Samstag, 23. Januar 2021
Ecuador: Höhenkrankheit
Die Höhenkrankheit ist bei Bergsteigern und Wanderern gefürchtet. Sie macht sich durch Schwindel, Brechreiz, Müdigkeit und Atembeschwerden bemerkbar. Besonders Menschen mit Atem-, Herz/Kreislauf- oder Nieren-Erkrankungen sind gefährdet. Wer die gebotenen Vorsichtmaßnahmen – Pausen, Trinken und ggf. Umkehren – nicht berücksichtigt, begibt sich in Lebensgefahr. Im Extremfall kann durch Sauerstoffzufuhr oder Medikamente geholfen werden. Die Einheimischen lutschen Coca-Bonbons oder Kauen Kokablätter, seit Jahrhunderten und wohl auch mit Erfolg.

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Ecuador 2015 - En viaje - Unterwegs (13)
Dreizehnter Tag: Der Wagen für die Fahrt zum Chimborazo ist pünktlich. Das ist erstmal die letzte gute Nachricht. Das Auto ist ziemlich klapprig, die Sicherheitsgurte funktionieren nicht. Und der englisch-sprachige Reiseführer entpuppt sich als Frau, die kaum zehn englische Worte beherrscht. Mein bisschen Spanisch ist besser als ihr Englisch. Später stellt sich heraus, dass sie zudem keine Ahnung hat. Ihre landeskundlichen Informationen bestehen darin, dass sie auf eine Zementfabrik links hinweist, die wir auch schon gesehen haben, und auf ein Maisfeld rechts, das nicht zu übersehen ist. Dann werden wir in eine öde Markthalle geführt, wo es keinen Kaffee gibt, den wir auch gar nicht haben wollen. Ein kleiner Markt mit Wollsachen begeistert uns wenig. Später in Riobamba muss der Fahrer zehnmal fragen, bis er die richtige Straße findet. Immerhin fährt er ruhig und sicher. So!

Die Fahrt geht über Ambato auf der Panamericana nach Riobamba und hinauf zum über 6.000 m hohen Chimborazo. Der Vulkan hüllt sich erstmal in Wolken. Später liegt zunehmend pappiger Schnee. Plötzlich reißt der Wolkennebel auf und der Gipfel zeigt sich sonnenbestrahlt in seiner ganzen Majestät! Wir springen aus dem Auto, ich fotografiere, wir machen eine kleine Schneeballschlacht. Der Fahrer ist fast außer sich vor kindlicher Freude. Die sog. Fremdenführerin ist schon höhenkrank und leidet still.

Dann ziehen sich die Wolken wieder zu. Weiter geht’s auf der holprigen Piste bis zur Einfahrt zum Naturschutzgebiet auf ca. 3.000 m. Hier spüre ich einen leichten Schwindel, der sich aber wieder legt. Wir werden registriert, geben einen Kaffee aus und fahren bis zur Schutzhütte. Die Guia verzieht sich frierend. Gerhild und ich gehen weiter nach oben, bis Gerhild zu schwindlig wird und umkehrt. Ich gehe weiter, kehre aber ca. 100 m unter der 2. Schutzhütte auf 5.000 m um, weil Gerhild sich vielleicht sorgt und wartet.

Unten treffe ich ein junges Paar. Weiter oben hatte sie schon schnaufend am Wegesrand gesessen und er hatte mir einen Caramelo, ein Karamell-Bonbon geschenkt. Wir kommen ins Gespräch. Er ist bereits um die halbe Welt gereist, war ein Jahr in USA, auch schon in Europa. Diese Jugend!

Etwas über der Schutzhütte sind ein Denkmal und mehrere kleinere Gedenksteine für die Opfer des Berges, die an Herzschlag und Atemnot gestorben sind. Gut dass ich es überlebt habe. Bin aber auch sehr bedächtig gestiegen, immer wieder stehen geblieben, bis Pulsfrequenz und Atmung wieder normal gingen.

Wir fahren abwärts durch treibenden Nebel, mal dichter, mal lichter. Einmal sehen wir eine kleine Herde Vicuñas neben dem Weg. Weiter unten gibt’s eine spektakuläre Schlucht, interessante Aufschlüsse, Ackerbau zu besichtigen. Der Fahrer hat inzwischen die Rolle der Guia übernommen, die Frau hat resigniert.

In Riobamba ist Jahrmarkt. Wir werden animiert, in einem albernen Boot auf einem künstlichen See zu fahren. Abgelehnt! Jetzt werden wir langsam sauer und dringen darauf, das vereinbarte Lunch zu bekommen. Der Fahrer hat keine Ahnung, dass ein Lunch verabredet war, merkt wohl langsam, dass es brenzlig wird. Er lotst uns zu einer Garküche, wo wir ein „Arroz“ mit trockenem Reis, Pommes, etwas Gemüse, das wir nicht kennen, und einem Stück Huhn serviert bekommen. Als Getränk gibt es eisgekühlte Kokosmilch – sehr lecker! Ein ziemlich unansehnlicher Hund mit traurig-schönen Augen lauert neben dem Tisch auf die Knochen, die er auch bekommt.



Über eine Nebenstraße fahren wir durch eine wunderschöne Landschaft in einem Tal. Rechts zunächst der Altar mit 5.319 m Höhe, dann der Tungurahua mit 5.023 m, meist in Wolken, hin und wieder zeigen sie auch ihre Gipfel. Die Straße ist weitgehend nagelneu in prima Zustand und auf der Karte von 2014 nicht zu finden.

Gegen 17 Uhr sind wir wieder im Hotel. Wir verabschieden uns kurz und kühl und überlegen, ob wir morgen einen Teil des Geldes vom Agenten zurück verlangen sollen.

Um 18 Uhr gehen wir ins Thermalbad. Es ist proppenvoll, so dass ich bald wieder `rausgehe. Ich habe meine Badewanne lieber für mich alleine, ist sowieso nicht mein Ding. Gerhild bleibt etwas länger, sie findet es gut. Freut mich!

Abendbrot im Hotel, das jetzt fast ganz in deutscher Hand zu sein scheint. Eine Gruppe von ca. acht Personen und außer uns noch zwei Paare. Wir gehen früh ins Bett.

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Freitag, 22. Januar 2021
Ecuador: Christianisierung Und Kolonisation
Christianisierung und Kolonisation Ecuadors gingen seit Anfang des 16. Jh. Hand in Hand. Bereits die ersten „Entdecker“ nahmen die Besatzung eines Bootes von Indígenas gefangen, zwangen sie, ihnen als Sprachmittler u.a. bei der „Mission“ zu dienen. Schon 1534 wurde die erste Kirche geweiht, zehn Jahre danach das Bistum Quito gegründet. Seit 1863 ist der Katholizismus Staatsreligion. 1904 wurde die Kirche dem Staat unterstellt. Ca. 90% - die Zahlen schwanken je nach Quelle, teilweise innerhalb einer Quelle – der Ecuadorianer sind katholisch. Protestanten sind eine Minderheit. Eine Besonderheit ist die Geschichte der Jesuiten, die 1540 päpstlich als Orden anerkannt wurden und sehr früh an der Christianisierung und Kolonialisierung Ecuadors beteiligt waren. Sie kümmerten sich neben der Missionierung um Bildung in Schulen und Universitäten um Wirtschaft und Agrikultur. Die Kolonialbürokratie war primär gewinnorientiert ohne den „Sozialklimbim“ und sanktionierte den Orden 1767 durch einen Befehl des spanischen Königs. Die Jesuiten wurden enteignet, ausgewiesen bzw. verbannt. Neben dem Christentum, teils zugleich, gibt es ungezählte Anhänger von einer Naturreligion, überwiegend oder ausschließlich unter den Indígenas vorwiegend im Amazonasbecken. Die kulturelle Zusammengehörigkeit der Quechua basiert auf der Sprache und der gemeinsamen Weltanschauung. Diese besteht aus einem harmonischen Welt-Verständnis, der Harmonie zwischen Universum, Erde und Mensch sowie zwischen Erde und Himmel, hoch und tief, kalt und warm. So Volker Feser in dem Reiseführer „Ecuador“.

