Dienstag, 3. März 2020
Eine Reise durch das Land der Gegensätze: Marocco 2012 (11)
Dafür bin ich sehr kurzatmig. Gerhild und ich frühstücken in einer nahen Sandwitcherie, gehen dann zum See-Boulevard. Der Automat an der ersten Bank verweigert den Dienst. Also pilgern wir weiter zum Platz vor der Medina. Zwei weitere Bank-Automaten: nicht besser. Erst am vierten Automaten habe ich Erfolg. Der Wachtposten in der ersten Bank scheint stumm zu sein. Meinen Gruß erwidert er gar nicht, so dass ich ihn zunächst auch für taub halte. Meine Frage nach dem Automaten erwidert er mit einer müden Gebärdensprache. Grußlos wende ich mich ab.

Wir essen ein Eis bzw. trinken einen Tee in der Cafeteria. Ausschließlich Touristen. Einheimische tauchen als Servicepersonal, Straßenhändler und Bettler auf. Die Serviererin reagiert auf mein Französisch mit Englisch, das ich erst nicht als solches erkenne und dann nicht verstehe. Bettler werden von einem, der wohl keine andere Funktion hat, vertrieben. Zwei junge Artisten vollführen Kunststücke, die Gage der Touristen bleibt mäßig. Fette Europäer krönen ihren Bauch mit einer Canon EOS, mit der sie ihre wabbeligen Frauen vor irgendwelchen Sehenswürdigkeiten knipsen.



Wir gehen an der Strandpromenade zurück. Die Stadt gefällt mir nicht. Ganze Stadtviertel – u.a. da wo wir wohnen – sind komplette Baustellen, ohne dass man irgendjemanden arbeiten sieht (allerdings ist heute Freitag, der moslemische Feiertag). Die Nebenstraßen ungepflastert, staubig, vermüllt. Überall wimmeln Touristen. Urbanes Leben: Fehlanzeige. In der Medina waren wir nicht.

Die jungen Männer auf der Strandpromenade mustern trotz meiner Gegenwart ziemlich unverhohlen Gerhild und andere Frauen. Ich vermute, dass es auch „Gigolos“ gibt.

Das Haus von Nadine (unsere Vermieterin) ist vollgestopft mit Schnickschnack, irgendein Mischmasch aus marokkanisch, impressionistischer Filmausstattung und Basteleien der 50er Jahre (Regale an Schnüren). Nur Praktisches fehlt: nicht genügend Haken für Handtücher und keine Ablage am wackeligen Miniwaschbecken, einer ehemaligen Obstschale oder so. Stühle „originell“ aus Ästen gebastelt, völlig unbequem usw. Dafür ist der Pensions-Preis niedrig, immerhin etwas.

Nach außen ist das Studio auf der Dachterrasse komplett abgeschottet. Nur Straßengeräusche dringen nach oben: Kindergeschrei, Motorenlärm, Stimmen, Baulärm. Wenn man über eine Leiter auf die oberste Ebene klettert, öffnet sich der Blick auf Flachdächer mit unzähligen Satelliten-Schüsseln und Schornsteinen. Irgendwo im Dunst ahnt man die Purpur-Schnecken-Insel.

Während Gerhild zum Henna-Fest ist, der Frauenveranstaltung am Vorabend des eigentlichen Hochzeitsfestes, verbringe ich den größten Teil des Nachmittags schlafend und lesend im wirklich gemütlichen Bett unter einer echten Decke. Später helfe ich bei den Vorbereitungen für das morgige Festessen. Spät abends kommt Gerhild völlig geschafft zurück. Es war wohl seeehr anstrengend und überhaupt nicht lustig. Eine filigrane Henna-Bemalung ziert ihre linke Hand. Noch später hat Youness das Abendessen fertig, nachdem die vier Männer ihre Vorbereitungen abgeschlossen haben. Gerhild und ich schlafen schnell ein. Leider geht es mit meiner Luft sehr schlecht.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Montag, 2. März 2020
Westsahara
Fährt man südlich einer Linie Agadir – Ourzazate, so trifft man häufig auf Kontrollstellen der Polizei. Daran merkt der Reisende, dass die Grenze zur Westsahara näher kommt.

