Montag, 25. Mai 2020
Corona-Tagebuch 28.: 3 kleine Schritte
Drei kleine Schritte in Richtung Normalität konnten wir jetzt machen. Früher (Beitrag vom 16.04.20) haben wir Reisen, Kino, Treffen mit FreundInnen, Restaurantbesuche und regelmäßigen Sport vermisst. Und nun: in eigeschränktem Umfang bietet unser Verein „Gymnastik und Kondition“ im Freien an – mit Abstand! Beim wieder eröffneten Italiener herrschte fröhliche Ausgelassenheit – mit Mundschutz und Abstand! Jetzt haben wir uns auch wieder mit FreundInnnen getroffen. Gestern mit einer befreundeten Familie – mit Abstand und ohne Umarmung oder Handschlag. Na ja, geht auch ohne. Früher waren Handschlag üblich, aber Umarmungen ganz unüblich.

Nur die Unterhaltung drehte sich weitgehend um das Virus: Wie die Seuche den beruflichen Alltag und die Schule verändert hat. Digital ist Trumpf! Selbst Theater wird jetzt virtuell gemacht. Das setzt neue digitale Fähigkeiten voraus, die erst ermittelt und gelernt werden müssen.

Unser Einkaufsverhalten musste sich verändern: Draußen bleiben, bis ein anderer Kunde den Laden verlässt, Mundschutz, Abstand in der Schlange. Nur leider erhalten sich viele Kundinnen ihr altes Einkaufsverhalten: Egal wie viele KundInnen draußen im kalten Wind stehen: Es wird umständlich ausgesucht, nachgefragt, geklönt …Das erfordert Geduld, die ich nicht habe. Meine FreundInnen sind da toleranter, beneidenswert.

Für nächste Woche haben wir uns mit einem anderen Paar verabredet. Und ich kann den Sprachunterricht für „meinen“ syrischen Flüchtling – zur gegenseitigen Freude – wieder aufnehmen.

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Lügde: Skandal gebiert Skandal
Der massenhafte sexuelle Missbrauch von Kindern auf und um den Campingplatz in Lügde ist hinsichtlich der Täter juristisch „aufgearbeitet“: langjährige Haftstrafen mit anschließender Sicherungsverwahrung.

ABER: Das große ABER harrt noch der Aufklärung. Nicht nur die NRW-Polizei spielte in dem Skandal eine unrühmliche Rolle (Verschwinden bzw. Nichtendecken von Beweismaterial, persönliche Inkompetenz, Führungsmängel), auch die zuständigen Jugendbehörden haben dreckige Finger bis über die Ellenbogen. Untätigkeit, Verschleierung, Verschleppung sind die Vorwürfe, die ihnen in einem Anschlussprozess gemacht werden.

Und nun mauern die angeklagten BehördenmitarbeiterInnen vor Gericht: sie verweigern die Zeugenaussage. Das ist ihr Recht, lässt aber vermuten, dass an den Vorwürfen etwas dran ist. Und sie verhindern damit die Aufklärung des GESAMTEN Skandals. Die wäre nötig und sinnvoll, um ggf. Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen.

Als in Bremen vor Jahren der Skandal um Kevin hochpoppte, in dem das Jugendamt ebenfalls massiv versagt hatte, wurde unter Leitung eines Wissenschaftlers eine Untersuchung angestrengt, deren Ergebnis die Neuorganisation des Jugendamtes und personelle Aufstockung waren. Dieser Prozess war transparent und öffentliche nachvollziehbar. So arbeitet man Konflikte auf und vermeidet zukünftigen Schaden. Leider bisher nicht in Lügde und Umgebung.

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Donnerstag, 21. Mai 2020
Corona-Tagebuch 28.: Reemtsma über Verschwörungstheorien und Corona-Virus
In der taz-nord vom 20./21.05.20 findet sich ein beachtliches Interview mit Jan-Philipp Reemtsma über Verschwörungstheorien und Corona-Virus, zu lesen unter dem folgenden Link: https://taz.de/Jan-Philipp-Reemtsma-ueber-Corona-Demos/!5686079/
Viel Vergnügen beim Lesen
Bleibt aufrecht und gesund!