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Ecuador: Indígrenas
Die Ureinwohner Südamerikas werden Indígenas genannt. Sie sind indianischen Ursprungs, mögen den Begriff Indios aber gar nicht. Im Gebiet des Rio Napo besteht die größte Bevölkerungsgruppe aus Quechua, deren Sprache in dieser Region auch die lingua franca, die Umgangssprache, ist. Daneben gibt es aber eine große Zahl kleinerer Ethnien mit eigenen Sprachen, teilweise eigener Kultur und Vergangenheit. Neben den nur 10% Weißen, d.h. ehemals Europäern, gibt es eine Minderheit von 5% Afroecuadorianern und anderen farbigen Menschen. Seit der Kolonialisierung im 16. Jahrhundert bilden die Weißen die kulturelle und wirtschaftliche Oberschicht. Nur sehr langsam bekommen die Indígenas vor allem durch verbesserte Bildungschancen größeren Einfluss. Aber weiterhin sind die USA kulturell und wirtschaftlich relativ dominant.

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Ecuador 2015 - En viaje - Unterwegs (12)
Zwölfter Tag: Vorläufig letzter Tag mit Christiane und Rainer. Sie helfen uns erst noch mal im Reisebüro: Kaskaden-Tour heute, Ausflug zum Chimborazo, Rückfahrt nach Quito. Dann verabschieden wir uns bis Dienstag.

Gerhild und ich beginnen die Kaskaden-Tour auf einem offenen Lastwagen, einem „Chiva“: es ist eigentlich eine Verkaufstour für diverse Aktivitäten am Rio Pastaza: eine Gondelfahrt, Canopy genannt, über die Schlucht in ziemlichem Tempo für 1,50 $, wo man an einem Drahtseil quasi fliegend die Schlucht quert; haben wir nur zugeguckt. Und schließlich die imposante Cascada Pailón del Diablo (1,50 $ lohnt sich wirklich!). Am Kraftwerk fahren wir vorbei, aber es sind nach dem Starkregen – von gestern Abend bis heute Mittag – zwei Tore geöffnet, aus denen Wassermassen schießen. Ein Teil des Wassers läuft durch ein dickes Rohr über eine Turbine.

Der Fahrer des halboffenen Chiva nagelt mit hoher Geschwindigkeit durch die Landschaft, liefert sich mit anderen Bussen Rennen und überholt waghalsig. Man muss schon sehr aufpassen, wenn man trotzdem was von der beeindruckenden Landschaft sehen will. Hinter dem Fahrerhaus laufen auf einem Monitor Musik-Videos, überwiegend Rap-Verschnitt mit ewig gleichem Beat und einfallsloser Melodik. Die Bilder offen sexistisch, aber in rasenden Bewegungen, Einstellungen und Schnitten, die permanent im Stadium der Vorlust verharren. Meine Bitte, den Krach leiser zu machen, blieb wenig erfolgreich. Wir haben uns die Rosinen aus der Veranstaltung gepickt und sie genossen.

Danach gehen wir in die dominikanische Basilika, wo gerade eine Messe stattfindet. Auch mal interessant, wenn auch unspektakulär. Die Kirche ist mehr als halbvoll, es gibt ein ständiges Kommen und Gehen. Wir sind wohl die einzigen „Gringos“. Kinder spielen zwischen den Bänken. Familien kaufen Kerzen, um sie später anzuzünden.



Die ganze Chor-Rückwand wird von einem großen Altarbild eingenommen. Viele Mariendarstellungen, aber kein Kruzifix. Auch die Heilwunder-Quelle des Ortes heißt nach Maria „Bano de la virgen“. Ich habe gelesen, dass der gekreuzigte Jesus keine Identifikationsfigur in der Mission war, weil er als Loser empfunden wurde.

Durch Johann Gottfried Seume habe ich erfahren, wie wichtig Bildung für erfolgreiches Reise ist. Er beherrschte bereits mit neunundzwanzig Jahren mindestens sieben alte und moderne Sprachen, kannte sich bestens in der antiken Mythologie, der Geschichte und im Militärwesen aus, verfolgte und kommentierte das aktuelle Geschehen kenntnisreich und intelligent. Sein „Spaziergang nach Syrakus“ von 1802 war eine Bildungsreise: was er bereits wusste, wurde anschaulich, was er nicht wusste, erfuhr er neu. So muss man reisen: gut vorbereitet, umfassend gebildet, mit offenen Sinnen und neugierig auf Unbekanntes!

An den Wänden großformatige Gemälde mit Vulkan-Ausbrüchen, Bränden, Überschwemmungen, aber auch idyllische Landschaftsbilder und eine Darstellung des „Canopy“. Die gerade Holzdecke ist verziert. Insgesamt macht die Kirche einen harmonischen Eindruck.



Ein Kaffee und ein Stück Kuchen im dänischen Café stärken uns. Einen guten Kaffee zu bekommen, ist in Ecuador nicht einfach. Die Ecuadorianer trinken traditionell keinen Kaffee: sie glauben, dass man davon inwendig schwarz wird. Für ein Land erstaunlich, das immerhin, wenn auch in bescheidenem Umfang, Kaffee exportiert.

Zurück im Hotel bereiten wir den morgigen Ausflug vor, und ich schreibe. Dann `runter zum Abendessen.

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Donnerstag, 21. Januar 2021
Ecuador: Cimborazzo
Der inaktive Vulkan Chimborazo, ist mit 6.263 m Höhe über dem Meeresspiegel der höchste Berg in Ecuador. Sein Gipfel ist einer der vom Erdmittelpunkt am weitesten entfernte Punkte der Erdoberfläche. Bereits Ende 16., Anfang 17. Jh. werden schwere Erdbeben und Vulkanausbrüche z.B. beim Cotipaxi und beim Pichincha dokumentiert. Die Stadt Latagunga wurde in 50 Jahren 3x zerstört. Etwa 30 Vulkane in Ecuador sind aktiv. Die Ursache: die submaritime Nazca-Platte unter dem Pazifik schiebt sich mit einer Geschwindigkeit von 9 cm/Jahr in östlicher Richtung unter die leichtere südamerikanische Kontinentalplatte, die sich mit 5 cm im Jahr westwärts schiebt. Ähnliches passiert rund um den Pazifik: der sog „Feuergürtel des Erde“ entlang den beiden Amerikas, den Aleuten, der Kamtschatka-Halbinsel, Japan und Ozeanien. Bereits vor 650 Mio. Jahren geschah das Absinken der Nazca-Platte, „erst“ seit 65 Mio. Jahren falten sich die beiden Kordilleren in Südamerika ebenso wie die Rocky Mountains in Nordamerika auf. Während der höchste Berg in den „Rockies“, der Mount Elbert in Colorado, „nur“ 4.401 m hoch ist, steht in Südamerika ein 5- neben dem anderen 6-Tausender. Hier ist der höchste Berg der 6.961 m hohe Aconcagua in Argentinien. Die Verschiebungen der Platten besonders die sog. Subduktion, also das Unterschieben der maritimen Platte unter die kontinentale, verursacht Brüche, Deformationen, Kollisionen, die sich wiederum an der Erdoberfläche als Erdbeben bemerkbar machen. Gehen die Brüche besonders tief, drängt Magma, also das flüssige Erdinnere, unter großem Druck nach oben, durchbricht die Erdkruste und kommt als Vulkan ins Freie. Dabei werden große Mengen von sehr heißem, glühendem Magma, Gas, Hitze, Gestein, Asche in große Höhen geschleudert. In unmittelbarer Nähe des Austrittslochs entsteht ein kegelförmiger Berg mit einem Krater in der Mitte. Bei den aktiven Vulkanen wie dem Tungurahua entweicht ständig Gas, Dampf, Erde. Das Leben in unmittelbarer Nähe wie in Baños ist daher nicht ungefährlich.

