Donnerstag, 27. April 2017
Namibia 2010 - Sprachen
Entsprechend der ethnischen Vielfalt des Landes existieren 29 unterschiedliche afrikanische Sprachen. Offiziell wird Englisch gesprochen, ein Überbleibsel aus der Zeit des südafrikanischen Mandats. Daneben ist häufig Afrikaans –die Sprache der südafrikanischen Buren – zu hören, ebenfalls als Relikt aus der Mandatszeit. Die Nachkommen der Deutschen Siedler und Händler – ca. 5% der Bevölkerung - sprechen weiterhin ein etwas altmodisches Deutsch.
Die afrikanischen Sprachen werden fast ausschließlich von den jeweiligen Ethnien gesprochen. Für europäische Ohren klingen sie wegen der Klicklaute lustig. Diese Klicklaute entstehen durch Schnalzen mit der Zunge.

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Dienstag, 25. April 2017
Namibia 2010 - ein Reisetagebuch (2)
Die Nacht im Flieger ist nicht wirklich geruhsam, aber als wir am
zweiten Tag um 5 Uhr in Windhuk ankommen, bin ich einigermaßen ausgeruht. Von dort wol-len wir mit einem Geländewagen kreuz und quer durch`s Land fahren. Zunächst aber gibt’s doch noch mal Verwirrung. Der bestellte 2 x 4 Wagen ist nicht da, uns wird ein PKW angebo-ten mit der Zusage, dass der Geländewagen in der Anib Lodge in Mariental übergeben wird.
Wir fahren in die Stadt. Hier wird links gefahren. Das kenne ich schon aus England, Schottland und Irland. Der innerstädtische Verkehr in Windhuk ist eher beschaulich.
Am Straßenrand hocken Paviane auf den Zäunen. Die Hauptstraße ist ein Konglomerat aus alt-deutschen Kolonialhäusern und einfallsloser Moderne. Ganz uneinheitlich und nicht schön. Die Koloniale Vergangenheit, d.h. die Zeit unter deutscher Herrschaft von 1884 – 1915 hat sich u.a. in der städtischen Architektur niedergeschlagen. Plakat- und Promotion-Kampagne gegen Aids. Zielgruppe sind Frauen: Der Slogan lautet „Break the Chain“, d.h. die Frauen sollen bei wechselnden Partnern auf Verhütung bestehen und so die Weitergabe der Infektion verhindern. Auf Heiners Vorschlag fahren wir auf ein Kolonial-schloss und frühstücken dort ausgiebig und gut.
Abfahrt nach Süden. Heiner erklärt die Landschaft. Kurz vor Mariental machen wir einen Abstecher zum Hardap-Damm und –Stausee. Der ist gewaltig und beeindruckend, in der Trockenheit der Umgebung fast wunderbar. Der Stausee versorgt vor allem Windhuk mit Trinkwasser. Wir trinken etwas im Restaurant und fahren weiter nach Mariental in die Anib-Lodge. Heute sind wir 320 km gefahren.
Dort ist alles auf afrikanisch gestylt, geschmackvoll, nicht überkandidelt. Aber es gibt ein Problem: wir haben kein Handy-Netz, also können wir wegen der Wagenübergabe nicht kontaktiert werden. Miss Klara von der Rezeption telefoniert für uns, immer wieder ohne eine zuverlässige Information zu bekommen. Um 22.30 Uhr geben wir auf und hoffen auf morgen.
Das Dinner ist gut, wenn auch nicht reichhaltig. Dazu gibt es zwei Einlagen: Zu Beginn gehen 3 junge Frauen nach vorn, klatschen 3 x in die Hände; es tritt Ruhe ein, und sie geben die Speisefolge auf Englisch, Deutsch und Nama bekannt. Hier höre ich zum ersten Mal die berühmten Klicklaute, für uns sehr witzig. - Gegen Ende des Menüs bewegen sich einzelne Angestellte durch die Tischreihen nach vorn, bilden einen Halbkreis und fangen an zu singen und zu tanzen. Gesang mit Vorsängerin und mehrstimmigem Chor. Die Tänze einfach, aber gekonnt. Am beweglichsten ist die Köchin mit ihrer Plastikhaube und ihrem dicken Hintern. - Das war keine „Touristen-Folklore“, kam nicht spontan, aber urig ´rüber. Über unser Lob freuen sie sich sehr.