Das Gebiet der Westsahara hat heute ca. 373.000 Einwohner, von denen nur ca. 50.000 Sahauris sind. 2.000 Menschen leben als Nomaden. Dieses Gebiet gehörte nicht immer zu Marokko, das 1956 seine Unabhängigkeit von der französischen Kolonialmacht erlangte. Mehrere Enklaven – Melilla, Ceuta, Tanger und Ifni sowie die Westsahara, Spanisch Marokko genannt, ungefähr südlich des 28. nördlichen Breitengrads, blieben von der früheren Kolonialmacht Spanien besetzt.

Bereits in den 1960er Jahren bemühte sich die UNO, den Kolonialstatus zu beenden, bis heute allerdings vergeblich. Seit den 1970er Jahren entwickelte sich Widerstand der einheimischen Bevölkerung gegen Spanien, der von der bewaffneten „Polisario“ angeführt wurde.

Marocco erhob seit Beginn der Unabhängigkeit Anspruch auf das Gebiet. 1975 organisierte König Hassan II. den sog. Grünen Marsch, bei dem 350.000 Marokkaner in die Westsahara eindrangen. Der König erklärte die Westsahara als zum Staatsgebiet gehörig. Das spanische Parlament willigte ein. Zehntausende Sahauris flüchteten nach Algerien. Dort leben noch heute ca. 150.000 in Lagern. Das Gebiet ist u.a. wegen seiner reichen Phosphat-Vorkommen höchst begehrt.

Die teils bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Marokko und der Polisario zogen sich über Jahrzehnte hin. Ebenso die Pläne, einen Volksentscheid herbeizuführen. Es gab immer wieder Initiativen seitens der UNO sowie Waffenstillstandabkommen und Friedensverhandlungen, ohne dass bisher eine für alle befriedigende Lösung gefunden wurde.
Die marokkanische Polizei hat daher „gute Gründe“, wachsam zu sein.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Eine Reise durch das Land der Gegensätze: Marocco 2012 (10)
Wir kommen pünktlich um 9 Uhr los. An der großen Straßenkreuzung zwei uniformierte Wichtigtuer. Es ist eine Stopp-Straße, ich halte an der Sichtlinie, da kommt der Hüter der Unordnung und belehrt mich, da sei ein Stopp-Schild. Ich: „Ich stehe doch schon.“ Ich scheine für ihn undurchschaubar, weil nicht unterwürfig zu sein, gnädig winkt er mich durch. Welch ein Job!

Unterwegs hinter Agadir begegnet uns an einer Straßensperre mit Igelkette ein nicht uniformierter Wichtigtuer. Was er da zu suchen hat und welches seine Legitimation ist, bleibt unklar. Mit blasierter Mine wedelt er mich durch. Was für ein Armleuchter, wofür verdienen die ihr Geld?!



Die Strecke von Agadir nach Essaouira verläuft teilweise am Wasser mit schönen Sandstränden, großen Dünen, streckenweise sehr kurvenreich und bergig durch’s Landesinnere. Nach 4 Stunden 20 Minuten sind wir da. Eine Stunde brauchen wir, um Alice zu kontaktieren, uns durchzufragen, ein Taxi zu finden, das uns lotst. Schnell das Gepäck ausgeladen und gleich zurück zum Flugplatz. Auto abgeben ohne Probleme. Nur die Taxifrage gestaltet sich schwierig.
Zurück in Essaouira große Begrüßung, duschen, klönen bis abends. Bernd kocht. Die gemeinsame Mahlzeit ruft Erinnerungen hervor: die „ganze Familie“ traut vereint. Stefan – Gregors Freund – ist unauffällig integriert.
Ich schlafe fest und bis ½ 9 Uhr fast ununterbrochen. Jetzt kommt wohl die Reaktion auf die Anstrengungen der letzten Tage.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Slowakischer Präsident lehnt Solidarität in der EU ab!
Die Parlamentswahl in der Slowakei hat einen konservativen Politiker, Igor Matovic, als Präsidenten hervorgebracht. Dieser hatte damit geworben, die Korruption zu bekämpfen, und das verspricht er jetzt auch zu tun. Das dürfte eigentliche eine Selbstverständlichkeit sein, die nicht eigens betont werden muss.

