Dienstag, 25. Juni 2019
Rache für die gescheiterte Maut
Zwei Bundesverkehrsminister (Dobrindt, Scheuer), zwei CSU-Vorsitzende (Seehofer und Söder), zwei Ministerpräsidenten (Seehofer und Söder) und ein Bundesinnenminister (Seehofer) mühten sich sechs Jahre lang, in Deutschland eine PKW-Maut (wahlweise Ausländer-Maut oder Infrastrukturabgabe genannt) durchzusetzen. Die südlichen Anrainer machten immer klar, dass sie eine Maut auf deutschen Autobahnen nicht dulden würden. Die EU signalisierten, dass die geplante Maut gegen EU-Recht verstoße, deutsche Politiker aller Parteien bis in die CDU hinein lehnten das Ansinnen ab. Gregor Gysi (Jurist und Linke-Politiker) erklärte, er möchte erst noch das EU-Gericht sehen, dass die Maut genehmigt.

Nützte alles nichts. Die CSU-Minister zogen ihr Ding durch, gaben vermutlich über 50 Mio. Euro schon im Vorherein aus, versprachen Firmen Millionen-Einnahmen – und landeten krachend auf dem Bauch: Ein EU-Gericht gab den Österreichern Recht und lehnte die Maut ab!

Scheuer reagierte wie ein kleiner Junge: Jetzt verklagt er die Österreicher wegen deren Verkehrspolitik (Regulierung des Transit-Verkehrs). Die Rache des Kanalarbeiters. Es gilt als sicher, dass Scheuer auch damit auf den Bauch fällt. Und alles auf Kosten des Steuerzahlers!

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Sonntag, 23. Juni 2019
Marokko im Radio
Auf Radio Weser.tv läuft heute der erste Teil einer zweiteiligen Sendereihe über Marokko. Sie bringt neben Musik und Informationen über das Land mein Reise-Tagebuch. Sendetermine sind Sonntag, 23.Juni und Sonntag, 30. Juni jeweils von 12 – 13 Uhr, zu hören im Radio Weser.TV auf UKW 92, 5 sowie im Internet auf www.radioweser.tv

Wer heute gerade keine Zeit hat, kann die Sendungen auch für eine Woche im Internet hören über den Link: https://wetransfer.com/downloads/f1aeee18503a7e02d12aba6fbcb1f6c220190620222339/9e3c4805b834acd4ae4b78f2db0e4cc320190620222339/0dd143

Der Link für den 2. Teil wird Ende der Woche bekannt gegeben.

Bitte auch weitersagen an Freunde und Interessenten. Viel Vergnügen und gute Unterhaltung!

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Mittwoch, 19. Juni 2019
Erneutes Versagen des Verfassungsschutzes
Das Attentat auf den Regierungspräsidenten von Kassel, Walter Lübcke, beweist erneut das verhängnisvolle Versagen des Verfassungsschutzes in Hessen.

Der inzwischen festgenommene mutmaßliche Täter weist eine beachtliche Liste von Verurteilungen wegen gewalttätiger und rechtsextremer Delikte auf. Darüber hinaus war er in den letzten Jahren immer wieder wegen ähnlicher Delikte im Visier, konnte aber mangels Beweisen nicht verurteilt werden.

Die Liste von Delikten geht von Diebstahl, versuchter Totschlag, Messerstecherei, versuchtes Sprengstoffattentat gegen eine Flüchtlingsunterkunft, Brandstiftung über Körperverletzung bis Beleidigung, unerlaubter Waffenbesitz, Überfall auf eine DGB-Demonstration, Raub und Totschlag. Eine beachtliche kriminelle Karriere eines Rechtsextremen.

Weil es nach 2010 keine Verurteilungen, sondern „nur“ Ermittlungen gab, verzichtete der hessische Verfassungsschutz auf eine weitere Beobachtung. Als hätte der mutmaßliche Täter inzwischen seine Gesinnung abgelegt. Das rächte sich jetzt! Wenn der Verfassungsschutz nichts weiter kann, als Gerichtsprotokolle zu lesen, wozu existiert er dann noch?