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Das schiefe Bild der Kriminalstatistik
Bundesinnenminister de Maiziere stellte die „Kriminalstatistik“ vor. Er vergaß dabei darauf hinzuweisen, dass alle Schlussfolgerungen aus dieser Statistik äußerst fragwürdig sind.
Die Kriminalstatistik ist eigentlich eine POLIZEI-Statistik; sie registriert lediglich ANZEIGEN, nicht aber gerichtlich festgestellt Vergehen oder Verbrechen. Viele der Anzeigen bei der Polizei kommen entweder gar nicht zur Anzeige oder werden niedergeschlagen oder enden mit Freispruch. Darunter sind auch viele Bagatell-Delikte.
Z.B. zwei Jugendliche werden wegen „Raubes“ angezeigt, angeklagt und zu einer „erzieherischen Maßnahme verurteilt“. Was war geschehen? Die Jugendlichen haben im Bus einen dritten bedrängt und aufgefordert, ihnen 50 Cent zu geben, um die Fahrkarte zu bezahlen. Der Dritte gibt das Geld heraus und erzählt seinen Eltern davon. Diese eilen flugs zur Polizei: Anzeige. Gerichtsverhandlung. Urteil. Maßnahme. So schnell wird die Kriminalstatistik um ein „Raub-Delikt“ angereichert.
Vor allem die gestiegene Anzeige-Bereitschaft der Bevölkerung führt dazu. Manchmal wundert man sich, um was Prozesse geführt werden!
Als ich Jugendlicher war, klauten wir im Vorbeigehen schon mal einen Apfel aus der Auslage des Osthändlers. Wurden wir erwischt: Schimpfe, Taschengeldentzug, Stubenarrest oder Ohrfeige (nicht gerade die optimale Maßnahme!), damit war die Sache erledigt.
Wenn heute ein Jugendlicher eine Tüte Bonbons im Supermarkt klaut, wird der „Diebstahl zur Anzeige gebracht“ (Aushang im Supermarkt). Wieder eine Anreicherung der Kriminalstatistik.
Um einen realistischen Überblick über die tatsächliche Kriminalität zu bekommen, wäre es sinnvoll, die gerichtlichen Urteile zu zählen. Das aber stößt auf Verwaltungsprobleme. Die allgemeine Justiz ist Ländersache. Man müsste also die Urteile aller sechzehn Bundesländer erfassen, zusammenführen und bewerten. Wird aber nicht gemacht. Und die „Kriminalstatistik“ macht sich u.a. für die Polizei gut, kann sie doch damit ihre personellen und finanziellen Forderungen untermauern.

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„Bibi“ Netanjahu trotzt
Er hat es schon wieder getan: Israels Ministerpräsident Netanjahu ist beleidigt und trotzt. Der deutsche Außenmister Gabriel hat ihn erschreckt. Er will sich mit Nicht-Regierungs-Organisationen treffen, u.a. mit „Breaking the Silence“, einer israelischen Reservisten-Organisation, die Verstöße der israelischen Besatzungsarmee in Palästina gegen Menschenrechte aufdeckt.
Netanjahu weigert sich deswegen, sich mit Gabriel zu treffen.
Nun ist „Breakin the Silence“ eine legale, wenn auch regierungskritische Organisation, die wertvolle Informationen an die Öffentlichkeit bringt.
Netanjahu sieht darin das Ansehen Israels in der Welt beschädigt. Nein, umgekehrt! Ein Ministerpräsident, der mit Kritik nicht umgehen kann und ein Treffen mit dem deutschen Außenminister ablehnt – DER beschädigt das Ansehen der israelischen Regierung in der Weltöffentlichkeit!