Eine andere Selbstverständlichkeit hat er aber entschieden abgelehnt: Er will auf keinen Fall den Forderungen der EU nachgeben, Flüchtlinge aufzunehmen. Das solle um keinen Preis geschehen. Das betonte er unmittelbar nach der Wahl und als sich die katastrophale Entwicklung an der türkisch-griechischen Grenzen bereits deutlich abzeichnet. Wer hat diese Länder – Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn – bloß in die EU eingelassen, die sich keineswegs an die europäischen Standards halten wollen, aber munter Subventionen kassieren?

... link (0 Kommentare)   ... comment


Sonntag, 1. März 2020
Amtsgericht Berlin-Tiergarten macht weiter
Die Berliner Justiz in Form des Amtsgerichts Tiergarten bleibt sich treu. Lehnte sie im letzten Jahr die Klage von Renate Künast (Grüne) gegen unerhörte Beleidigungen ab (siehe meinen Beitrag vom 02.20.19 „Drecksfotze geht in Berlin o.k.“), so wurde jetzt eine Klage von Sawsan Chebli gegen eine lange Reihe von Beleidigungen im Internet zurückgewiesen. Frau Chebli (SPD) ist Staatssekretärin in der Berliner Senatskanzlei und u.a. für Internationales.

Der Beleidiger ist bekannt: Tim K., eine verkrachte Existenz. Nach immer wieder gescheiterten Anläufen – von Rockergruppe, Polizei, beim SEK abgelehnt, Pegida u.a., vorbestraft wegen Körperverletzung und angeklagt wegen Förderung der Prostitution – versucht er sich jetzt als Troll im Internet. Vor allem ist Frau (!) Chebli sein Angriffsziel. Das Label „islamische Sprechpuppe“ ist noch die geringste Beleidigung. Und das geht für den Amtsrichter wieder o.k., der auch ein Sarrazin-Buch als nicht rassistisch einstufte.

Kann man so einen stoppen? Immerhin wurde auf Frau Künasts Beschwerde ein Teil des ersten Urteils revidiert (Beitrag vom 26.01.20). Es ist damit zu rechnen, dass auch das Chebli- und das Sarrazin-Urteil revidiert werden müssen. Ist dem Herrn Richter eigentlich klar, dass allzu viele Beschwerden und Revisionen karriere-behindernd sind oder ist es ihm egal?

... link (0 Kommentare)   ... comment


Aufarbeitung der Vergangenheit von CDU/CSU: Fehlanzeige
Nicht zuletzt in dem Thüringer Kasperl-Theater um die CDU und ihre Blockade der Wahl einer Regierungskoalition wird immer wieder die „SED-Keule“ geschwungen. Die Linke sei Nachfolgepartei der SED und habe ihre Vergangenheit nicht aufgearbeitet (nebenbei: was nicht stimmt!).

Die Ost-CDU-Landesverbände sind Nachfolger der DDR-Blockpartei CDU. Blockparteien unterschieden sich im Grunde in nichts von der SED. Sie waren staatstragend und konnten weder Opposition, noch - schon gar nicht – Widerstandspartei sein; auch wenn sich einzelne Ex-Ost-CDUler als Widerständler darzustellen versuchen. Von Aufarbeitung der Vergangenheit kann keine Rede sein.

Aber auch die West-CDU hat ihre sehr dunklen, ja braunen Flecken auf der Weste, eine Tatsache, die gerne und leidenschaftlich heruntergespielt oder verschwiegen wird. Hier soll etwas Licht in das Dunkel gebracht werden. Eine Wikipedia-Liste von führenden bundesrepublikanischen Politikern in CDU und CSU umfasst 71 Namen von Ernst Adams bis Friedrich Zimmermann. (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_ehemaliger_NSDAP-Mitglieder,_die_nach_Mai_1945_politisch_t%C3%A4tig_waren) . Adam war Abgeordneter im NRW-Landtag, im Bundestag und im Europaparlament. Zimmermann war MdB sowie Bundesminister des Inneren und Verkehrsminister.

