenen Reiseroute eine Abkür-zung über Pisten zu nehmen, wieder sehr ärmliche Dörfer, einmal steht einer am Straßenrand und gestikuliert. Ich vermute, er will betteln.
Die Landschaft hat sich total verändert: vulkanisches Gebirge, dazwi-schen Baumsteppe. Immer wieder Rinder- und Ziegen-Herden. Einmal läuft uns ein kleiner Hütehund kläffend vors Auto, so dass ihn nur eine Notbremsung rettet.
Nach 250 km erreichen wir die sehr idyllische AiAiba-Lodge. Wir wer-den freundlich empfangen, richten uns ein und nach Kaffee und Kuchen machen wir den Spaziergang zu den - sehr verblassten - Felszeichnungen der „Buschmänner“.
Beim Abendbrot überrascht uns die Bedienung mit Nama. Sie macht sich einen Spaß daraus, uns zu foppen und lacht selbst am meisten. Gerhild sagt, sie lacht sogar Klicklaute. Wirklich eine faszinierende Sprache. Ich behaupte, die Klicklaute zu können, klappe aber mit den Füßen, wieder ein Grund für herzliches Gelächter. Auch das Essen ist gut.
Danach Kriegsrat, was wir morgen machen, kommen aber zu keinem rechten Schluss. Auf alle Fälle wollen wir morgen schon um ½ 6 Uhr aufstehen. Wir hoffen, bei dem Wasserloch vor unserem Haus Tiere sehen zu können. Heiner und Ulla haben da heute schon Warzenschweine beobachtet. – Bei einem Spaziergang sehen wir hoch oben auf dem Felsen Schliefer, hasengroße Vierbeiner, die den Sonnenuntergang zu bewundern scheinen. Auf der Lodge flitzen überall mit erstaunlicher Geschwindigkeit Agamen `rum, eine typisch afrikanische Eidechsenart, schwer zu fotografieren.
Abends sitzen Gerhild und ich noch auf der Terrasse: Mond noch im-mer sichelhaft, aber schon dicker und nach rechts oben offen. Der Wagen ist um 180° gedreht, die „Deichsel“ nach rechts und die „Ladefläche“ nach unten. Der Polarstern ist unterm Horizont. Untrügliche Zeichen, dass wir auf der südlichen Erdhalbkugel sind.

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Welwitschia und andere Wüstenwunder
Weltweit haben sich in ariden, d.h. Wüstengebieten besonders an das Wüstenleben angepasste Tiere und Pflanzen entwickelt. Eine Auswahl findet man nahe Swakopmund im meist trockenen Swakoptal. Flechten unterscheiden sich farblich und strukturell kaum vom Wüstenboden. Sie können aber in Furchen und Rinnen auf ihrer Oberfläche im abendlichen und morgendlichen Nebel Wasser aufnehmen. Begießt man sie mit Wasser, so blühen sie in Minutenschnelle auf, können aber auch lange Dürreperioden überstehen. Anders der Talerbaum, ein endemisches Gewächs, das also nur hier vorkommt. Er braucht neben Tau auch feuchten Boden. Den talerförmigen Blättern verdankt er seinen Namen. Der Star im Swakoptal ist die Welwitschia, benannt nach ihrem Entdecker, dem Botaniker Friedrich Welwitsch. Dieses Gewächs findet sich in einem schmalen Streifen von der Namib-Wüste bis Südangola. Es wächst aus einem Zentrum mit flachen Trieben sternförmig nach allen Seiten. Der rübenförmige Stamm ragt bis drei Meter in die Erde und hat Pfahlwurzeln mit sehr vielen feinen Verzweigungen. An den Blättern der Welwitschia kondensieren Tau und Nebel, das Wasser tropft auf die Erde, versickert und wird von den Haarwurzeln aufgenommen. Das garantiert beste Chancen, irgendwie an Wasser zu kommen. Oberirdisch wachsen lappige Blätter mit einer Länge bis zu drei Metern.

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Abschiebung und Zynismus
Es ist ein Hohn der Geschichte: Der Nachfolger eines Hugenotten, Lothar de Maiziere, wird zunehmend zum Hardliner für Abschiebungen. Die Hugenotten, eine in Frankreich verfolgte religiöse Minderheit fand seinerzeit Aufnahme in Preußen.
Jetzt also Innenminister. Die Staubwolken der gigantischen Explosion in Kabul waren noch nicht verflogen, da nahmen deutsche Polizisten einen jungen afghanischen Flüchtling unter dramatischen Umständen in Abschiebehaft. Von der Schulbank weg. Seine MitschülerInnen blockierten den Abtransport, es folgten tumultartige Szenen. Brutale körperliche Gewalt, Gerangel am Boden, Einsatz von Pfefferspray. Angesichts der Fernsehbilder in der Tagesschau sollte niemand sich mehr wundern, dass der Respekt vor der bewaffneten Staatsmacht vor allem bei jungen Leuten sinkt.
Und der Innenminister? Storniert den Abschiebeflug, mit dem der junge Mann nach Kabul ins Chaos verfrachtet werden sollte. Nicht etwa aus Mitleid mit dem Flüchtling, sondern weil die deutsche Botschaft in der afghanischen Hauptstadt wegen der Beschädigungen durch die Bombe z.Zt. nicht in der Lage ist, die Abgeschobenen in Empfang zu nehmen. Der Schub des jungen Mannes mit der nächsten Maschine ist ihm sicher. Zynismus in Reinkultur!
Nachtrag 2.6.17: der Protest der außerparlamentarischen Opposition konnte von der SPD nicht ignoriert werden. Also zwang diese die Bundesregierung Abschiebungen (mit Ausnahmen) nach Afghanistan vorerst nicht durchzuführen. Und die CDU windet sich!
Ihr Leiden sehe ich mit Vergnügen.

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