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So ändern sich die Zeiten
Wenn man früher zum Haare schneiden beim Friseur war, fragte der Figaro zum Schluss: „Darf es sonst noch was sein?“ und meinte damit, ob man eventuell ein oder mehrere Präservative haben wollte. Damals waren diese nützlichen Produkte noch nicht allenthalben verfügbar und wurden quasi unter dem Ladentisch gehandelt.
Wenn der Friseur in gleicher Situation dieselbe Frage stellt, meint er damit, ob er noch Nasen-, Ohren –Haare oder die Augenbrauen beschneiden soll.

APROPOS KONDOME

Zu der eben beschriebenen grauen Vorzeit gab es Präservative u.a. in der Apotheke. Ich wollte welche kaufen und äußerte meinen Wunsch der Apothekerin. Irritiert fragte sie zurück, ob das etwas zum Einnehmen wäre. Das wollte ich nun gar nicht, benutzte daher jetzt das wohl geläufigere Wort Kondome. Sie drehte sich wortlos um, verschwand im Hinterraum und kam mit einem diskreten Päckchen zurück.

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Samstag, 15. Juni 2019
US-Weltpolitik in drei Akten
1. Akt: Im Oktober 1990 schildert ein 15-jähriges Mädchen vor dem Menschenrechtsausschuss des US-Kongresses Gräueltaten irakischer Soldaten in Kuwait-Stadt. (Kuwait wurde im August 1990 von irakischen Truppen besetzt.) Sie habe beobachtet, wie diese in einem Krankenhaus Babys aus dem Brutkasten genommen und getötet hätten. Zwei Jahre später kommt heraus, dass das Mädchen - Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA - diese Aussagen frei erfunden hat. Damit wurden Kongress und Öffentlichkeit auf die Intervention im Irak im Januar 1991 vorbereitet.

2. Akt: Dreizehn Jahre später präsentiert US-Außenminister Colin Powell dem UN-Sicherheitsrat „Material (…) aus unterschiedlichen Quellen, (….) zum Teil amerikanische Quellen, zum Teil Quellen anderer Länder. Einige (….) sind technischer Art, wie die abgehörten Telefongespräche und die Satellitenfotos. Andere Quellen sind Menschen, die ihr Leben riskiert haben, damit die Welt erfährt, was Saddam Hussein wirklich vorhat."

”Eines der beunruhigendsten Dinge, das Ergebnis sich verdichtender Geheimdienstinformationen zu biologischen Waffen im Irak, ist die Existenz mobiler Produktionsanlagen zur Herstellung biologischer Gifte. (….) Wir haben Beschreibungen aus erster Hand von biologischen Waffenproduktionsanlagen auf Rädern und auf der Schiene."“ Damit wurden UN und die Weltöffentlichkeit auf die zweite Invasion der USA eingestimmt.

Powell selbst hat sich später als Lügner bezeichnet. Es war alles frei erfunden. Während und nach der US-Invasion wurden nie irgendwelche biologische Waffen oder Fabriken gefunden. Aber das Ziel der USA war erreicht: Mit Billigung der UN marschierten US-Truppen und weitere Länder im Irak ein und produzierten das Chaos, das bis heute dort herrscht.

3. Akt: Jetzt 2019 stehen wir vor einer vergleichbaren Situation: US-Außenminister Mike Pompeo präsentiert der Öffentlichkeit ein arg verpixeltes Video, das ein Boot mit Menschen vor einer Schiffswand zeigt. Identität weder des Schiffs, noch des Bootes oder dessen Besatzung sind zu identifizieren. Alles Weitere muss man glauben – oder besser nicht!

Das Schiff sei einer der im Golf von Oman in Brand geratenen Öltanker. Das Boot sei iranisch, die Besatzung seien Revolutionsgardisten, die eine nicht explodierte Haftmiene entfernen. Alles Glaubenssache. Oder – wahrscheinlicher – fake-news!

Hier soll wieder die Rechtfertigung für eine bevorstehende US-Invasion im Iran vorbereitet werden. Aufgepasst!!!