Skandalumwittert war in den 1950er Jahren Hans Globke. Dieser war als Jurist und Ministerialbeamter in den 30ern aktiv in der Judenverfolgung, ein sog Schreibtischtäter. Unter Adenauer brachte er es zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Globke#Ma%C3%9Fnahmen_zur_Ausgrenzung_und_Verfolgung_von_Juden ) Als seine Vergangenheit ruchbar wurde, wurde er entlassen, ohne große „Vergangenheitsbewältigung“. Ein anderer Name: Theodor Oberländer machte unter den Nazis eine wissenschaftliche Karriere als „Ostforscher“ und wurde unter Adenauer Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte. Ebenfalls nur auf öffentlichen Druck wurde er 1960 zum Rücktritt gezwungen.

Weitere prominente Namen: Carl Carstens (Bundespräsident), Hermann Höcherl (Bundesinnen- und Landwirtschaftsminister), Alfred Dregger (MdB, CDU-Fraktionsvorsitzenden), Hanns-Martin Schleyer (Bundesverband Deutscher Arbeitgeber), alle ehemalige Nazis und später CDU bzw. CSU.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: auch die SPD, aber auch und vor allem die FDP sind nicht frei von Tadel! So, aber nun wäre es an der Zeit, dass die CDU/CSU dem Vorbild der Linken folgen und IHRE Vergangenheit aufarbeiten, denn davon habe ich weder früher noch aktuell (Stichwort Landtag Thüringen) etwas gehört.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Eine Reise durch das Land der Gegensätze: Marocco 2012 (9)
Wenn Marokkaner – nicht alle, klar! – versuchen, uns Europäer zu bescheißen: drückt sich darin die Rache der Kolonisierten an den Kolonisatoren aus? Das Absurde ist: wenn sie uns zu bescheißen versuchen, wir ihre Pläne durchschauen und durchkreuzen, sind sie enttäuscht über und sauer auf uns. Aber viele Touristen kennen die Regeln nicht, verhalten sich unmöglich, was wieder von den Marokkanern uns Europäern pauschal zugeschrieben wird.

In Taroudannt auf dem Platz Talmoklate sind Gaukler: zwei Männer und eine Frau ziehen eine Theaterschau ab, die wir nicht verstehen. Plötzlich holt die Frau eine Schlange aus einem Sack. Ich fotografiere, sie hört das Klicken, vermutet aber meinen Nebenmann als Fotografen. Mit einem umgekehrten Tambourin als Kasse geht sie auf ihn zu. Der weicht zurück und macht sich aus dem Staub. Ich als Verursacher werfe 50 Cent `rein. Schon ist der Bann gebrochen: sie lächelt und greift sich Gerhild als „Opfer“ für eine Schlangenschau; Gerhild bekommt die Schlange um den Nacken gelegt, ich kann fröhlich weiter fotografieren. Gerhild bekommt laute Anerkennung der Frau und der Zuschauer. „Vous n’avez pas peur?“ Haben Sie keine Angst?



Diese Leute leben davon, für ihre Schau eine „Gage“ zu bekommen, die man ihnen keinesfalls vorenthalten darf. Ich frage drei Musikanten um ein Foto, sie setzen sich in Positur, strahlen, ich knipse und natürlich ist die „Gage“ fällig, gefordert und gegeben. Ein Tourist fotografiert einen Schlangenbeschwörer, der selbstverständlich Geld fordert. Der Tourist zahlt nicht, rettet sich zu seinem einheimischen Reiseführer. Mit Recht ist der Schlangenbeschwörer lautstark sauer. Der Tourist erzählt zu Hause bestimmt, wie raffgierig und aggressiv die Marokkaner sind. Derlei europäisches Verhalten prägt aber die Haltung der Marokkaner uns gegenüber!

Gerade habe ich bei der Lektüre von Camus die Stelle gefunden, derentwegen ich anfing, Camus zu lesen: „Licht und Schatten“, Kleine Prosa, S.75. Wegen Camus bin ich damals nach Marokko gefahren (Algerien war zu weit). Und ich habe hier die Sonne, das Licht und das Meer der mediterranen Länder gefunden!
Heute ist der Himmel morgens blau, es wird ein heißer Tag. Über der Ebene liegt ein Dunst, der die Berge des Atlas verbirgt. Gleich nach dem Frühstück fahren wir nach Taroudannt (unterwegs einen mitgenommen, kein Mitschnacker). Eine quirlige Stadt, fotografisch schwer einzufangen. Wir streunen durch die Gassen, gehen kurz in die Medina, die Altstadt mit Mauer, ein reines Wohngebiet, sehr ärmlich, schlendern im Suk, dem Markt. Später auf der Place Talmoklate finden wir die Gaukler. Unter den Bäumen hocken Männer, die Theaterleute bauen Publikum auf, nebenan der Schlangenbeschwörer schafft das nicht. Die drei Musiker machen wohl Pause. Wir sitzen auf Caféhaus-Stühlen, trinken etwas und atmen die Atmosphäre. Ich fotografiere (mit und ohne Erlaubnis, mit und ohne „Gage“).