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Ecuador 2015 - En viaje - Unterwegs (11)
Elfter Tag: Wieder ist um 6 Uhr Wecken, Frühstück, 7.15 Uhr fährt die Motor-Pinasse los und bringt uns bis Coca, wo wir in unser Auto umsteigen und zügig bis fast ganz nach Baños durchfahren. Von 200 m Höhe „klettern“ wir dabei auf 1.800 m. Einmal machen wir kurz Rast und essen eine Suppe. Ein zweiter Halt in Archidona, wo wir einmal um die Plaza bummeln und einen kurzen Blick aufs Gelände der katholischen Schule werfen.



In Puyo besuchen
wir einen Laden, wo es Balsa-Holz-Artikel gibt. Die Figuren sind kunterbunt bemalt, von Balsa also nichts zu sehen. Viel religiöser und folkloristischer Kitsch. Alles Sachen, die niemand braucht. Kunden sind beinahe ausschließlich ausländische Touristen. Zu allem Überfluss fällt mir ein Brillenglas aus dem Rahmen und zerschellt!

In Baños kommen wir im Hotel „Posada del Arte“ unter, wo Rainer Zimmer für uns reserviert hat. Leider bekommen wir kein Essen, beschließen also, in eine Pizzeria zu gehen. Während des Essens wird auf der Plaza ein Feuerwerk abgebrannt. Am Nachmittag hatte es schon mehrfach gerumst. Erst dachten wir an Schüsse, dann an kleine Eruptionen des Tungurahua, des über 5.000 m hohen Vulkans direkte über Baños. Nach dem Essen schlendern wir noch über die Plaza, wo eine Bühne mit einer Band aufgebaut ist. Rechts am Bühnenrand steht eine Heiligenfigur, wohl Maria. Die Kirche ist hell erleuchtet und offen. Vor der Bühne stehen vorwiegend ältere Leute, teilweise traditionell gekleidet. Einige tanzen locker im Rhythmus. Ist vielleicht die Kirchweih. Auffällig die Verbindung von weltlichen und klerikalen Elementen. Wir trinken noch einen Absacker im Hotel und gehen ins Bett.



In Baños fallen an den Straßenecken Schilder auf mit Hinweisen auf Schutzräume bei einem Vulkanausbruch. Der Ort liegt in 1.800 m Höhe auf einem tischebenen Talvorsprung zwischen hoch aufragenden Bergrücken. Von der Panamericana bei Ambato – 2.570 m hoch über die östliche Kordillere kommend - erreicht man den Ort durch ein Tal, das sich hinter Baños nach Osten abfallend fortsetzt. Der direkt neben dem Ort steil aufragende Vulkan Tungurahua ist aktiv. Bei gutem Wetter kann man von einem bestimmten Ort nördlich der Stadt seinen rauchenden Krater sehen. Die Gefahr des Ausbruchs ist allgegenwärtig. Daher die Hinweisschilder. An jedem Punkt des Ortes kann man ablesen, wo und wie weit der nächste Schutzraum ist. Mich erinnerte das an die Mauerzeichen „Luftschutzraum – LSR“ nach dem 2. Weltkrieg. Die ständige Bedrohung hat schon etwas Unheimliches.

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Ecuador: Wirtschaft
Der größte Wirtschaftsbereich in Ecuador ist der Dienstleistungssektor mit 70 % der Beschäftigten, gefolgt von 12 % Industrie und 8 % Landwirtschaft. Das Land ist sehr exportorientiert insbesondere in die USA mit ca. 35 % der Ausfuhren und Lateinamerika mit 30%. In die EU werden Fische und Meeresfrüchte (15%), Blumen (8%), Kakao (7%) Holz (2%) sowie Panamahüte und Zigarren ausgeführt. Den größten Teil machen 500.000 to Bananen pro Jahr allein nach Deutschland aus. Eine ökonomische Sonderstellung nimmt die Gewinnung von Erdöl überwiegend im Amazonasbecken ein. Täglich werden 500.000 to gefördert, das macht 2/3 des gesamten Exportvolumens ein, das überwiegend nach China (54%), in die USA und nach Südamerika geht. Die Erdölförderung wird überwiegend von ausländischen, insbesondere US-amerikanischen Gesellschaften, betrieben. Diese nehmen kaum Rücksicht auf die Umwelt und die Bedürfnisse der Indígenas. Der frühere Präsident Corea hatte der internationalen Gemeinschaft angeboten, die Erdölförderung gegen eine Kompensationszahlung einzustellen. Das scheiterte jedoch, also wird weiter umweltschädlich gefördert. Überbreite Straßen werden durch den Regenwald gefräst, Das Erdgas wird teilweise am Bohrloch abgefackelt und es „geht viel einfach daneben“. Alle Fehler, die bei der Industrialisierung, besonders der Erdölförderung gemacht werden können, werden auch gemacht.

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Ecuador: Fischer
Die Fischer benutzen winzige Nachen, die roh aus drei ca. drei Meter langen und zwei kurzen Brettern bestehen – für Rumpf, Spiegel und Bug. Die Fischer stehen scheinbar auf dem Wasser, der Freibord ist abenteuerlich niedrig. Die Boote werden mit Stangen gestakt. Um die Netze auszulegen, zu kontrollieren oder einzuholen, knien sie. Meist arbeiten sie allein oder zu zweit, gelegentlich ganze Familien. Fisch ist am Napo der hauptsächliche Eiweiß-Lieferant.

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Ecuador 2015 - En viaje - Unterwegs (10)
Zehnter Tag: Um 6 Uhr müssen wir aus dem Bett, weil die „lehmleckenden Vögel“ nur früh zu besichtigen sind. Nach einer kurzen Kanufahrt erreichen wir einen Platz, wo die Papageien den Lehm picken, der ihre Verdauung begünstigt. Zunächst zieren sie sich etwas und flattern von Baum zu Baum; dann wie auf Kommando stürzen sie sich laut schreiend auf ein Stückchen Lehm am Steilufer. Blaue, grüne, schwarze, rote bunt gemischt. Vogelliebhaber sind in ihrem Element, beobachten jede Bewegung, benennen jede Art, als gelte es Geister zu beschwören, indem man sie in Begriffe fasst.

Zum Frühstück sind wir an Bord zurück. Danach geht’s in eine Siedlung der Quechua. Sie leben in Familien, haben jeweils ein Stück Land, wirtschaften aber als Gemeinde für den Tourismus. Die Schule unterrichtet für die Grundstufe – erste bis sechste Klasse - und die Sekundarstufe, siebente bis neunte Klasse. Wer weitermachen will, muss den Ort verlassen. Das Schulsystem wurde in den letzten zehn Jahren reformiert und verbessert. Der Guide erzählt, er habe keine Schule besucht, sondern bei seinem Vater gelernt. Jetzt sind die Schulen bilingual (spanisch und Quechua), vorher wurde nur Spanisch unterrichtet. Projekte in der Schule sind u.a. Recycling, Gastronomie und Umwelt. Die Frauen schmeißen den Laden, neben der Eigenproduktion von Lebensmitteln, Verkauf von Schmuck und Kunsthandwerk. Die Männer fischen.

Wir bekommen einen Imbiss mit Fisch - in Bananenblättern gedünstet - mit Reis, Maden-Schaschlik und gebackenen Bananen. Zu trinken gibt es einen schwach alkoholischen Chicha. Diejenigen, die Maden gegessen haben, bestätigen ihren Wohlgeschmack, aber die Idee schon ist etwas eklig. Das Tischtuch besteht aus drei Bananenblättern, die Rosa, unsere Begleiterin, unterwegs mit der Machete geschlagen hat.

Es scheint viele Kinder zu geben, die im Alter wenig auseinander sind. Die Kleinsten werden im Tuch getragen, nebenbei mal eben gesäugt. In der Küche liegen drei Kleine in Hängematten, die von einer Frau geschaukelt werden. 915-122 – Zurück an Bord zum Mittagessen. Danach Siesta.