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Schäfer-Gümbels schreckliche Aussage
Thorsten Schäfer-Gümbel (TSG), z.Zt. SPD-Vorsitzender und Provinzpolitiker, haut Grüne, das Soziale sei ihnen „schnurzegal“, sie reduzierten „alles Elend dieser Welt auf den Klimawandel“ und vergleicht sie so sogar indirekt mit der AfD.
Wie zu erwarten bekam postwendend Gegenwind aus den Reihen der Grünen. Da bekam Schäfer-Gümbel kalte Füße und ruderte zurück, was aber gründlich misslang: er ruderte Vollkreise. Manchmal – so TSG auf Twitter – gebe man ein Interview und sei am nächsten Morgen erschrocken darüber.
Also kein versehentlicher Ausrutscher, so etwas passiert eben sogar „manchmal“. Eine alte Regel lautet: Vor Inbetriebnahme des Mundwerks, Gehirn einschalten! Oder gibt es da vielleicht gar nichts einzuschalten?

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Samstag, 8. Juni 2019
Sublimer Antisemitismus
Der Geburtstag der Anne Frank jährt sich dieser Tage zum 90. mal. Gelegenheit, einen Blick zurück zu werfen.

In meiner Jugend der 50er Jahre wurde Anne Frank unter uns zum Thema. Weniger bei mir, als vielmehr bei den Mädchen in der Nachbarschaft. Ich hatte den Namen und ganz wenig über ihr Schicksal und das Tagebuch gehört. Für die Mädchen dagegen war das Schullektüre gewesen. Auf meiner reinen Jungen-Schule kam das wohl nicht in Frage, genauso wenig wie all die anderen damals wichtigen AutorInnen.

Und was diskutierten die Mädchen? Anne Frank habe ja schon so früh für Jungs geschwärmt, aber das sei ja wohl bei den Juden (lies Jüdinnen) so, die seien ja eher frühreif. So habe es die Lehrerin erklärt.

Sublimer Antisemitismus selbst bei der Lektüre DIESES Buchs.

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Freitag, 7. Juni 2019
Wie überquert man den Atlantik als Klimaschützerin?
Greta Thunberg, 16-jährige Klimaaktivistin aus Schweden, beabsichtigt, im September am Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York und im Dezember an der Welt-Klimakonferenz in Santiago de Chile teilzunehmen.

So weit so nachvollziehbar. Aber es gibt ein Problem: Greta lehnt es ab zu fliegen, aus Gründen des Klimaschutzes. Sehr löblich. Dabei entsteht aber ein Problem, an dessen Lösung laut dpa ihre Familie „arbeitet“. Im Gespräch sei, den Atlantik per Schiff zu überqueren. Nun ja, gibt es eine andere Option? Nur schwimmen, aber das kommt wohl nicht in Frage.

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Was nicht gesendet wurde, und was ich nicht gesagt habe.
Gestern verzehrte ich auf dem Domshof meine Erbsensuppe, als ein Mikrofonträger mich um die Beantwortung einiger Fragen bat. Ich nickte. Wie finden Sie es, dass die Grünen eine rot-grün-rote Koalition eingehen wollen? – Der Vorstand! – Ja. – Finde ich gut. – Warum? -
„… weil ich mir nicht vorstellen kann, dass CDU und FDP sich mit den Grünen auf ein Verkehrskonzept einigen können.“ Dieser Satz wurde später bei „buten un binnen“ auf Radio Bremen gesendet, das davor und das Folgende nicht: - Finden Sie es gut, dass die SPD regiert, obwohl sie die Wahl verloren hat? – Da sind ja noch zwei andere Parteien. - Ja, aber Bürgermeister Sieling ist der Wahlverlierer. – Ich habe nichts gegen Herrn Sieling.
Was ich nicht gesagt habe war: Welcher Bremer Politiker wäre besser geeignet? Doch wohl nicht der Nobody Mayer-Heder, ohne jede Politik-Erfahrung. Oder gar die Dame von der FDP, die nicht einmal die deutsche Grammatik beherrscht. Und aus der 2. Reihe fällt mir in keiner Partei jemand geeignetes ein. Schließlich: Carsten Sieling hat einen respektablen Job als Bürgermeister gemacht, wenn das auch in der Öffentlichkeit nicht immer genügend gewürdigt wurde. Im Gegenteil: die lokale Presse hat in den vergangenen Monaten heftig die Trommel für die CDU und gegen die SPD gerührt. Der 1,5% - Rückstand gegenüber der CDU fällt nun auch nicht SO ins Gewicht und sind auch dem Bundestrend geschuldet. Und dafür sind 25% kein schlechtes Ergebnis.