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Montag, 24. April 2017
Namibia 2010 - ein Reisetagebuch (1)
Zu viert machten wir 2010 eine Reise nach Namibia: Heiner und Ulla, Gerhild und ich. Heiner – studierter Geograf – bereitete sich auf die spannende Geologie in dem südafrikanischen Land vor, Ulla las alles über die Tiere in Busch und Steppe. Gerhild und ich arbeiteten die Reisestrecke aus und kümmerten uns um die Sehenswürdigkeiten. So gut präpariert brachen wir im April 2010 auf. Der Flug ging von Frankfurt nach Windhuk (Namibia). Ulla und Heiner reisten von Darmstadt an, Gerhild und ich von Bremen.
Erster Tag: Am Bremer Bahnhof ging’s schon los. Unser Zug hat solche Verspätung, dass unsicher ist, ob wir den Anschluss in Hannover bekommen. Nach einigen Recherchen entscheiden wir, das Risiko einzugehen; und in Hannover klappt – knapp – der Anschluss. Fast pünktlich sind wir in Frankfurt/Flughafen, wo wir schnell die Darmstädter finden. Dann geht alles nach Plan.

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Die feine englische Art
Das Gentleman-Ideal – die feine englische Art – gilt immer noch. Anders als in Deutschland wird Älteren, Frauen, Leuten mit Gepäck an der Rolltreppe der Vortritt gelassen. Da wird einer fremden Frau auch schon mal die Tür aufgehalten und der Vortritt gelassen. Älteren und Frauen wird selbstverständlich im Bus ein Platz angeboten.
Da wird dem Ortsfremden Hilfe bei der Orientierung angeboten. Im Restaurant, selbst im Take-Away, erkennt der Wirt oder Kellner den Gast schon beim zweiten Mal wieder. Der Busfahrer hält nach dem Anfahren noch mal kurz, um dem verspäteten Fahrgast die Tür zu öffnen und ihn einsteigen zu lassen. Auf der Rolltreppe gilt: Links stehen, rechts gehen.
Und das nicht nur in verträumter ländlicher Idylle, keineswegs, sondern u.a. in Greater London.
In Deutschland herrscht dagegen Ellenbogen-Mentalität: ICH bin schneller, ICH habe es eiliger, ICH will nach vorn. Egal ob im Kaufhaus oder auf der Autobahn. Die Deutschen verhalten sich in immer so, als ginge es um etwas ganz Wichtiges. Ohne Rücksicht auf Verluste.
Dabei herrscht eine strenge Hierarchie: Männer vor Frauen, Jüngere (ausgenommen Kinder) vor Älteren, Anzug vor Blaumann, Wohlhabend/Reich vor weniger BeTUCHten.
Man stelle sich in Deutschland nur mal vor: Der Reisende versteht das Bezahlsystem in der Londoner U-Bahn nicht und löst einen falschen Fahrschein. Beim Ausgang kommt er nicht durch’s Drehkreuz. Die Sicherheitsperson klärt auf – next time - und öffnet den Ausgang. In Deutschland: 60 € erhöhter Fahrpreis – so passiert in der Berliner S-Bahn zum Flughafen Schönefeld.
Ich weiß: Pauschalisieren. Aber: Pauschale und Vorurteile sind nicht grundsätzlich falsch, denn sie beruhen auf Erfahrungen. Sie werden nur falsch, wenn sie nicht korrigiert werden können.
Na, denn mal zu: Ich lasse von meinen (Vor-) Urteilen gerne ab, wenn man mir das Gegenteil beweist.