Solarenergie spielt seltsamerweise in Ecuador kaum eine Rolle. Ich habe nur einmal ein winziges Solarpaneel vor einem Haus gesehen, das wohl höchstens einen Fernseher und eine Birne versorgen kann. Mit Öl und Gas gehen die Leute verschwenderisch um. Gas wird direkt am Bohrloch abgefackelt, brennt sinnlos und umweltschädlich. Daneben gibt es Wasserkraftwerke (die angeblich 100% der elektrischen Energie liefern), aber die Sonne – ideal für die dezentrale Versorgung vor allem in abgelegenen Gebieten – bleibt sträflich ungenutzt. Evtl. fehlt es auch einfach nur an Investitionsmitteln.

Der 2. Teil des Tages gilt einem Ausflug zum Lago Limoncocha, zunächst mit dem Beiboot bis Itaya, genannt nach der gleichnamigen Palmenart, dann per Bus zum Lago und dort mit dem Motorkanu auf den See. In Itaya sind wir zurück in der Zivilisation: Ufer-Hafenanlagen, asphaltierte Straße, Ölförderstelle, auf der das Gas ebenerdig abgefackelt wird und stinkt. Es gibt ca. 400 Ölbohr- und Förderstellen in Ecuador, überwiegend im Amazonasgebiet. Das Abfackeln des Gases ist durchaus üblich.

Die Häuser des Dorfes sind gewohnt primitiv, Küche draußen auf der überdachten Terrasse, frei hängend Energiesparlampen. Die Häuser am Napo sind sehr einfach. Meist stehen sie auf Stelzen wegen der Überschwemmungsgefahr bei Hochwasser des Napo, und Schlangen und Termiten werden ferngehalten. Darunter werden auch Sachen gelagert. Die Häuser sind roh aus Balken gezimmert, meist mit Palmwedel-Dach, sonst mit Wellblech gedeckt. Die Fenster haben keine Scheiben, sind gelegentlich durch Gitter verschlossen. Das Leben am Tage spielt sich überwiegend im Freien ab.

Am See tauchen wir wieder in die Naturidylle ein: jede Menge Vögel und Vogelarten, auch seltene. Fischer in ihren flachen Nachen kontrollieren die Netze, kleine Äffchen turnen in den Bäumen. Die Rückfahrt verläuft umgekehrt, nur dass das Schiff jetzt gegenüber von Itaya am Ufer liegt.

Festliches Abendessen, anschließend eine grottenschlechte Präsentation der Bilder von der Gruppe mit guter, aber unpassender Musik-Untermalung. Der Manager verabschiedet sich und uns. Dann folgt das Geschäftliche: Abrechnung von bar-bill und Wäsche. Die gesalzenen Preise für Getränke verderben etwas den Geschmack. Ich sitze jetzt allein auf dem Achterdeck, schreibe und ringsum wetterleuchtet es. Dass wir im Regen-Wald sind, haben wir nur an dem Gewitter gemerkt, das heute Mittag hinter uns niederging. Ruhig klingt dieser letzte Tag auf dem Napo aus.

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Mittwoch, 20. Januar 2021
Ecuador: Armee
Raul, einer der beiden Guides, gibt Auskunft: Es gibt seit 2009 keine Wehrpflicht mehr, aber man kann einen neun-monatigen Grundwehrdienst ableisten und sich dann für oder gegen einen längeren Armeedienst entscheiden. Die Armee ist wegen der guten Versorgungsleistungen (Sold, Pension, Karriere) beliebt. 7.000 Soldaten bewachen die kolumbianische Grenze wegen des Kokain-Schmuggels. Weiterer Brennpunkt ist wegen der alten Grenzstreitigkeiten mit Peru die dortige Grenze. Die Marine ist auch für den Napo zuständig. Die Armee verfügt über 37.500 Soldaten. Der Wehretat beträgt 0,9 % des Bruttoinlandsprodukts. Oberbefehlshaber ist der jeweilige Staatspräsident.

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Ecuador 2015 - En viaje - Unterwegs (9)
Neunter Tag: Heute können wir etwas länger schlafen. – Wir fahren mit dem Beiboot zur Affen-Insel, die einer einheimischen Familie gehört. Das Betreten ist nur Gruppen gegen Eintritt erlaubt. Wir verlassen das Boot und schlagen uns teils mit Hilfe einer Machete durch den Dschungel auf der Suche nach den Affen. Der Guide hält uns zur Ruhe an, bleibt hin und wieder stehen, lauscht, zunächst erfolglos. Zwischendurch zeigt er uns Kleinigkeiten am Wege: einen Frosch, der fast perfekt getarnt an einem Baum klebt. Eine Spinne, die sich an einem Schmetterling gütlich tut. Die Vegetation in dem Black-Water-Gebiet unterscheidet sich von der des Napo: weniger große Bäume, dichteres Unterholz, viele Bananen-Stauden. Die Affen fressen keine Bananen; diese sind nicht heimisch, daher den Affen unbekannt.

Schließlich treffen wir auf die andere Gruppe, die stolz verkündet, sie habe einen Affen gesehen. Die Gesamtgruppe geht immer getrennt in zwei Kleingruppen mit je einem Guide los. Unser Guide führt uns weiter, schließlich stoßen wir auf eine ganze Gruppe Affen, ca. 20 Tiere. Sie turnen durch die Bäume, lassen sich Meter tief fallen, turnen weiter, sie brechen Äste ab und bewerfen uns und bringen den ganzen Wald zum Wackeln.

Zurück zu den Booten fahren wir hinter der „Manatee“ her, die inzwischen stromauf fährt.

Mittag und Siesta (auch zum Reinigen von Kleidung und Schuhen sowie Schreiben geeignet). Nach der Siesta überqueren wir den Napo, laufen auf einem langen Steg durch den Dschungel und paddeln weiter mit einem Kanu. Die Fahrt geht zunächst durch einen langen, eng gewundenen Kanal, der in eine Lagune mündet. Dort liegt eine Lodge. Die Lagune geht über in einen ebenfalls engen Kanal. In der Lagune sehen wir Augen, Nase und Rücken von ca. 1 m langen Kaimanen.

Das Kanu hält an einem Steg, der durch dichten Wald zu einem 45 m hohen Metallturm führt, der fest eingebaut ist in einen noch höheren Kapok-Baum (ca. 55 – 60 m). Wunderbarer Ausblick über den Wald, aus dessen Blätterdach hie und da die gewaltigen, schirmartigen Kronen anderer Kapok-Baume herausragen. Der Baum beherbergt diverse Wirtspflanzen (u.a. Orchideen, Pilze, andere Bäume). Die Wurzeln der „Gast“-Bäume hängen parallel zum Stamm des Wirtsbaums senkrecht hinunter und wachsen in den Boden. Auf einem Ast fast unsichtbar ein Vogel, der sich in Farbe und Textur komplett dem Baum angepasst hat. Dahinter ein ca. 80 cm großer Bienenstock.

Auf der Rückfahrt im Kanu umflattern uns die ersten Fledermäuse, Glühwürmchen blinkern, wieder lauern Kaimane. Störend die überhellen Lampen unserer Mitreisenden, die völlig sinnlos den Dschungelrand ausleuchten. Zurück auf dem Steg machen wir aber auch unsere Lampe an um zu sehen, wo wir hintreten. Zehn Meter vor uns läuft ein Guide völlig im Dunkeln und findet auch seinen Weg. Jetzt werden die diversen Tiere munter: Frösche in allen Melodien und Tonhöhen, Insekten, Nachtvögel.

Zurück auf dem gleichen Weg wie hin, Abendbrot; Briefing für morgen, dies schreiben und zeitig ins Bett. Morgen müssen wir früh `raus.