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Corona-Tagebuch 27.: Corona deckt Missstände auf
Insidern und einer aufgeklärten Öffentlichkeit sind die skandalösen Zustände in norddeutschen Schlachthöfen lange bekannt: Überlange Schichten, Arbeitsdruck durch Akkord, Mangel an Arbeitsschutz und Hygiene, keine Arbeitsverträge durch ein System von Subunternehmern (bis zu 80% der Belegschaften), keine Betriebsräte, fehlende gewerkschaftliche Organisierung, mangelnde staatliche Kontrolle, miserable Unterbringung in überteuerten Wohnungen oder Heimen. Das langt erst mal.
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Bis auf wenige stört sich niemand bisher daran, außer engagierten Individuen – z.B. ein Pfarrer – und der Gewerkschaft NGG, der wegen des geringen Organisationsgrads die Hände gebunden sind.

Aber jetzt gibt es einen Skandal im Skandal. In mehreren Betrieben sind Corona-Infektionen ausgebrochen. Das wundert niemanden, der die Verhältnisse kennt, vor denen schon lange gewarnt wird. Und nun auf einmal ist „Holland in Not“. Betriebe wurden geschlossen, Arbeiter in Quarantäne geschickt. In die überbelegten Heime und Privatwohnungen etwa?

Wenn die Pandemie etwas Guten haben sollte, dann müssten der Ausbruch in den betreffenden Betrieben die Verhältnisse grundlegend geändert werden, in allen Betrieben. Und wie? Einfach die aufgezählten Missstände beseitigen, und zwar sofort – per Gesetze, Verordnungen, Kontrolle und gewerkschaftliche Organisierung.

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Corona-Tagebuch 26.: Vorurteile und Aufklärung
Über die Anti-Corona-Demonstranten wird z.Zt. heftig debattiert. Woher stammen deren Motive? Wie lässt sich dem begegnen. Jan-Philipp Reemtsma hat dazu einiges erklärt (taz nord 20./21.05.20) Befragt, was dagegen zu tun sei, antwortet er: „Nichts“. Er empfiehlt, ihnen nicht zu viel Bedeutung zuzumessen, um ihren Narzissmus nicht zusätzlich zu bedienen. Polizeiliche Begleitung sei nützlich, um Schlimmes zu verhindern. Gegendemonstrationen oder gar Verbote würde diese Menschen nur bestätigen.

Dabei fällt mir eine Erfahrung aus meiner Biografie ein: In der Studentenbewegung kam in Berlin die Idee auf, man müsse die Berliner Bevölkerung agitieren. Offensichtlich dominierte die Springerpresse den Zeitungsmarkt, insbesondere mit dem Boulevard-Blatt BZ sowie der Bild. Dort wurden systematisch Falschmeldungen und reaktionäre Kommentare über die DDR und die Studentenbewegung in Westberlin und Westdeutschland verbreitet.

Wir Studenten hatte die Illusion, durch Straßenagitation eine Gegenöffentlichkeit herzustellen. Kleine Trupps von uns bevölkerten den Ku-Damm, sprachen Passanten an und verwickelten sie in Diskussionen. Nun waren die Ku-Damm-Passanten am Wochenende nicht unbedingt für unsere Anliegen offenen, eher im genauen Gegenteil. Nur wenige ließen sich überhaupt auf ein Gespräch ein und wenn ja in der Absicht uns zu agitieren. Nicht selten schlugen uns Beleidigungen, faschistische Ansichten und Aggressionen entgegen.