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Schlechte Ratgeber in der Migrationspolitik
Die dänische sozialdemokratische Partei mit ihrer Spitzenkandidatin Mette Frederiksen hat mit knapp 26% der Wählerstimmen die Parlamentswahl gewonnen. Ein fragwürdiger Sieg. Die dänischen Sozis bleiben ihrem swozial-und wirtschaftspolitischen Programm treu. ABER:
In der Asylpolitik – strikte Sperrung der Grenzen, Zurückweisung von Asylsuchenden, Restriktionen gegen Flüchtlinge - haben sie damit der rechten Venstre-Partei den Wind aus den Segeln genommen. So weit, so schlecht.
Einige Kommentatoren in deutschen Medien halten das für ein Rezept, der deutschen SPD zu neuen Wahlerfolgen zu verhelfen. Ein zynischer Vorschlag, denn 1. gehört sich restriktive Migrationspolitik für Sozialdemokraten nicht und widerspricht deutschem und europäischem Recht, und 2. wäre das ein Irrweg. Rechte deutsche Wähler bevorzugen das Original AfD oder andere, wenn es um Flüchtlinge und Ausländer geht.

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NRW-Polizei hat es wieder getan.
Im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung um den Kohleabbau im Hambacher Forst hat die NRW-Polizei schon früher mit bewussten Falschmeldungen bzw. Irreführungen gearbeitet. Jetzt wieder. Die Aachener Polizei befürchtet wohl, dass SchülerInnen der Bewegung „Friday for future“ dort mitmischen. In einer großangelegten Flugblatt-Aktion werden in Zusammenarbeit mit Schulbehörde und Schulen Unwahrheiten verbreitet und wird vor einer Teilnahme gewarnt.
- Es seien sechs Straftäter wegen Blockadeaktionen zu Schadersatz in Millionenhöhe verurteilt worden. Lüge Nr. 1
- Blockade-Handlungen seien illegal. Lüge Nr. 2
- Es gebe gewaltbereite Gruppierungen bei Ende Gelände. Lüge Nr. 3
- Es habe bereits früher gewalttätige Widerstandshandlungen gegen die Polizei gegeben. Lüge Nr. 4.
Man kann nur wünschen, dass die SchülerInnen sich nicht irritieren und von ihrem Demonstrationsrecht abhalten lassen.

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Mittwoch, 5. Juni 2019
Normales Benehmen in internationalen Beziehungen
Mike Pompei, Trumps Mann für Außenpolitik, will mit dem Iran über dessen Atompolitik diskutieren. Was gibt’s da zu diskutieren? Die USA haben den internationalen Atom-Vertrag mit dem Iran einseitig gekündigt. Mehr noch: Pompei fordert, der Iran müsse sich „wie ein normaler Staat“ benehmen.
Da könnte man lachen, wenn’s nicht so traurig wäre. US-Präsident Trump benimmt sich seit seinem Amtsantritt alles andere als normal: Verstoß gegen die etablierten Regeln der internationalen Diplomatie, stattdessen vulgäre Ausfälle auf Twitter. Das Protokoll beim Besuch der britischen Königin nicht eingehalten. Kündigung des Klima-Abkommens von Paris, Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt (gegen geltendes internationales Recht!), „Strafzölle“ gegen Mexiko wegen der Migrationsprobleme, Wirtschafts-Boykott gegen China als politisches Druckmittel, Einmischung in die Kandidaten-Auswahl im UK, Beleidigung des Hauptstadt-Bürgermeisters des engsten Verbündeten, usw. Schon mal gehört Mr. Pompeo?
Normales Benehmen in internationalen Beziehungen geht anders!