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Dienstag, 19. Januar 2021
Ein deutscher Trump
Der deutsche Trump heißt Merz, ist aber zum Glück nur ein Mini-Trump. Wie der amerikanische ist Merz ein grottenschlechter Verlierer und ein Hochstapler. Das muss einem erst einmal einfallen: Merz verliert zum zweiten mal die Wahl zum CDU-Vorsitzenden. Er hat sich noch nicht auf dem Absatz umgedreht, das meldet er sich sogleich als sofortigen Nachfolger des amtierenden Bundeswirtschaftsministers. In einer Sache sind wir besser dran als die USA: Merz ist nun wohl für ein Regierungsamt auf Bundesebene verbrannt. Warum geht er nicht einfach zurück in die Wirtschaft? Oder wollen sie ihn da auch nicht mehr haben? Am Geld kann's ja wohl nicht liegen. Zur Not kann er sein Privatflugzeug verpfänden, besser noch verkaufen. Das würde wohl vorläufig erst einmal für das Nötige reichen.
19.01.21

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Kath. Kirche eine kriminelle Vereinigung?
Die katholische Kirche ist wohl keine Glaubensgemeinschaft mehr, sondern ähnelt eher einer kriminellen Vereinigung: Sexueller Missbrauch, Lügen, Drohungen, kriminelle Seilschaften, strenge Hierarchie, der staatlichen Gesetzmäßigkeit weitgehend entzogen, Verdunkelung, Vertuschung von Straftaten, Begünstigung u.v.m.

Ich wundere mich nur noch über die Langmut der – immerhin freiwilligen! – Mitglieder dieser Vereinigung, die für ihre Mitgliedschaft auch noch Geld bezahlen. Die Kirche beweist seit nunmehr fünfhundert Jahren – mindestens – ihre Unfähigkeit, sich zum Besseren zu verändern. Immerhin der Trend geht dahin, dass die Mitglieder weniger werden. Aber angesichts der Sünden des Klerus wundert man sich darüber, dass es keinen Massen-Exodos gibt.

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Ecuador: Kapok-Baum
Der Kapokbaum stammt aus dem tropischen Regenwald Südamerikas und Westafrikas. Mittlerweile ist er in den gesamten Tropen anzutreffen. Er ist lichtbedürftig und benötigt während der Regenzeit eine Niederschlagsmenge von rund 1.000 bis 1.500 mm. Die Kapokfasern haben eine Länge von 10 bis 35 Millimeter. Aufgrund ihres Wachsüberzugs sind sie wasserabweisend und nicht verspinnbar. Ein einzelner Baum liefert pro Jahr ungefähr 20 kg reine Fasern. Sie werden als Füllmaterial für Rettungsringe und Schwimmwesten oder als Polster- und Isoliermaterial genutzt. Die Samen dienen wegen ihres hohen Anteils an fettem Öl zur Herstellung von Seife oder Speiseöl. Aufgrund seiner antibakteriellen Wirkung wird Kapok auch bei der Wundversorgung verwendet. In der Mythologie der Maya stellt ein Kapokbaum den Weltenbaum dar, ähnlich der Weltenesche Yggdrasil in der nordischen Mythologie. In Erzählungen, die im peruanischen Amazonastiefland verbreitet sind, spielt der Kapokbaum, der dort Lupuna genannt wird, eine wichtige Rolle. Er steht in der amazonischen Mythologie in Verbindung mit Wichten, die nach verschiedenen Überlieferungen im riesigen, oft bauchförmigen Stamm des Baumes leben oder um diesen herumtanzen.

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Ecuador 2015 - En viaje - Unterwegs (8)
Achter Tag: Ein Bootsausflug ins Black-Water-Gebiet wird angeboten. Der Pañayacu-Fluss mit seinen vielen Nebenarmen und Lagunen bietet reichhaltig Viehzeug und Gewächse. Alle Arten von Vögeln, Affen, Kleinvieh. Die Guides haben echte Adleraugen, denen kein Tier entgeht. Wenn ein Vogel auffliegt, kommentiert die etwas backfischhafte Engländerin das mit orgasmus-ähnlichen Ausrufen.



Schließlich kommen wir an eine Lagune mit einer Lodge, wo wir zunächst einen Waldspaziergang machen und sehen gewaltige Ameisenstraßen. Die Blattschneiderameisen transportieren Blätter, die ihre eigene Größe deutlich übertreffen. In der Menge und der Länge der Straße sieht das aus wie wandelnde grüne Papier-Fetzen. Blattschneiderameisen fressen nicht selbst die Blätter, sondern zerkauen sie und verwenden sie als Substrat, um darauf einen speziellen Pilz aus der Gattung der Egerlings-Schirmlinge wachsen zu lassen, von dem sie sich ernähren. Da Christiane sich besonders für Vögel interessiert, bedient der Guide sie mit vielen Detailinformationen und Namen.

Diego zeigt uns einen Kapok-Baum mit schrägen Einschnitten in der Rinde. Er macht einen weiteren Schnitt, aus dem eine helle Flüssigkeit austritt. Er fängt einen Tropfen auf, verreibt ihn auf seiner Haut: ein probates Desinfektionsmittel. Sorgfältig verschließt er den Schnitt wieder.

Plötzlich ertönt ein Brüllen, das uns an die Löwen in Etosha (Namibia) erinnert. Diego, der Guide, stockt, fragt uns, ob wir ein Abenteuer mögen. Na klar! Wir müssen ihm möglichst leise folgen. Er versichert, er sei im Dschungel geboren, wir könnten ihm vertrauen. Er hält immer wieder inne, lauscht. Kreuz und quer streifen wir durch den Urwald. Schließlich nähern wir uns der Geräuschquelle: ein Brüllaffe turnt durch die Baumwipfel. Ein relativ kleines Tier - etwa Hundegröße, vielleicht Pudel – macht derartigen Lärm.

Danach gibt’s Lunch in der Lodge, dann Siesta in der Hängematte. Nach einer neuen Fahrt durch das Fluss-System fahren wir zurück zum Schiff.

Heute Abend wollen wir mit einer Flasche Rotwein auf Schwager Volker anstoßen, der nicht mitfahren konnte. Sie soll nach dem Abendbrot und der „Lecture“ geleert werden.

Die Lecture gibt Informationen über das morgige Programm, das vollkommen abweicht von dem im Internet angekündigte. Später erfahren wir, dass das Programm im Internet aus Bausteinen besteht, die entsprechend den Witterungsverhältnissen, der Wassertiefe und Strömung des Napo variiert werden. Im Laufe der Woche haben wir aber alle Bausteine „abgearbeitet“. Auf dem Sonnendeck öffnen und leeren wir die Flasche und formulieren eine Botschaft an Volker.

Nachts gibt es ringsum Wetterleuchten, aber es sind Sterne zu sehen. Morgens und im Laufe des Tages regnet es immer mal wieder, aber nicht stark.

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Montag, 18. Januar 2021
Ecuador: Navigation auf dem Napo
Navigation auf dem Napo hat viel mit Intuition zu tun. Es gibt keinerlei Hilfsmittel wie Bojen, Stangen oder Feuer. Allein die Pfähle, zwischen denen die Fischer ihre Netze spannen, sind sichtbar, müssen umfahren werden und wechseln häufig die Position. Weil nur auf Sicht navigiert wird, kann nachts nur ausnahmsweise und mit der Piroge oder anderen kleinen Booten gefahren werden. Dann haben die Boote ein gelbes Funkellicht an. Die Skipper – egal ob großes Schiff oder Piroge – müssen vor allem ständig Untiefen im Blick behalten und diese vermeiden. Sie sind nur durch die unterschiedliche Wasseroberfläche kenntlich: Kräuselung, Wellen, Strudel, Farbe. Da die Untiefen sich ständig ändern, gibt es keinerlei Routine. Die kleineren Boote haben gelegentlich Grundberührung und müssen mit eigener Kraft wieder frei kommen. Dabei wird der Außenborder schräg angewinkelt, damit die Schraube sich nicht einbuddelt. Für den Laien fahren die Skipper nicht nachvollziehbare Zick-Zack-Kurse. Schwimmende Baumteile sind Hindernisse, die sorgfältig umschifft werden müssen, um Beschädigung des Bootes zu vermeiden. Immerhin entwickeln die Boote mit ihren jeweils zwei Außenbordern mit je 50 – 70 PS ein anständiges Tempo. Hut ab vor diesen Wasserkünstlern.

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Ecuador 2015 - En viaje - Unterwegs (7)
Siebenter Tag: Wie gestern Abend baden Gerhild und ich im Pool. Nun sitze ich am Beckenrand und schreibe. Gleich gehen wir frühstücken.