Neben uns am Tisch sitzen drei Amis – zwei Frauen, ein Mann. Der Gitarrenspieler, den ich mit seinen Kumpels fotografier habe, baut sich vor ihnen auf, intoniert etwas. Sie gucken verlegen grinsend in eine andere Richtung. Schließlich gibt er es auf. „Why can’t they put in at least one nickel“ Dann kommt er zu uns an den Tisch, klaubt aus der Kapuze seiner Djelabba einige €-Münzen und bittet darum, sie gegen DH umzutauschen. Na klar, mache ich.



Als es langsam zu heiß wird, gehen wir zum Auto zurück. Lenkrad und Schaltung sind so heiß, dass ich sie kaum anfassen kann. Schon kommt einer in Warnweste, erklärt sich zum Parkwächter und will Geld. Seh’ ich nicht ein, als wir das Auto dort abstellten, war er noch nicht da. - Gerhild liest unterwegs: 40°! Wir machen Siesta, sitzen später im Schatten der Laube im Hof, lesen, schwimmen im Pool, ich schreibe dies. Inzwischen ist ein erfrischender Wind aufgekommen, am Himmel sind Federwolken.
Nachdem es sich etwas abgekühlt hat, gehen wir los, um die Palmeraie den Palmenhain zu finden. Da wir nicht wissen, wo sie ist, irren wir zunächst durch die Gassen: ziemlich elend, alte Männer, die im Schatten kauern, Kinder kommen vom Kindergarten oder tollen durch die Gassen, Frauen in Haustüren, die den Namen nicht verdienen. Dazwischen eine Villa, von der man nur die Terrasse und das bomfortionöse Eingangstor in der Mauer sieht. Obstgärten sind durch Mauern oder Dornentrockenhecken geschützt. Eine Gruppe kleiner Mädchen küsst eine nach der anderen einem älteren Mann, der im Schatten einer Mauer sitzt, die Hand. Den Palmengarten, den wir gesucht haben, finden wir nicht.

Von „unserer“ Dachterrasse sehen wir in einem benachbarten Hof einen Jungen aus einem teils verkohlten Abfallhaufen Konservendosen in einen Sack sammeln. Ein zweiter Junge hilft ihm, die Beute über die Mauer zu schaffen. Nach dem Abendessen noch kurz aufs Dach, Sterne gucken. Nanu: der große Wagen steht Kopf, die Deichseln nach rechts.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Samstag, 29. Februar 2020
Tempolimit: Die Fakten
Das Umwelt-Bundesamt (UBA) hat seine Aufgaben gemacht und ausgerechnet, wieviel Kohlendioxyd (CO2) durch ein generelles Tempolimit auf Autobahnen vermieden werden kann: Zwischen 1,9 Mio. und 5,4 Mio. Tonnen jährlich – 1,9 Mio. bei Tempo 130km/h und 5,4 Mio. Tonnen pro Jahr bei Tempo 100 km/h. Das UBA betont, dass dieser Effekt SOFORT und OHNE KOSTEN erreicht werden kann. Die Kosten, die durch Verkehrstote, Verletzte und Sachschäden beim Tempolimit „eingespart“ werden können, sind dabei noch nicht eingerechnet.



Derlei Rechnungen bezeichnet der Bundesverkehrsminister (auf Abruf) Scheuer (CSU) als „bar jeden Menschenverstands“, für die es keine Mehrheit gebe! Nun, immerhin ist die Mehrheit der Bevölkerung, ca. 60%, für ein Tempolimit. Die Mehrheit fehlt allein im Bundestag und im Bundesrat. Der letzte Antrag auf eine entsprechende Gesetzesänderung wurde vom Bundesrat allein wegen des Koalitionsfriedens in verschiedenen Ländern abgewiesen, in denen die Grünen in den Regierungen sitzen und es nicht mit ihren Partnern (SPD bzw. CDU) verderben wollten.