Ein Beispiel war besonders grotesk. Einer der Kommilitonen war 1961 kurz vor dem Bau der Mauer aus der DDR geflüchtet. Er sprach ein ziemlich breites Sächsisch. In einem Gespräch mit einem älteren Ehepaar musste er sich erst ein paar Beleidigungen anhören. Z.B. wir seien langhaarige Affen, ungewaschen, würden nicht arbeiten und auf Steuerkosten schmarotzen. Schließlich keifte die Frau: „Hör doch, der spricht ja sächsisch wie Ulbricht. Der ist vom Osten gesteuert, der ist geschickt.“

Unserem Freund fiel angesichts des blanken Hasses nur ein zu kontern: „Und Sie sind ungeschickt.“ Ein Wortspiel, das die beiden eher nicht verstanden. Das Gespräch – wenn man davon reden will – war damit beendet. „Komm Männe, der spinnt doch.“ Wir haben diese Ku-Damm-Agitation sehr schnell aufgegeben. Aber es war immerhin eine wichtige Erfahrung.

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Dienstag, 19. Mai 2020
Schwulenfeindlicher Homo?
Der gegenwärtige Pastor der Bremer Martini-Kirche fiel schon früher durch flotte Sprüche aus der ganz rechten Ecke auf. Jetzt ist sogar die Staatsanwaltschaft hinter ihm her. Mit einer Reihe von schwulenfeindlichen Sprüchen hat er Öffentlichkeit ebenso wie Politiker aufgeschreckt. Vorgeworfen werden ihm Volksverhetzung, Beleidigung, üble Nachrede.

In der Presse ist zu lesen, dass der – evangelische! – Pastor „zölibatär“ lebt. Das in Zusammenschau mit seinen homophoben Äußerungen könnte die Vermutung aufkommen lassen, dass er selbst latent homosexuell ist, was er durch besonders schwulenfeindliches Auftreten zu kompensieren versucht.

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Corona-Tagebuch 26.: Impfpflicht?
Es ist noch keine drei Monate her, dass Gesundheitsminister Spahn die Impfpflicht gegen Masern als Gesetz durchboxte. Kinder ohne Impfpass dürfen seit dem 1. März in keine Schule und in keine Kita oder sonstige Kindergruppe.

Die buntscheckige Schar von Protestlern gegen die Corona-Regeln ficht wacker gegen Mundschutz, Kontaktsperre, Abstand und andere Einschränkungen nach dem Seuchenschutzgesetz. Verschwörungstheoretiker, andere Spinner beschwören Anschläge seitens Bill Gates (zwangsweise Einpflanzung von Chips zur Erreichung der Weltherrschaft) und eine Impfpflicht. Nun ist das gegenwärtig keine Gefahr, weil es gar keinen Impfstoff gibt. Aber so ganz abwegig ist die Befürchtung nicht – siehe Masern-Impfpflicht.

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Corona-Tagebuch 23: Todesursache? Egal!
Gerade komme ich vom Naturkost-Laden mit einer 2-kg-Tüte Rapunzel-Müsli nach Hause, da lese ich in der taz über den Rapunzel-Gründer und –Geschäftsführer, Joseph Wilhelm, dessen Äußerungen zur Corona-Krise: Kontaktbeschränkung, Abstand und Mundschutz lehnt er strikt ab. Und außerdem: „Umso älter Menschen werden, umso weniger bedeutsam ist die Todesursache. Unser Leben ist nun mal endlich.“ Es sei merkwürdig, „dass wir den Tod, dem wir aus welchen Gründen auch immer irgendwann erliegen werden, mit allen Mitteln zu verhindern suchen.“ zitiert die taz Wilhelm aus der Internet-Seite von Rapunzel. Die Firma hat die Seite nach zahlreichen Boykott-Aufrufen inzwischen gelöscht.

Als eine konsequente Frage bietet sich an: Wenn Todursache und Todeszeitpunkt egal sind, warum hängt Wilhelm sich nicht einfach auf?

Wie kann der ernährungsbewusste Zeitgenosse die Produkte von Rapunzel boykottieren? Rapunzel hat eine monopolartige Stellung und ist zu allem Unglück auch noch mit Zwergenwiese liiert. Von der beziehe ich meinen Senf.