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Autofahrer mit Ellenbogen
Ich musste in den letzten Monaten einige tausend Kilometer mit dem Auto auf deutschen Autobahnen zubringen. Dort – und besonders in Süddeutschland – gilt die Regel: Der Stärkere hat immer Recht. Da wird gedrängelt, rechts überholt, ohne Blinken die Spur gewechselt, rigoros von der Lichthupe Gebrauch gemacht, der Überholte wird lebensgefährlich geschnitten. Waghalsige Überholmanöver – links oder rechts, ist doch egal – werden riskiert, um eine Wagenlänge Vorsprung zu gewinnen.
Dabei geht es insgesamt keineswegs nur darum, Entfernung und Zeit zu gewinnen. Das wirkliche Ziel ist: Ich bin schneller, vorn, habe den schnelleren Wagen, nutze meine Ellenbogen rücksichtslos.
Dem entsprechen Gespräche in Kneipen und Restaurants. Ein vierschrötiger Angeber-Typ im T-Shirt – der Örtlichkeit keineswegs angemessen – belehrt seine Tischgenossinnen: Wenn ich bei Tempo 300 auf 80 abbremse, werden die Scheibenbremsen so heiß, dass sie brechen. Aha, und wer kann wann und wo auf deutschen – oder anderen – Autobahnen 300 km/h fahren? Nur in Deutschland ist das das legal, aber leider meist unmöglich. Draußen steht der kitschig-froschgrüne Porsche des Aufschneiders. Ein Gesprächspartner lehnt eine bestimmte Automarke ab: Da gefallen mir die Felgen nicht.
Da lobe ich mir die englischen Autobahnen. Höchstgeschwindigkeit 70 Meilen (ca. 112 km/h). Wenn ein langsameres Fahrzeug durch Blinken anzeigt, dass es zum Überholen die Spur wechseln will, wird es vorgelassen. Kein Drängeln, Lichthupe nur, um anzuzeigen: Du kannst `rüberfahren.
Dabei bummeln die Engländer keineswegs, sondern fahren zügig bis rasant, aber – meist – rücksichtsvoll. Warum wandere ich nicht einfach aus? Oder fahre mit der Bahn? Manchmal geht es einfach nicht anders. Sorry.

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Dienstag, 18. April 2017
Direkte Demokratie und Spaltung der Gesellschaft
Früher glaubten wir, dass Volksbefragungen die direkte Demokratie stärken. Dieser Glaube ist jüngst erheblich ins Wanken geraten.
Die Abstimmung über den Brexit im United Kingdom ergab ein Verhältnis von 49: 51 % der abgegebenen Stimmen. Das gleiche Ergebnis kam gerade bei dem Verfassungsreferendum in der Türkei heraus.
Die Wahl des amerikanischen Präsidenten war sogar noch knapper und paradoxerweise bekam Frau Clinton 2 Millionen Stimmen mehr als ihr Konkurrent D. „Tolle“ Trump, verlor aber die Abstimmung.
In jedem Fall führte das Plebiszit zu einer tiefen Spaltung der jeweiligen Gesellschaft. Das kann ja wohl nicht der Sinn von Wahlen sein.
Man stelle sich vor, über die deutsche Wiedervereinigung sei mit einem ähnlichen Verhältnis von annähernd 50:50 entschieden worden. Wer – in Ost wie in West – hätte dann noch ein vereinigtes Deutschland gewollt?
Inzwischen denke ich, dass unser repräsentatives System auch Stärken hat. Es setzt eine andere Debatte voraus, führt nicht notwendig zu einer vergleichbaren Konfrontation. Das Ergebnis ist also –meist! -.eines, mit dem alle leben können. Es sind dann nicht alle glücklich, aber vielleicht zufrieden. Und das ist doch auch etwas, oder?

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Digitale Fotografie: Die Qual der Wahl
Meine Vorliebe für die analoge Fotografie wird meinen LeserInnen vertraut sein. Nun habe ich eine Anekdote aufgegriffen, die belegt, dass auch „moderne“ Profis ihre Probleme mit der neuen Technik haben.
Eine Bekannte ist Berufs-Fotografin. Sie arbeitet u.a. für den STERN und ist auf Porträts spezialisiert. Gelegentlich porträtiert sie auch Privatleute „nur so“, die es sich leisten können.
Also nun, wo ist das Problem?
Solange sie analog arbeitete, machte sie zwanzig gut ausgeleuchtete und wohlüberlegte Aufnahmen, suchte die passende aus und vergrößerte sie.
Nun aber die digitalen Fotos: davon macht sie 200 (in Worten: zweihundert) und hat jetzt die Qual der Auswahl. Was sie an Zeit für Laborarbeiten einspart, benötigt sie jetzt für die Auswahl.
Such du mal aus 200 Bildern das Beste aus!