Derlei Opportunismus kostet Geld durch Benzinverbrauch, Sachschäden, Verletzte, Gesundheitsschäden durch Abgase und Lärm und Tote. Wer also ist „bar jeden Menschenverstands“ doch wohl eher Scheuer und alle, die gegen die Gesetzesänderung stimmten bzw. sich enthielten!

Zukünftige Generationen müssen darunter leiden, genauso wie gegenwärtige, und werden es einfach nicht begreifen, was wir gegenwärtig anrichten.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Eine Reise durch das Land der Gegensätze: Marocco 2012 (8)
Die Nacht kann lang werden, wenn man schon um ½ 3 Uhr aufwacht und nicht mehr einschläft. Beim Aufstehen Überraschung: es regnet, nicht doll, aber im Laufe des Tages bis Mittag immer mal wieder tröpfchenweise oder heftiger.

Nach dem Frühstück muss ich Jussef sagen, wie hoch der Halb-Pensions-Preis ist und die Summe ausrechnen. Das andere Paar, das seit gestern im Haus war, erzählt, sie seien durch den Sandsturm im Süden festgehalten worden.

Wir fahren los, ich mit etwas mulmigem Gefühl wegen des Rumpel-Geräuschs. Es wird aber nicht schlimmer, also beschließen wir, nicht in Ouarzazate zum Verleiher zu fahren, sondern es darauf ankommen zu lassen. Bis Ouarzazate geht’s wieder wenig zügig wegen der vielen Ortschaften. Dort tanken wir, finden schnell die Ausfahrt nach Agdz und tauchen schnell in die wilde, kahle, schwarze Landschaft ein. Eine Kolonne von 4x4 will mit mir Rennen fahren.



Waghalsige Überholmanöver, eins nach dem anderen. Dann ein Unfall: zwei oder drei Fahrzeuge sind beteiligt. Genaues kann ich nicht sehen. Als wir im Stau stehen, fragt einer, ob er mitfahren darf nach Agdz. Die Leute am Unfallort murren schon lautstark, ich soll weiterfahren, also sage ich kurz entschlossen ja. Er erzählt uns etwas über die Landschaft, die Berber (er ist angeblich einer) usw. Beim kurzen Halt bewundern wir den Ausblick; der ist so fantastisch, dass man ihn eigentlich nicht fotografieren kann, zumal der Himmel grau bedeckt, also kein schönes Licht ist. Außerdem habe ich beim letzten Mal fotografiert.

Als wir in Agdz einfahren, lädt er uns wortreich zum Tee ein. Ich sage nein, er insistiert, ich sage nein. Am Abzweig nach Tiznith komplimentiere ich ihn hinaus. Wieder dieses völlig enttäuschte Gesicht. Wahrscheinlich wollte er gar nicht nach Agdz, sondern war nur ein Schlepper und jetzt muss er wieder zurück, ein neues Opfer zu suchen. Vielleicht wird er pro Opfer bezahlt? Gerhilds Theorie lautet, er könne enttäuscht sein, weil wir seine Einladung abgelehnt haben. Möglich, aber mir eher unwahrscheinlich.

Ein echtes Dilemma: nimmst du einen mit, kann’s ein Schlepper sein, oder er ist „harmlos“ wie vorgestern der Alte (nach Boumalne) oder der gestern in der Thodra-Schlucht. Die Chancen stehen wohl 50 : 50. Die Taktik der Schlepper ist übrigens immer dieselbe: zunächst einen unverbindlich ansprechen, dann durch Auskünfte im Gespräch eine persönliche Beziehung aufbauen, schließlich an das Ehrgefühl („die Gastfreundschaft eines Berbers abzulehnen ist unmoralisch“), oder an das Mitleid appellieren. Je aussichtsloser das Gespräch für sie wird, desto wortreicher werden sie.

Nach Agdz wird die Straße fast leer, schmal und streckenweise mit Schlaglöchern übersät. Macht aber nichts, denn die wilde Landschaft entschädigt uns reichlich. Einzelne wenige Winz-Ortschaften, völlig abgelegen in Oasen, die sich aus dem Wadi nähren. Auf halber Strecke kommen wir an einem Bergwerk vorbei, wo irgendwelche Mineralien, grün-türkis, abgebaut werden. Neben dem Werk elende Behausungen, wahrscheinlich für die Arbeiter, aber mit Familien, denn wir sehen zwei Mädchen, die uns irgendwas zurufen. Hinter dem Werk wird die Straße zunächst noch schlechter. Die Besiedlung bis Tazenakht ist noch dünner.