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Sonntag, 17. Mai 2020
Röwekamp haut in’n Sack
Der Fraktionsvorsitzende der CDU in der Bremischen Bürgerschaft, Thomas Röwekamp, zieht sich aus der Politik zurück. Viele BremerInnen halten das für keinen Verlust. Röwekamp sorgte immer wieder durch fragwürdige Eskapaden für Widerspruch und Polarisierung. Erfolgreich hat er immer wieder Kontroversen in der eigenen Partei provoziert und Konkurrenten, besonders Frauen „weggebissen“, wie ein Insider es nennt.

Elisabeth Motschmann zog es 2013 vor, ein Bundestagsmandat anzunehmen, um dem lokalen Gerangel zu entkommen. Rita Mohr-Lüllmann gab ebenfalls 2013 entnervt auf, zog nach Bayern und trat der CSU bei. Dass es nicht, jedenfalls nicht nur um Inhalte ging, zeigt die Tatsache, dass Frau Motschmann zum konservativen Flügel der CDU gehört, während Frau Mohr-Lüllmann als gemäßigt fortschrittlich gilt.

Natürlich berichtet buten un binnen über Röwekamps Rückzug. Die innerparteilichen Querelen werden aber nicht einmal erwähnt. Nicht unerwähnt blieb das skandalöse Auftreten in einer buten-un-binnen-Sendung, in der er zum Tod eines Afrikaners in Polizeigewahrsam befragt wurde. Der Mann wurde, als Drogendealer verdächtigt, einer Brechmittel-Infusion unterzogen, bei der er mit Flüssigkeit in der Lunge starb.

Rövekamp hat diese Todesart als hinnehmbares Risiko von Dealern bezeichnet: "Schwerstverbrecher" müssten "mit körperlichen Nachteilen" rechnen. Und dies öffentlich in einer Sendung des Regionalmagazins "buten un binnen"! Das war 2014.

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Dienstag, 12. Mai 2020
Corona-Tagebuch 22.: Internet "next to god"
Ein Demonstrant gegen die Corona- Maßnahmen wird interviewt. Er informiere sich im Internet, so der Demonstrant. Was er da erfahre, könne er nicht mit dem zur Deckung bringen, was in „den Medien“ berichtet wird. Auf die Idee, dass seine Informationsquelle, das Internet, Fake News verbreite, kommt er nicht. „Die Lügenpresse“, das sagt schon der Name, verbreitet Lügen, während das Internet "next to God" ist. Derartige crétins glauben nur, was sie glauben wollen. Man muss nur „dem Volk“ aufs Maul schauen, um das Schlimmste für die Demokratie zu befürchten.

-------------------Der neue Götze:

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Montag, 11. Mai 2020
Corona-Tagebuch 22.: Krise Ex
Ein Blick aus dem Fenster beweist: Die Corona-Krise ist vorbei!
Vor dem Haus staut sich schon seit Stunden der Verkehr wie vor der Krise.

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Dann sollten auch die Restaurants wieder geöffnet sein.

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Corona-Tagebuch 21.: Demokratie in Gefahr?
Die letzten Tage habe ich nichts geschrieben, sondern gegrübelt: Wie sind die Corona-Krise und der „lock-down“ politisch einzuschätzen?

Zunächst ist mir klar geworden, dass das mir vorher unbekannte Infektionsschutz-Gesetz der Regierung quasi diktatorische Macht verleiht. Und die Regierung hat dessen Rahmen weitgehend ausgeschöpft. So weit, dass der autokratische Regierungschef Orban von Ungarn sich mit seinem Gesetz auf Deutschland berufen konnte – mit einer kleinen Ausnahme: In Ungarn gelten die Vorschriften auf unbestimmte Dauer und das Parlament ist praktisch paralysiert.

Dann wurde mir klar, dass in Wirklichkeit nicht die Bundesregierung regiert, sondern die Länder-Regierungen, die „machen können, was sie wollen“, zumindest in der bisher letzten Phase. Aus der anfänglichen Machtstellung der Bundesregierung, speziell der Kanzlerin, wurde allenfalls eine lediglich koordinierende Funktion.