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Dienstag, 4. Juni 2019
Marocco 2009/10 - Zweiundzwanzigster Tag
Die Rückreise verläuft völlig ungeplant. Wir stehen sehr früh am Abfertigungsschalter des Flughafens. Auf einmal heißt es: der Flug ist gestrichen. Von Ryanair ist niemand zu sehen, der oder die sich um die Fluggäste kümmert. Gerüchte überstürzen sich. Das reine Chaos. Es gilt das Windhund-Prinzip, leider sind wir nicht die Schnellsten. Nach endloser Zeit der Unsicherheit, ergattert Ela, die in der Schlange steht, während wir das Gepäck hüten und auf der Jagd nach Neuigkeiten sind, Flüge nach Reus bei Taragona. Gregor hat von Bernd telefonisch erfahren, dass Montag ein Flug von Girona nach Bremen geht. Also: erstmal nach Reus, dort ins Hotel, am 22. Tag mit dem Mietwagen nach Girona, dort wieder ins Hotel. Am 23. Tag fliegen wir dann nach Bremen. Und am 24. Tag muss ich noch mit der Bahn nach Weeze und das Auto abholen. Zeitverlust 2 – 3 Tage, Geldverlust: Hotelübernachtungen, Mietwagen, Taxis, Bahnkarte. - Preisfrage: Wie oft fliege ich noch mit Ryanair?

Die klassischen Reisenden auf fremden Kontinenten berichten von Abenteuern mit wilden Tieren und feindlich gesinnten „Eingeborenen“. Die Abenteuer der modernen Reisenden geschehen auf den Flughäfen der zivilisierten Welt.
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Montag, 3. Juni 2019
Marocco 2009/10 - Einundzwanzigster Tag
Gestern früh war es sehr kalt und stürmisch. Von der Dachterrasse aus sehen wir: im Atlas liegt Schnee bis in die tiefen Lagen. Ich erkundige mich im Hotel nach der Passierbarkeit der Pässe: kein Problem, es ist wie in der Schweiz – es wird sofort geräumt. Vorsichtshalber brechen wir früh auf. An der Straßengabelung Marrakesch – Agadir steht Polizei: der Tiz’n-Tichka ist gesperrt. Die Polizisten wissen weder warum – Schnee, Erdrutsche, Wasser werden als Möglichkeiten aufgezählt – noch wie lange. Sie haben nur die ordre, niemanden durchzulassen. Nach kurzer Überlegung entscheiden wir uns, über Agadir – mehr als 600 km statt der erwarteten 200 km – zu fahren. Immerhin ist das teilweise eine neue Strecke.

Unterwegs tanken wir, weil unser Benzinvorrat nur bis Marrakesch kalkuliert war. Beim Tankwart erkundige ich mich nach dem Tiz’n-Test; er sagt, der sei frei. Als ich ihm erkläre, der andere Pass sei gesperrt, sagt er, man solle die Gendarmerie fragen. Die glänzt aber in diesem dünn besiedelten Gebiet durch Abwesenheit.

In einer Bank versuche ich, Geld zu tauschen. Der einzige Angestellte kämpft mit einem Zettel in der Linken mit seiner PC-Tastatur. Nach längerer Wartezeit gebe ich resigniert auf.

Beim Abzweig zum Tiz’n-Test steht ein Polizeiposten: der Pass ist frei! Also auf: noch mal die schwierigere Strecke. Die Berge mit den Schneekappen bei ganz klarer Sicht. Die Straße teilweise von Gebirgsbächen überspült, Bergrutsche, die aber schon geräumt sind. An einer Stelle ist der Bulldozer noch im Einsatz. Am Pass Pause. Wunderbare Fernsicht, teilweise steigen Wolken von unten auf. Sehr kalt! Auch der Wind weht hier sehr stark.