Das Flugzeug, das die Passagiere für das Flussschiff aus Quito bringen soll, kommt erst um 11 Uhr, also müssen wir warten. Wir sitzen am Fluss und lesen. Um ½ 12 Uhr gehen wir an Bord einer Art Piroge mit zwei starken Außenbordmotoren, und es geht in schneller Fahrt flussabwärts. Der Fluss ist überraschend breit, links und rechts ist bereits Dschungel. Wegen der vielen Untiefen und Sandbänke schreibt der Skipper seinen Namen im Kielwasser.

Außer uns vieren sind noch ein junges Paar – Flitterwochen! – aus London und eine Gruppe indischer Amis aus North-Carolina an Bord, zusammen 14 Passagiere. Nach ein-dreiviertel Stunden kommen wir in Providencia an, wo wir auf die „Manatee“ umsteigen. Das Schiff heißt Manatee nach den sogenannten. Rundschwanz-Seekühen, die außer im Amazonas-Gebiet auch im Mississippi vorkommen, also Süßwasser-Tiere sind.



Kurze Begrüßung, dann Mittagessen. Wir wurden „platziert“: Die „Weißen“ sitzen am einen Tisch, die Inder am anderen. An jedem Tisch sitzt ein Guide, der sich bemüßigt fühlt, uns möglichst umfassend zu informieren.

Wir richten uns in der Kabine ein, erkunden das Schiff. Später gibt’s eine generelle Information vom Manager. Dann – man gönnt uns keine Ruhe – eine Notfallübung und es werden Gummistiefel für den Landgang verteilt. Tatsächlich waren die Stiefel nicht nur etwas unbequem und förderten den Fußschweiß, sondern auch überflüssig, weil es relativ trocken war. Immerhin nützen sie u.U. gegen Schlangen, denen ich aber auch nicht begegnet bin. Meine guten, wasserdichten Treckingschuhe hätten es auch getan.

Diego, einer der Guides, erzählt mir später, dass genau diese Gummistiefel, d.h. Produkte dieses Herstellers, in den 70er und 80er Jahren bei den kolumbianischen Guerilleros von FARC, ELN und M-19 äußerst beliebt und daher Schmuggelgut waren.

Dann ist erstmal Ruhe bis zum Abendessen. Unterdessen schippert die „Manatee“ geruhsam stromabwärts. Bisschen ruhen, fotografieren, klönen. Das Schiff macht am Schwesterschiff fest und bunkert Diesel.

Der Abendspaziergang beschert uns die diversen „Urwald-Geräusche“, die ich mit meinem Diktafon, zum Vergnügen von Gerhild, einfange. Allerlei Getier ist zu entdecken: verschiedene Frösche, Spinnen – u.a. eine Vogelspinne – Insekten, die sich durch die hellen Taschenlampen nicht irritieren lassen. Sie verlassen sich auf ihre Camouflage. Es soll nicht geblitzt werden, was ich nicht einsehe, die vielen Handscheinwerfer sind ebenso hell. Also tue ich es doch zweimal. Unterwegs begegnet uns ein junger Indígena, der sich sichtlich gestört fühlt durch die vielen Kameras, die auf ihn gerichtet werden. Absolut indiskret. – Zurück an Bord gehen wir bald ins Bett.

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Sonntag, 17. Januar 2021
Ecuador: Amazonas
Der Amazonas, längster Fluss der Welt, ist mit fast 7.000 km Länge ein gewaltiger Strom, der fast ganz Südamerika von West nach Ost durchquert und in den Südatlantik mündet. Dabei hat er erst 800 km Luftlinie östlich der Pazifikküste seinen Namen und entsteht dort durch den Zusammenfluss verschiedener sogenannter Quellflüsse. In Ecuador entspringen diese in den Ostkordilleren in 4 - 5.000 m Höhe. Diese stürzen zunächst aus großer Höhe – teils in Wasserfällen – talwärts.

Am Fuß der Kordilleren beträgt die Höhe über dem Meeresspiegel nur noch 300 – 500 m. Am Zusammenfluss verschiedener Flüsse entsteht bei Puerto Napo der Fluss gleichen Namens. Wegen des geringen Gefälles breitet sich der Napo hier sehr aus und fließt nur noch mit geringer Geschwindigkeit. Deswegen ist hier die Wassertiefe gering und wechselt ständig. Dazu gehören auch höhere Fluten während der Regenzeit. Die Dörfer an den Ufern sind daher teilweise auf Pfählen gebaut. Der Rio Napo durchquert Ecuador und Peru und mündet nach fast 1.500 km in Brasilien in den Amazonas.

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Ecuador 2015 - En viaje - Unterwegs (6)
Sechster Tag: Morgens Frühstück auf der Terrasse. Ane hat Schnittchen vorbereitet und serviert mit Coca-Tee. Die Sonne ist schon richtig warm. Nach dem Frühstück kaufen wir noch etwas ein. Dann geht‘s wieder abwärts Richtung der Kleinstadt Coca. Spärliche Besiedlung, umso reichhaltiger der Bewuchs. Die Ortschaften, eher lockere Ansiedlungen von Holzhütten, sind ärmlich. Gelegentlich Stände für Obst- und Gemüse-Verkauf, aber nicht besetzt.

Zwischendurch gibt`s einen Wolkenbruch, der das Fahren schwierig macht; die Rinnen links und rechts der Fahrbahn gleichen Wildbächen, gelegentlich kommen Erdmassen von den Hängen und verwandeln die Rinnen in gelbe Schlammflüsse. Weiter unten reißen die Wolken auf, aber es ist warm und schwül, wird wohl auch die nächsten Tage so bleiben.

Ich würde wohl gerne öfter anhalten, gucken und fotografieren, aber Rainer will`s hinter sich bringen. Ich habe den Eindruck, dass Christiane und Rainer sich mehr für Natur und Landschaft interessieren. Tue ich auch, aber mein soziales Interesse ist ebenso groß. Aber: für mich ist das alles hier exotisch, während es für Christiane und Rainer quasi der gewohnte Alltag ist. Ich fotografiere in Bremen auch nicht die Leute auf der Straße, es sei denn, ich habe ein sozialdokumentarisches Thema und Interesse. - Der Tisch am Pool in Coca wackelt heftig, hoffentlich kann ich mein Geschmier später noch lesen.

Irgendwann halten wir an einem Lokal, das Ane entdeckt. Es gibt Hühnersuppe mit Yuca. Yuca – nicht zu wechseln mit der Yucca-Palme – ist eine essbare Wurzel, auch Maniok genannt. Dazu ein undefinierbares Getränk, Suppe und Saft tun aber gut. Ich streune und fotografiere, u.a. die Frau, die in der „Küche“ werkelt und einen Mann, der wohl gerade (oder immer?) nichts zu tun hat. Sie lacht und freut sich. Christiane hat den Kontakt auf meine Bitte gemacht. Es gibt auch eine Kokospalme, deren Nüsse auf Augenhöhe hängen. Noch nie gesehen.



Zügig geht’s auf der geraden Straße voran, wir sind jetzt schon in der Ebene des Napo-Gebiets. In Coca kommen wir in einem total heruntergekommenen Hotel unter, es passt zu dem ebenso heruntergekommenen Ort. Aber es herrscht Leben auf den Straßen. Nur die Flaniermeile, der „Malecon“ am Napo ist aufgehübscht mit Kraftmaschinen, Spielplätzen, einer „Ausstellung“ über indigene Völker: eine Reihe von Tafeln mit Bildern von Menschen und einem erklärenden Text auf Spanisch, aber dafür reicht mein Wortschatz nicht.



Wir trinken Kaffee in einem Straßenlokal. Die Serviererinnen bewegen sich mit ihrer absoluten Überbreite geschickt zwischen den Tischen. Christiane erzählt, die fetten Hintern entsprächen so sehr dem herrschen Schönheitsideal, dass sich manche Frauen extra chirurgisch „verbreitern“ lassen.