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Samstag, 8. April 2017
Ein „mutmaßlicher“ Einspruch
Ein mutmaßlicher Journalist berichtet über einen mutmaßlichen Terrorangriff mit einem mutmaßlichen LKW in der mutmaßlichen Hauptstadt Schwedens.
Anderer Fall: Mutmaßliche Zeugen berichten übereinstimmend, dass ein mutmaßliche Täter auf frischer, mutmaßlicher Tat von mutmaßlichen Polizisten verhaftet wurde.
Ein mutmaßlicher Autofahrer überfährt an einer Kreuzung einen mutmaßlichen Jungen, der mutmaßlich an grüner Ampel die Kreuzung passierte.
Genug der Beispiele. Der inflationäre Ge- bzw. Missbrauch des Wortes „mutmaßlich“ nervt einfach. So richtig es ist, einen Täter, solange er nicht juristisch verurteilt ist, einen „mutmaßlichen Täter“ zu nennen, so falsch ist es, evidente, d.h. offensichtliche Tatsachen als „mutmaßlich“ zu melden.
Natürlich war die Todesfahrt des LKW in Stockholm ein Terrorangriff, egal ob der IS oder sonst eine Organisation oder ein Einzeltäter dahinter stecken, es WAR Terror, und zwar nicht nur mutmaßlich. Und der LKW war nicht nur mutmaßlich die Tatwaffe, sondern ganz real und für jede/n sichtbar.
Journalisten sind AUCH für korrekte Sprache und nicht nur für die korrekte Wiedergabe von Fakten verantwortlich. Die Verwilderung der Sprache in Presse und andren Medien –von löblichen Ausnahmen abgesehen – ist endemisch. Zumindest im Laufe dieseN Jahres. (Falscher Genetiv! Wer hat’s gemerkt? Wahrscheinlich nicht mal 10% aller Journalisten.)

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Syrien – klammheimliche Freude
Der Raketenangriff der USA auf eine syrische Luftwaffenbasis löste bei mir spontan eine klammheimliche Freude aus: Vor Jahren schon, als sich die Zerstörung Syriens abzuzeichnen begannen und bereits Tote, Verletzte und Flüchtlinge zu zehntausenden zu befürchten waren, wünschte ich mir nur EINE EINZIGE BOMBE auf den Palast von Assad.
Ich weiß, das war politisch unkorrekt, hätte vermutlich auch den Gesamtkomplex der Probleme in und um Syrien nicht gelöst. Aber hätte man damals das Ausmaß von Zerstörung und des Tötens vorhergesehen, das wir heute vor Augen haben: vielleicht wäre die radikale Lösung doch die richtige gewesen.
Eine abgemilderte Variante meines damaligen Wünschens hat Donald „Tolle“ Trump jetzt präsentiert. Es kann aber nur ein Warnschuss an die Adresse von Assad sein. Die Lösung ist es nicht.
Im Gegenteil: es könnte längst zu spät sein für den finalen Erlösungsschlag. Zu ungewiss ist jetzt die Haltung Russlands, des Hauptschuldigen an der verworrenen Lage in Syrien. Putin hat energisches Eingreifen in der UNO bisher verhindert, zuletzt bei der jüngsten Sitzung des Sicherheitsrats.
Ein anderes ist, dass Trump nicht zu kalkulieren ist. Innerhalb von nicht mal zwei Tagen hat er eine radikale Wende vollzogen. Das lässt nicht nur hoffen, sondern auch befürchten, dass er weitere gewagte Volten vollzieht, deren Wirkungen nicht vorauszusehen sind.
Immerhin: eine kleine Chance besteht, dass Russland stillhält, dass Assam merkt, er kann so nicht weitermachen.
Und sagt den Russen doch einfach, dass sie auch in Zukunft ihre Flottenbasis Tartus in Syrien behalten dürfen.