Gegen 17.00 Uhr sind wir in Marrakesch, finden den Weg gut, nur in Zielnähe, unserem Hotel, wird’s unübersichtlich. Ich halte an, studiere den Stadtplan – schon falsch. Ein Schlepper bietet sich an, lässt sich nicht abschütteln, verfolgt uns geradezu. Schließlich geben wir nach. Die Details sind bezeichnend und enervierend. Am Ende sind alle Beteiligten sauer: ich wegen Stress, er wegen zu wenig Geld. Hier ist die Konkurrenz offensichtlich am schärfsten, daher die Methoden am rüdesten. „Non“ heißt nicht „non“, sondern ist ein Anlass, die Bemühungen zu verdoppeln. „Als wir das Ziel aus den Augen verloren hatten, verdoppelten wir unsere Anstrengungen.“ Schrieb Mark Twain.

Abends kommt der Rest der „Familie“ und wir essen gemeinsam. Bummel über den Jamaa al Fna, den „Platz der Geköpften“, erkenne ich nicht wieder. 1965 war er ungepflastert, ein Platz des fahrenden Volks für das übrige Volk: Tanzgruppen, Schlangenbeschwörer, Märchenerzähler, Musikgruppen und Sänger, Akrobaten und Spitzbuben tummelten sich hier schon mittags, erst recht aber abends im unsicheren Schein von Fackeln und Petroleumlampen. Jeder Darsteller musste sich ein Publikum aufbauen, das einen Kreis um ihn bildete, und während oder nach der Vorstellung ging jemand mit dem Hut herum und sammelte das Geld von den Zuschauern. Wir Touristen waren in der Minderzahl.

Jetzt ist der Platz gepflastert, abends von Straßenlaternen erleuchtet, von morgens bis abends sind die festen Stände mit Esswaren besetzt, die den größten Teil des Platzes einnehmen. An diesem Abend habe ich außer den Fress-Ständen nichts gesehen. Dafür waren die Touristen in der Überzahl. Artisten habe ich erst am nächsten Mittag des zweiundzwanzigsten Tags in der Fußgängerzone vor den Restaurants gesehen: ein paar junge Männer absolvierten in großer Eile einige gekonnte Übungen, sammelten hastig Geld von den Gästen vor den Lokalen und verschwanden so schnell wie sie aufgetaucht waren.

Im Reiseführer lese ich von der Gentrifizierung der Medina: die Reichen und Schönen des Nordens und Westens kaufen sich dort ein und finanzieren die Edelsanierung. Auch hier ist ein Stück Orient verloren gegangen. In Abwandlung des bekannten slogans: Marrakesch ist eine Reise wert – die Abreise. Und selbst die gestaltete sich schwierig, davon später. Zunächst besuchen wir gemeinsam den Jardin Majorelle. Sicher sehenswert, aber auch nur durch Geld reicher Europäer ermöglicht; so könnte es überall sein. Nicht gesehen habe ich die vielen kulturhistorischen Baudenkmäler – vielleicht wäre das dann doch noch mal eine Hinreise wert.