Nach einigem Suchen finden wir ein Restaurant, wo wir Arroz und anderes essen. Hier ist die Bedienung so zierlich und schlank wie eine Chinesin. Wir schlendern zum Hotel zurück. Ich lege mich hin und schlafe sofort ein, um 20 Uhr. Entweder habe ich jetzt die Zeitumstellung verarbeitet oder reagiere auf`s Klima.

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Samstag, 16. Januar 2021
Ecuador: Coca
Die Heimat des Cocastrauches liegt an den Osthängen der Anden von Peru über Bolivien bis Kolumbien. Hier wächst der Cocastrauch in Höhen zwischen 300 und 2000 m Höhe. Diese Länder sind auch heute die Hauptanbaugebiete für Coca. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Cocastrauch auch in Indien, Ceylon und Java eingeführt und ist heute in vielen anderen Weltgegenden verbreitet, in denen der Anbau möglich ist. Er wird zur Blättergewinnung in Südamerika neben den genannten Ländern auch in Brasilien, Afrika, Indonesien und Indien in Höhen von 500 bis 1.200 m über dem Meer angebaut. Die Ausfuhr seiner Samen aus diesen Ländern ist durchweg verboten, so dass sie nur schwer zu erhalten sind. Getrocknete Cocablätter enthalten ca. 0,5 bis 2,5% Alkaloide, davon sind bis zu drei Viertel Kokain. Außerdem enthalten sie relativ große Mengen an Kohlenhydraten, Calcium sowie Proteinen, Eisen, Vitamin A und Vitamin B 2. Für die ansässige indigene Bevölkerung war die Pflanze bis zur Ankunft der spanischen Conquistadores die einzige reichhaltige Calcium-Quelle. Das Kauen von Coca-Blättern ist in den Anden seit Jahrhunderten als Genuss- und Nahrungsergänzungsmittel verbreitet, wird für medizinische und kultische Zwecke genutzt. Sie helfen gegen Hunger, Müdigkeit und Kälte und sind sehr wirksam gegen Höhenkrankheit, da sie die Sauerstoffaufnahme verbessern.

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Ecuador 2015 - En viaje - Unterwegs (5)
Fünfter Tag: Auf dem Frühstückstisch liegt neben meinem Teller ein Probepäckchen Coca-Bonbons von Christiane: sehr nett! Wäre in Deutschland verboten, denn Coca fällt unter das Betäubungsmittel-Gesetz. Sie sollen gut gegen Asthma und Höhenkrankheit sein. - Gepackt ist schon, also fahren wir fast pünktlich um 9.30 Uhr wieder mit Rainers Auto los. Es geht über Quito auf der Panamericana südwärts. In Ecuador führt sie zwischen den beiden Anden-Kämmen in 2.500 m Höhe längs durchs Land. Ich erinnere mich an einen Artikel über die längste Straße der Welt in der „Rasselbande“. Das war unsere Jugendzeitschrift in den 50er Jahren. Geschildert wurde eine Rallye von Kanada bis Feuerland. Rainer kannte die Straße ebenfalls bereits in seiner Jugend. Er hätte sich damals genauso wenig wie ich vorstellen können, jemals dorthin zu kommen.

Zu beiden Seiten grandiose Ausblicke auf die Vulkane. Ca. 200 km südlich von Quito biegen wir in östlicher Richtung ab. Dann ist der „Jungfrauen-Pass“ mit 4.000 m Höhe die 1. Station. Das Wetter ist ungewöhnlich schön und klar, so dass wir den Antisana in voller Pracht diesmal von der anderen Seite bewundern.
Jetzt geht’s unentwegt abwärts nach Papellacta, wo wir das Thermalbad aufsuchen. Ich bin unwillig, aber Ane und Rainer brauchen das zur Entspannung an ihrem 1. Ferientag. Ich lese etwas in Arno Schmidts „Gelehrtenrepublik“. Schließlich überredet Gerhild mich, ins Wasser zu gehen. Ist ganz schön, aber anstrengend.

Gegen Mittag brechen wir auf. Christiane und Rainer schlagen einen kleinen Spaziergang im Bachtal hoch vor. Wir sehen Lamas auf einer Weide und den endemischen Papierbaum. Tolle Landschaft ringsum, ein bisschen Allgäu, nur viel höher. Unter 3.000 m geht gar nichts, wir sind auf 3.500 m. Ganz oben auf einer Brücke eine Bank, von der wir das idyllische Bachtal mit schon etwas tropischer Vegetation bewundern. Rainer schläft ’ne Runde, dann geht’s auf der anderen Bachseite auf verschlungenen Wegen wieder hinunter.

Die Fahrt geht weiter abwärts. Kurzer Halt an einem Lokal, wo man Kolibris sehen soll, die sich aber gerade rar machen. Beim nächsten Halt gibt’s Kaffee und Kuchen und Käse für morgen früh. Weiter abwärts nach Baeza auf 2.000 m, wo wir in einem idyllischen Hotel einkehren, das Ane und Rainer – wie alles – schon kennen. Der Titel „Hotel“ allerdings grenzt an Hochstapelei. Kurze, etwas verspätete Siesta, die ich zum Schreiben nutze. Ein kurzer Bummel durch den Ort und ein Saft in einem sogenannten Restaurant mit Ausguck für Bird-Watcher. Kolibris süffeln auf Armlänge von uns an einer Tränke vorm Fenster. Leider ist es wegen der Berge und des dichten Waldes schon zu dunkel zum Fotografieren. Mache trotzdem ein paar Aufnahmen, bin aber skeptisch hinsichtlich der Qualität.

Um ½ 7 ist es pottenfinster und wir sind zum Abendbrot angemeldet. Die Anlage liegt mitten im Wald, Holzhäuser mit je zwei Zimmern. Einfach und doch simpel. Der Besitzer – ein Holländer – „kocht“ uns einen großen leckeren Salat und eine ebensolche Pizza.

Am Nebentisch sitzen drei Amis, sonst keine Gäste. Wir unterhalten uns lange und gut. Früh gehen wir ins Bett. Ich schlafe – fast – durch bis ½ 6 Uhr.

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Freitag, 15. Januar 2021
Ecuador: Alpacas
Alpacas ziehen in Ecuador frei umher; sie sind Artverwandte des Lamas. Ihre Wolle gilt als besonders wärmend und ihr Fleisch als sehr schmackhaft. Zur Gattung der Lamas gehören auch die Vicuñas. Sie waren schon vor der Kolonisation ausgestorben. In jüngster Zeit wurden sie - von der Schweizer Regierung mitfinanziert – neu gezüchtet und haben inzwischen die Zahl von 3.000 Tiere erreicht.

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Ecuador 2015 - En viaje - Unterwegs (4)
Vierter Tag: Rainer hat uns zu einem Ausflug zur Laguna Mica eingeladen. Wir fahren mit seinem geräumigen 4x4-Auto zunächst über Schnellstraßen, dann aber geht’s über Nebenstraßen weiter. Wir passieren ärmliche Dörfer und einen riesigen Steinbruch. Ein ganzer Berg wird abgetragen, wohl für den Straßenbau. Einstweilen ist die Zufahrtstraße durch die LKW total ausgefahren. Entsprechend werden wir durchgeschüttelt. Die Fahrt geht nur langsam voran.

Hinter dem Steinbruch wird die Straße besser und die Landschaft aufregender. Rundum grüßen die Vulkane, besonders majestätisch ist der Antisana mit 5.758 m Höhe und seiner Schneehaube. Um ins Naturschutzgebiet eingelassen zu werden, müssen wir uns durch Pass-Kopien ausweisen und werden registriert. Weiter geht’s bergauf zur Laguna, einem Stausee, an dem Strom produziert wird. Wir lassen das Auto stehen und laufen weiter.

Rainer hat einen Höhenmesser und meldet unsere Position regelmäßig, zuletzt sind wir bei über 4.000 m. Die Landschaft ist jenseits der Baumgrenze bei ca. 3.500 m kahl: weite Matten mit Grasbüscheln, viel kleines Gewächs, erinnert uns an Island.