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Untaten der katholischen Kirche
Mein Beitrag „Das angeblich friedfertige Christentum“ (Eintrag vom 23.4.16) hat Widerspruch hervorgerufen. Ein Vorwurf lautete, ich hätte mich auf längst vergessene und begrabene Untaten der Kirchen bezogen. Nun denn: wenn’s etwas aktueller sein soll, hier eine brandneue Information.
„…. Während der mehrmonatigen Massaker (…) 1994 (…) (boten) zahlreiche Kirchen im sehr katholisch geprägten Ruanda zunächst verfolgten Tutsi Zuflucht“, die „dann ihre Grabstätten wurden, weil sie (die Kirchen) ihre Tore den Mordmilizen öffneten.“
„Über 100 Priester und Kirchenverantwortliche Ruandas gelten als mitschuldig.“ Der katholische Priester Seromba – vom UN-Völkermordtribunal für Ruanda zu lebenslanger Haft verurteilt – hat „1.500 Tutsi in der Kirche der Gemeinde Nyange versammelt und dann den Befehl gegeben, das volle Gebäude mit einem Bulldozer einzuebnen.“ Der Priester Munyseshyaka soll sich nach Aussagen Überlebender an Massakern an Tutsi in einer Kirche in Kigali beteiligt haben. Zwei Nonnen, von der belgischen Justiz verurteilt, haben den Hutu-Milizionären Benzinkanister überlassen, mit denen diese Garage und Pflegestation ihres Klosters mit 2.000 Tutsi anzündeten. (Vgl. taz 7. April 2017)
Das sind drei Einzelfälle von vielen anderen. Wenn jetzt – nach Jahren des Leugnens und Verharmlosens durch Kirchenvertreter – mehr als zwei Jahrzehnte später Papst Franciscus von „Verfehlungen der Kirche und ihrer Mitglieder“ spricht, dann ist das gemessen an früheren Reaktionen der Kirche auf historisches Unrecht – Holocaust, Hexenverbrennungen, Massaker in Südamerika – früh. Den eine Million Opfern, den Überlebenden und der politischen und sozialen Situation in Ostafrika ist das höchstens eine kleine Genugtuung.
Die anderen Verfehlungen der Kirche in Afrika – u.a. Verbot von Verhütung und Geburtenkontrolle – bestehen unwidersprochen weiter, sind höchst aktuell.

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Montag, 3. April 2017
Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod
Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod, oder umgekehrt. Die Verwirrung über die richtige Anwendung der Fälle wird immer größer. An den falschen Genetiv bei z.B. am "Anfang dieseN Jahres" haben wir uns schon fast gewöhnt. Keine Nachrichtensendung im Radio kommt ohne aus.
Jetzt erreichte mich eine neue Variante. Auf einer Rechnung steht "Gemäß dem Rezeptes". Doller geht's kaum noch. Die Verwirrung ist komplett.
Abgesehen davon, dass die Rechnung aus Schwaben kam, und die Schwaben (nach eigenem Eingeständnis) außer Schwäbisch nichts können: die ständige Verwechslung der Fälle beweist nicht nur Ignoranz, sondern - schlimmer noch - Denkfaulheit.
Da machen sich Lehrer und Bildungspolitiker Sorgen um gute Schul- und Kindergarten-Bildung, und im Alltag auch der Medien wird munter falsches Deutsch gesprochen.
Um dem Vorwurf des Sprach-Formalismus zu begegnen, betone ich: Richtige Grammatik ist die Voraussetzung gelungener Kommunikation.
Bedenke: Zeichensetzung kann Leben retten. "Wir essen jetzt, Opa." ist etwas anderes als "Wir essen jetzt Opa."