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Sonntag, 2. Juni 2019
Marocco 2009/10 - Neunzehnter Tag
Kurz nach Boulmalne gibt es eine komplett renovierte Kasbah. Ein freundlicher Mann empfängt und führt uns. Zunächst zeigt er uns das „Museum“, eine Ansammlung von alten Gebrauchsgegenständen: gewaltige Schlösser aus Holz und Eisen, Messer, Küchengerät, Handschellen etc. Dann zeigt er uns die Räume: Stuck, Mosaike, Kacheln, Holzdecken. Alles sorgfältig restauriert bzw. gut erhalten. Er spricht natürlich mal wieder rasend schnell, auch nachdem ich ihn um langsames Sprechen gebeten habe. Viele Vokabeln, Fachausdrücke fehlen mir, but I try to do my very best, um Ela zu übersetzten. Von der Terrasse hat man einen guten Blick auf das Dadès-Tal, den Atlas und die gegenüber liegenden Berge, die dicht besiedelte Oasenlandschaft mit Moscheen für jeden Stadtteil.
Bei Tee frage ich nach dem Eigentümer: stolz legt er die Hand mit gespreizten Fingern auf die Brust: „Moi.“ Er hat die Kasbah geerbt, sie ist lange im Besitz der Familie, wurde mit Geldern der Besucher „peu à peu“ restauriert. Der große Salon wird für Festlichkeiten, Hochzeiten etc. sowie an Touristengruppen vermietet. Sie haben auch Gästezimmer unterschiedlicher Qualität, die sie an Touristen vermieten. Wir bedanken uns mit einem Geldgeschenk, er wünscht uns ein langes Leben, eine gute Reise und Gesundheit.
In einem der nächsten Dörfer werden Rosenprodukte angeboten. Ela lässt sich allerhand zeigen, entscheidet sich für etwas, zahlt, wir gehen zum Auto. Unterwegs kommen ihr Zweifel, ob das Gekaufte dem Gewünschten entspricht. Sie geht - allein – zurück und kommt wutentbrannt zurück: der Typ hat ihr das Falsche statt der besseren Qualität, die sie bezahlt hat, untergejubelt. Nach einer Auseinandersetzung hat er es getauscht.
Inzwischen hat mich ein Typ angequatscht: “Bon jour, ça va?“ Ich reagiere ablehnend. Als Ela mir ihre story erzählt, grinst er und erklärt, im nächsten Dorf gebe es sowieso besseres Rosenöl. Interessiert uns nicht. Als wir ins Auto steigen, will er uns die Stadt zeigen. Langsam wird’s lästig: wo immer wir anhalten, stürzen sich Kerle auf uns, die irgendwas wollen. Nur sehr energisches Auftreten hilft. Es gibt nette, siehe oben, aber oft sind sie lästig. Als ob wir nicht selber sagen können, ob und was wir wollen.
In Ourzazate finden wir das vorbestellte Hotel mit Hilfe eines Tourismusbüros und eines Polizisten. Als erstes läuft uns der Schlepper von letzter Woche - der mit dem „kaputten“ Auto - über den Weg. Ich pflaume ihn an, als er sich schnell verdrücken will, ob sein Auto jetzt heil ist: Ja, ja, vielen Dank! – Ich: glaube es nicht. Abends taucht er nochmals auf, versichert, dass das Auto läuft und bedankt sich noch mal. Guter Schauspieler ist er jedenfalls.
In der Stadt beschließen wir, die Kasbah zu besichtigen, leider eine Enttäuschung, nur zwei, drei Räume sind sehenswert in einem endlosen Labyrinth von winzigen Räumen und niedrigen Türen. Vor und in der Kasbah bieten Scharen von Guides ihre Dienste an. Meist muss man energisch werden. Einmal ziehe ich die Notbremse: „Ts“ mit Kopfheben und abwehrender Geste. Im Orient, auch hier, ein entschiedenes „Nein“. Das wirkt und der Betreffende zieht ab. Nach der Besichtigung bummeln wir durch das benachbarte Judenviertel, allerdings ohne Juden. Wieder Guides und Händler ohne Ende. Das Viertel ist aber belebt und „malerisch“, aber offenbar sehr ärmlich. Vor einem Haus lehnt eine junge Frau, unverschleiert, aber mit Turban. Oben aus einem Fenster lehnen auf einem Kissen zwei andere: das „Gelbe Haus am Pinnasberg“?
Anschließend bummeln wir noch durch den „traditionellen Markt“, direkt neben einer modernen Fußgängerzone mit Platz, Geschäften, Restaurants, Cafés und Hotel. Eine gelungene städtebauliche Verbindung von Tradition und Moderne.
Wir essen abends nichts: Ela sowieso nicht, ich wegen anhaltender Verdauungsbeschwerden. Spielen statt dessen Rommé, und Ela gewinnt dauernd! Es ist draußen wie drinnen kalt, nachts hat’s geregnet, der Schnee liegt auch in den unteren Gebirgslagen, ein kalter Wind. Die „Heizung“ – Klimaanlage-- schafft etwas Wärme. Wir gehen früh ins Bett.

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