Dann hat die Bevölkerung die Einschränkungen durch die Pandemie weitgehend widerspruchslos hingenommen und befolgt. Nur zur Erinnerung: unsere Grundrechte wurden erheblich eingeschränkt:
• Artikel 2: Entfaltung der Persönlichkeit, körperliche Unversehrtheit (ein Bürgermeister schlägt vor, Alte medizinisch nicht zu behandeln),
• Artikel 8:Versammlungsfreiheit,
• Artikel 11: Freizügigkeit,
• Artikel 12: Berufsfreiheit.
Immerhin wurde die Meinungsfreiheit bisher nicht eingeschränkt. Nicht zu unterschätzen!

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Einige Einschränkungen wurden inzwischen teilweise aufgehoben (z.B. Versammlungsfreiheit). Parlamente und Justiz sind weiter funktionsfähig. Öffentliche und private Meinungen dürfen geäußert werden und sind nicht ohne Einfluss auf die Entwicklung.

Andererseits blubbern verstärkt finstere Mächte auf: Verschwörungstheoretiker, Paranoiker, verschwurbelte Esoteriker, Spökenkieker, Populisten, Antisemiten, Impfgegner, Rechtsextreme, Prepper, Terroristen u. ä. Das gibt sehr zu denken, zumal Exekutive und Justiz schon gar nicht mehr hinterherkommen. Wo waren und sind diese angeblichen „Widerständler“, wenn es wirklich um Abbau von Bürgerrechten geht, z.B. beim Datenschutz, um das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit, z.B. beim Umweltschutz?

Die Mehrzahl der Deutschen hat sich mit der Krise abgefunden. Gegenseitige Kontrolle funktioniert. Wer sein Ein- und Auskommen hat, kann ungestört konsumieren, Reisen sind begrenzt wieder möglich. Versorgungsengpässe sind allenfalls vorübergehend. Obdachlose werden mit Essen und Kleingeld beschenkt. Radio, Fernsehen und Internet werden als Ersatz für Theater, Kino und Konzert – wenn auch murrend – hingenommen. Individualsport ist wie das Treffen mit FreundInnen (wieder) möglich.

Zusammengenommen überwiegen für mich Hoffnungen darauf, dass es nicht schlimmer, vielleicht sogar besser wird als vor der Pandemie. Äußerste Wachsamkeit und Handlungsbereitschaft aller Demokraten sind dringend geboten!

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Freitag, 8. Mai 2020
8. Mai 1945
8. Mai 1945, der Krieg ist vorbei. Deutschland ist besetzt. Die Besatzungssoldaten haben den Auftrag, möglichst umfassend den Nationalsozialismus zu bekämpfen. Einige tun das sehr beflissen. Das spricht sich herum. Fiberhaft werden Symbole und Gegenstände vernichtet oder beseitigt, die Hinweise auf eine NS-Vergangenheit geben. Das war neben vielen anderen auch eine Sorge.

Meine Mutter tat das sehr eifrig. Während mein Vater noch in Gefangenschaft war, musste sie, davon war sie fest überzeugt, den Offiziers-Dolch meines Vaters, mit einem Hakenkreuz „verziert“, beseitigen. Der Schwanenteich schien ihr dafür geeignet zu sein. Sie wickelte ihn zur Tarnung in eine alte Schürze, verbarg das Bündel in meinem Kinderwagen und warf es in den Teich. Aber, oh Schreck, das Bündel ging nicht sofort unter, sondern blähte sich auf und trieb auf dem Wasser. Sie geriet in Panik. Ängstlich blickte sie sich um, ob jemand sie beobachtete. Da niemand in der Nähe war und das Bündel sich auch langsam mit Wasser vollsog und unterging, lief sie erleichtert und rasch nach Hause.