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Obszöner Reichtum
Der Reichtum bestimmter Individuen und Familien in Deutschland kann nur obszön genannt werden. Allein die Familie Albrecht – genau: die von Aldi – zählt dazu. Ihr Reichtum beträgt 33,8 Milliarden €. Da lob ich mir die Haltung des seinerzeit reichsten Amerikaners Andrew Carnegie (1835 – 1919): „Wer reich stirbt, stirbt in Schande.“
Er legte sein Geld in der Carnegie-Foundation an, die kulturelle und soziale Projekte förderte. In Deutschland werden Stiftungen super-reicher Kapitalisten überwiegend zur „Steuervermeidung“ gegründet, um den Reichtum weiter zu vermehren.

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Samstag, 1. April 2017
Arroganz bei 3 nach 9
Freitag, 31.3.17, 22.40 Uhr, 3 nach 9, ich schalte zufällig ein. Gerade spielt Rolf Kühn mit Begleitung ein wundervolles Klarinettensolo. Zuschauer, soweit im Bild, und Talk-Show-Gäste hören zu. Nur die Moderatorin Judith Rakers feixt quer über den Tisch, redet mit ihrem Gegenüber und streckt dem die Zunge `raus.
Ich konnte die Frau noch nie leiden. Aber das ist zu viel. Manche Leute glauben, wenn Musik gespielt wird, ist die Runde zum Quatschen freigegeben, jedenfalls scheint es für die kein Anlass zu sein zuzuhören. Diese Arroganz!
Scheinbar ist nicht nur di Lorenzo schon lange des Formats 3 nach 9 überdrüssig. Rakers nicht weniger, wenn auch noch nicht schon so lang.

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Verkehrsziehung – Nein danke?
Neulich, nee gestern sehe ich eine junge Frau die viel befahrene Straße überqueren. In der Linken das Handy, mit dem sie telefoniert. An der Rechten zieht sie ein kleines Kind hinter sich her, das kaum Schritt halten kann. Als sich ein Auto nähert, beschleunigt die Frau ihren Schritt, so dass das Kind beinahe über den Asphalt geschleift wird. Ja, das ist echte Verkehrsziehung!

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Donnerstag, 30. März 2017
Ich schwärme für Porsche
Es ist ja politisch-ökologisch völlig inkorrekt, aber ich schwärme seit meiner Jugend für Porsche-Sportwagen. Nun ja, damals war es der – fast – einzige Sportwagen auf deutschen Straßen. Und als Teen begeisterte ich mich für Auto- und Motorrad-Rennen und eben für Porsche. Der Sound, das Design und überhaupt.
Jetzt fand ich heraus, dass das Porsche-Design wesentlich von Ferdinand Alexander Porsche, dem Sohn des Firmengründers, geprägt ist. Und der war Waldorfschüler und Student der Hochschule für Gestaltung Ulm, die in der Tradition des Werkbundes und des Bauhauses stand. Daher also die funktionale und schöne Form.
Aber wie gesagt: politisch ist meine Begeisterung völlig inkorrekt.

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Sexueller Missbrauch und Religion
Diesmal sind es nicht Christen oder die Odenwaldschule, sondern orthodoxe Juden, die massenhaft und dauerhaft Kinder – Jungen wie Mädchen – sexuell missbraucht haben.
Ein Mann führte im Auftrag einer orthodoxen Stelle ein Tagebuch über alle Fälle, über Jahre lückenlos mit Ort, Datum Namen. Das kam jetzt nur durch Zufall heraus.
Es erinnert an den Missbrauch in der Odenwald-Schule, in der der Schulleiter an seiner Zimmertür die Fotos seiner Opfer wie eine Abschussliste präsentierte.
In der katholischen Kirche gab – oder gibt – es eine ähnliche Subkultur: es war bekannt, dass die Regensburger Domspatzen Opfer sogar von Praktikanten waren.
Derart geschlossene Parallelgesellschaften wie Internate, Kirchen und jüdisch-orthodoxe Gemeinden sind wohl wahre Brutstätten des Übels. Vor allem fehlt dort überall die öffentliche Kontrolle.
Und da schließt sich der Kreis zur Bundeswehr, in der gerade – mal wieder – sexuelle und andere Übergriffe vor allem in Eliteeinheiten bekannt geworden sind. Auch hier: der Öffentlichkeit verborgene Subkulturen.