Die Höhenluft macht Mühe. Ich merke deutlich die Anstrengung. Entsprechend gemächlich gehen wir. Gerhild läuft voraus. An einem Sattel mit Blick auf den Antisana machen wir Rast. Danach geht’s auf gleichem Weg zurück. Am See sehen wir drei Alpakas und ein Schaf. Zwischendurch begegnen wir Reitern in traditioneller Tracht, die zwei Saumpferde – eine Stute mit Fohlen – mitführen

Mit dem Auto fahren wir wieder bergab und kehren in einer kleinen Gaststätte ein: Suppe und frisch gepresste Limonade. Mit Blick auf eine andere Lagune. In der gegenüberliegenden Felswand sollen Geier nisten. Vor dem Fenster nippen Kolibris an einer Tränke.

Die Rückfahrt verläuft auf demselben Weg wie hin. Gerhild und ich nicken ein, Rainer nicht. Gegen 15 Uhr sind wir zurück im Haus. Christiane kommt auch gerade aus der Schule. Gerhild und ich legen uns für ein Nickerchen hin. Später werden Reisvorbereitungen für morgen getroffen. Rainer kocht, während ich dies schreibe.

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Was sagen Corona-Leugner zu den aktuellen Zahlen?
chaire, cheure, cheire nipton
Als Bundesgesundheitsminister Spahn vor knapp einem Jahr seine ersten Einschätzungen zur Corona-Epidemie vortrug, versuchte er das Problem kleinzureden: Jede normale Grippewelle würde pro Jahr 20.000 Tote fordern.

Die aktuellen Zahlen sprechen eine andere Sprache: Inzwischen hat die Pandemie 45.000 Tote gefordert, allein heute starben 1.100 Menschen an oder mit Corona.

Bei den Politikern werden die Sorgenfalten immer größer. Die Bevölkerung leidet unter den zunehmend strengeren Schutzmaßnahmen.

Nur die AfD fantasiert immer noch von einer „normalen Grippe“. Und die Corona-Leugner ebenfalls Ich würde gerne mal jemanden von den Leugnern sprechen und sie fragen, wie sie DIESE Fragen kommentieren!
Bleibt aufrecht und gesund!

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Donnerstag, 14. Januar 2021
Ecuador: Bevölkerung
Die Zahlen über die Bevölkerung Ecuadors variieren je nach Quelle. Teilweise innerhalb einzelner Quellen. Demnach besteht die Gesamtbevölkerung aus ca. 18 Mio. Einwohnern, davon ca. 45 % Mestizen – das sind Mischlinge aus Weißen und Indígenas – 35 % Indígenas, ca. 10% Weißen, also Nachfahren von europäischen oder nordamerikanischen Einwanderern und ca. 10 % Afro-Ecuadorianern, den Nachfahren afrikanischer Sklaven.

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Ecuador: Geld
Quito ist die ca. 2.800 m hoch gelegene Hauptstadt des Landes mit 2,5 Millionen Einwohnern. Wegen der geografischen Lage im Graben zwischen den Kordilleren ist die Stadt 60 km lang, aber nur wenige km breit. Die koloniale Altstadt ist UNESCO-Welt-Kulturerbe. Wegen seiner strategisch günstigen Lage war Quito schon in vorkolonialer Zeit ein Zentrum. Nach der Eroberung gründeten die Spanier 1534 erstmals offiziell die Stadt. Sie ist Verkehrsknotenpunkt für den internationalen Flugverkehr, die nationalen Buslinien und für die einzige Bahnlinie, die von der südlichen Pazifikküste hoch über die westliche Kordillere nach Quito und wieder hinunter an die nördliche Pazifikküste verläuft.

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Ecuador 2015 - En viaje - Unterwegs (3)
Dritter Tag: Heute wollen wir Quito „erobern“. Zuerst müssen wir die „Perle“ des Hauses begrüßen, die den Abwasch macht und für abends vorkocht. Für zehn Uhr ist ein Taxi bestellt, das auch pünktlich ankommt. Der Fahrer ist deutlich erstaunt, als ich ihm auf dem Stadtplan von Quito zeige, wo wir hin wollen. „Quito? La Capital?“ fragt er etwas ungläubig. „Si, señor“. Er fährt eine abenteuerliche Strecke, verirrt sich in eine Sachgasse, fragt zwei Kollegen. Schließlich kommen wir aber doch an der Haltestelle des „Turbus“ an: eine Stadtrundfahrt.

Um es vorweg zu nehmen: die Busfahrt hat sich nicht gelohnt. Der Turbus kutschiert uns elend lange durch hässliche Gegenden, der englische Kommentar ist weitgehend unverständlich, weil der Bus und der Verkehr zu laut sind. Ein Beispiel: auf der Rückfahrt – schon im Dunkeln – passieren wir drei Krankenhäuser, die beschrieben werden. Es wäre interessant gewesen, wenn dabei etwas über das Gesundheitswesen erklärt würde. Wird aber nicht.



Wir steigen an der Plaza Grande aus und folgen dem Rundgang aus dem Reiseführer. Aber das Programm gerät etwas aus den Fugen, weil zwei Kirchen über Mittag geschlossen sind. Wir beginnen mit der Jesuitenkirche, die uns erschlägt: außen mit Figuren, Ornamenten, gedrehten Säulen, innen mit Gold überladen. Die Augustinerkirche ist geschlossen, dafür genehmigen wir uns gleich nebenan eine Erfrischung in einem schnuckeligen Café, wo der Kaffee selbst gebrannt wird.

Santo Domingo ist ebenfalls zu, also flanieren wir durch die Ronda, eine kleinen Gasse entlang der alten Stadtmauer. Aufgehübscht zur Touristenmeile mit Restaurants und Läden ohne Stil. Dafür werden wir Zeugen eines skurrilen Polizeieinsatzes: ca. fünf Mann filzen einen Straßenhändler wie einen Schwerverbrecher: Hände an die Wand, Beine breit, Taschen auslehren. Was der arme Mann „verbrochen“ hat, bleibt unklar. Schließlich lassen sie ihn laufen. Sein Gesichtsausdruck verrät: das war nicht das erste Mal.

In der Casa Alabado ist eine sehr schöne Ausstellung prähistorischer und frühgeschichtlicher Keramiken, teils profaner Art, überwiegend aber kultischer Bestimmung. - Die Plaza Grande pulsiert: Familien, Männergruppen, Frauen genießen den Abend. Schuhputzer, Straßenhändler, Bettler wuseln. Über allem eine ruhige, aber lebhafte Atmosphäre. Eine Gruppe mit einem großen Transparent demonstriert lautstark: Es geht um Bergbau und die Zerstörung der Lebenswelt dieser Menschen.



San Augustin ist jetzt offen: sehr düster, fast deprimierend. Gerhild hockt erschöpft in einer Kirchenbank. Zwei Schmalzbällchen von einem Imbiss-Wagen bringen neue Energie.

Da es anfängt zu regnen, „machen“ wir noch die Kathedrale: Ästhetisch sehr wenig Unterschied zum Karussell-Stil des Freimarkts. Kitsch as Kitsch can! Wir entern den letzten Turbus an der Jesuitenkirche. Es regnet jetzt in Strömen und wir werden wieder durch langweilige Straßen hoch zur „Virgen“ kutschiert. Hoch oben wird ein Berg von einer Marien-Statue gekrönt. Die dreißig Minuten Aufenthalt verbringen wir wegen des Unwetters im Bus. Dann quält sich der Bus durch den Feierabendverkehr zurück zum Ausgangspunkt Botanischer Garten.

Wir erwischen gleich ein Taxi, das uns in rasanter Fahrt nach Tumbaco bringt, dem Vorort, wo Christiane und Rainer wohnen. Der Fahrer verfährt sich gründlich. Ein Kollege schickt ihn auf die falsche Fährte. Die Zeichnung von Christiane erschließt sich ihm nicht. Schließlich ruft er Christiane an, die ihn per Telefon manövriert. Christiane und Rainer haben sich schon Sorgen gemacht: es ist bereits 20.30 h. Sorry! Das leckere Abendbrot von der „Perle“ versöhnt uns wieder.

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