Später gab es noch ein Problem. Mein Vater hatte das „Eiserne Kreuz“ bekommen, das im 2. Weltkrieg mit einem Hakenkreuz versehen worden war. Es musste also ebenfalls verschwinden. Meine Eltern dachten, unter dem Kohlenhaufen im Keller sei es gut versteckt. War es auch und zwar so gut, dass nicht auffiel, dass es mitsamt dem Koks im Ofen verschwand. Beim Reinigen des Ofens von Asche tauchte es wieder auf: Kohlekrümel hatten sich eingebrannt – eine „Entweihung“. Mit einer Drahtbürste wurde es vorsichtig gereinigt und befindet sich jetzt in meinem Besitz.

Aber: Wohin damit? Einem Händler von Militaria will ich es nicht überlassen. Und wir haben eine Gasheizung.

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Donnerstag, 7. Mai 2020
Corona-Tagebuch 20.: Hurra: Friseurtermin
Eigentlich wollten wir seit dem Wochenende meine Schwester in Süddeutschland besuchen, dann uns mit FreundInnen in Franken treffen und schließlich ein befreundetes Paar in der Nähe besuchen. Alles unmöglich. Jetzt bin ich froh, dass ich heute einen Termin beim Friseur bekommen habe!

Ansonsten geht‘s uns gut. Wir genießen das schöne Wetter. Immerhin sind die Restriktionen in Bremen relativ liberal, so dass wir gelegentlich zu Radtouren die Landesgrenzen passieren können. Wir könnten auch reisen, wenn es Länder gäbe, die uns `rein lassen.

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Dienstag, 5. Mai 2020
Corona-Tagebuch 19.: Immunitäts-Nachweis
Der forsche Herr Bundesgesundheitsminister hat sich wieder eine lustige Idee ausgedacht. Alle, die nach überstandener Covid-19-Infektion glücklich überlebt haben und angeblich nunmehr immun sind, sollen einen Ausweis erhalten, der ihre Immunität bestätigt. Dann können sie wichtige Tätigkeiten übernehmen, die potentiell ansteckend sein können.

Warum so zaghaft, Herr Minister? Es gibt doch viel praktischere Kennzeichnungen. Wie wäre es damit: Die Pflicht, Atemschutz-Masken zu tragen, wird allgemein. Vorgeblich immune Menschen tragen eine gelbe Maske mit einem 10 cm großen Smiley. Bisher noch nicht immune Personen bekommen einen roten Mundschutz, der ein Corona-Virus zeigt. So kann jede/r sofort erkennen, wie er/sie dem jeweiligen Gegenüber begegnen darf oder muss. Die Nazis haben diese Methode übrigens früher höchst erfolgreich erprobt.

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Montag, 4. Mai 2020
Corona-Tagebuch 18.: Söder rides again
Helmut Schleich, urbayerischer Kabarettist, vermutet, das Chamäleon solle das Wappentier Bayerns werden. MP Söder hat eine erneute Initiative in diese Richtung unternommen. Das „Vorpreschen“ von Sachsen-Anhalt in Richtung Lockerung des Kontaktverbots – fünf Menschen dürfen sich außerhalb der Wohnung treffen – sowie die Entscheidung Niedersachsens – schrittweise Öffnung der Gastronomie und der Schulen – reizten den Widerspruch Söders.

Die beiden Länder hätten damit den in der vergangenen Woche mit der Bundeskanzlerin getroffenen Konsens unterlaufen und seien jetzt vorgeprescht. Dass ausgerechnet er so kritisiert, entbehrt nicht der Komik. War Söder es doch, der gemeinsam mit NRW-Ministerpräsident Laschet die Phalanx nach dem ersten Konsensgipfel verließ und sich dabei mit Laschet ein Wettrennen lieferte. Dabei ging es weniger um die Bekämpfung der Seuchen-Krise als um die zukünftige Kanzlerkandidatur.



Mal hüh, mal hott, je nachdem wie es Söder in den Kram passt. Mal reitet er beherzt weit vor der Tête, mal kritisiert er dasselbe bei den anderen. Nur hat er diesmal nicht NRW, sondern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt als Konkurrenten.

Wenn er glaubt, die Bürger hätten ein so kurzes Gedächtnis, dass sie seine Volten nicht bemerken, irrt er sich zumindest bei mir. Hoffentlich auch bei anderen.

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