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Trumps Claqueure
Donald „Tolle“ Trump unterzeichnet mal wieder ein Dekret, mit dem er mal wieder, diesmal Obamas Regelung zum Klimaschutz, aus den Angeln hebelt.
In eitlem Stolz präsentiert er das Dokument der Kamera und den Umstehenden, darunter angeblichen Bergarbeitern. Er verspricht ihnen tausend neue Jobs und Reichtum.
Dass das alles Bullshit ist, wissen alle Fachleute, nebenbei gesagt. Dann aber: seine Entourage von Schlips-Trägern applaudiert weisungsgemäß, nur der angebliche Bergarbeiter, dem er das Dokument präsentiert hat, rührt keine Hand.

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Dienstag, 28. März 2017
Krank im Dschungel-Camp
Meine Aufregung über die niedersächsische Lehrerin, die, obwohl krankgeschrieben, Urlaub im Dschungel-Camp machte, hat sich etwas gelegt. Sehr spät hat die Dienstaufsicht reagiert und ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Das wurde jetzt aber erst einmal auf Eis gelegt: die Dame ist wegen Betrugs angeklagt, weil sie gefälschte ärztliche Atteste vorgelegt haben soll.
Bis zum Abschluss des Verfahrens ruht das Disziplinarverfahren.
Schön, dass meine Empörung so reiche Früchte zeitigte.

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Rauchen…..
Auf dem Plakat einer Zigaretten-Werbung strahlt mich eine Packung an mit dem furchteinflößenden Slogan: „Rauchen schadet ihrer Fruchtbarkeit“. Na prima, dann kann ich mir ja zukünftig das Geld für die Gummis sparen!

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Montag, 27. März 2017
Konservative Spaltprozesse
Die nächste rechts-konservative Gruppe macht sich selbständig. Nachdem die bayrische CSU und die AfD bereits rechte Konservative binden, formiert sich eine Gruppe von Hinterbänkler in der CDU zu einem „Freiheitlich-konservativen Aufbruch“.
Was sie wollen? Alexander Mitsch – who the hell is that? – hat sich zum Sprecher der politisch Inkorrekten aufgeschwungen und verkündet in den Tagesthemen vollmundig, man wolle sich für den Erhalt christlich-europäischer Werte einsetzen. Was da so alles zugehört?
Zunächst mal das Zurückdrängen von Flüchtlingen und Immigranten. Na klar, das ist eine klassisch christliche und immer wieder europäische Aufgabe.
Migranten aller Länder, lasst uns mit diesen Konservativen nicht allein!
Das christliche Abendland hatte und hat Werte wie Nächstenlieben, Barmherzigkeit und Empathie. „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Jesus nach der Überlieferung in der Bergpredigt) Und Europa wie Deutschland wären nicht das, was sie jetzt sind: ein zivilisiertes, kulturelles Land. Woher kommt die Kirsche? Aus Persien. Woher kommt die Gotik im Freiburger Münster? Aus Frankreich. Woher kommt der Kaffee? Aus der Türkei. Woher kommt die Bank? Aus Italien. Woher kommt …..? Es langt.
Wehe, wenn das enden würde. Deutschland und Europa – ein Rückfall in barbarische Zustände!

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Volksabstimmung über EU-Beitritt der Türkei
Recep „Schreihals“ Erdogan plant bereits nach der vermuteten Niederlage in dem Referendum über die neue Verfassung das nächste Plebiszit: Das türkische Volk soll darüber abstimmen, ob es überhaupt noch Mitglied der Europäischen Union werden will.
Keine gute Idee? Besser wäre es, er würde das europäische Volk befragen, ob es seine, Erdogans, Türkei überhaupt noch in der EU haben will.
Erwartbar ist, dass die Mehrheit der Europäer dankend ablehnen würde.
P.S. Ist „Schreihals“ als Zuschreibung zulässig? Ist jedenfalls „besser“ als „Ziegenficker“, zumal Schreihals sich leicht beweisen lässt, was für das andere Unwort schwer fällt.

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