Der Ort ist ein Wildwestort des 20. Jahrhunderts, aber in der Art von „Dead Man“, dem Jim-Jarmusch-Film von 1995, nur der Schlamm ist hier Staub. Wir essen etwas und begucken das Treiben um uns. Schwere LKW, Mopeds, klapprige Transits oder Pick-Ups, laute Männer, Frauen mit Bündeln von Grünzeug, Eselkarren, alles bunt. Ein Touri-Kleinbus hält so kurz, dass vier Insassen ihr bestelltes Essen wieder abbestellen müssen, dafür kommen drei zu spät. Schon 1976 in Tunesien habe ich als Pauschaltourist die Freaks im VW-Bus beneidet.

Dann fahren wir auf der N 10 zügig weiter. Beschließen – weil’s unterwegs nichts zu gucken gibt – durchzufahren bis Tiout, wo wir am Anfang der Reise waren. Bis auf eine kurze Strecke bei Taliouine – dort gibt es wieder Dramatisches – ist die Landschaft platt und die Straße gerade. Wir kommen zügig voran und sind um ¼ vor 6 Uhr dort. Mme. Marie staunt, ist aber erfreut, fragt kurz, wo wir waren.

Kurzes Ausruhen, Schwimmen im Pool, dies schreiben, jetzt warte ich aufs Abendessen. Das Wetter ist hier angenehm: leichte Briese, nicht zu warm, nur Federwolken am Himmel. Gerade erfahre ich: Mme. Marie hat keinen Wein mehr. Quel domage! Wie schade! Schließlich rückt sie eine angebrochene Flasche `raus: es ist unsere, die wir beim letzten Mal nicht ausgetrunken und vergessen haben mitzunehmen.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Freitag, 28. Februar 2020
Musik in Marocco
Wie im Handel, der Sprache und ethnologisch ist die marokkanische Musik Ergebnis der Verbindungen nach Europa wie ins südsaharische Afrika. Klassische und moderne arabische Musik, andalusische Musik, Folklore der einzelnen Volksgruppen und die Musik südliche der Sahara sind heute präsent.
Letztere wurde nach Eroberungszügen der Araber nach Mali von Sklaven mitgebracht. Sie ist der malischen Musik infolgedessen sehr ähnlich, ebenso wie das Instrumentarium: langhalsige Lauten, Kastagnetten und Trommeln, Instrumente, die leicht zu transportieren sind. Jährlich findet in Essaouira ein Gnawa-Festival statt.
Auch die in Europa beliebte Weltmusik hat die marokkanische Musik entdeckt, so dass eine Art „Fusion-Music“ entstand. Die CD der deutschen Jazz-Rock-Gruppe Doldinger’s Passport „ToMorocco“ ist dafür nur ein Beispiel.
Eine gegenwärtig unter Jugendlichen sehr populäre Musik ist der Rai, eine Art maghrebinischesr Rap. Der europäische Einfluss ist unüberhörbar, aber durch orientalische Elemente angereichert. Vor allem die arabischen Texte drücken das Lebensgefühl vieler marokkanischer Jugendlichen aus.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Eine Reise durch das Land der Gegensätze: Marocco 2012 (7)
Sehr wenig geschlafen. Morgens erhöhte Euphylong-Dosis wegen meiner Atemnot. Damit geht’s einigermaßen. Wir fahren in die Thodra-Schlucht. Landschaft zwischen Boumalne und Tinerir ist ganz anders: sehr weit und fast platt, ich vermute Schwemmland aus den Bergen von den beiden Flüssen abgetragen und hier abgelagert. Einmal nehmen wir einen Alten in Djelabba und Käppi mit, will wohl zum Markt.

Die Palmeraie hinter Tinerir ist für mich überraschend grün, na ja wie alles diesmal. Vor einem Haus hocken zehn bis zwölf Frauen um eine Schüssel und löffeln Couscous. Wir fahren durch bis zu den Hotels, stellen das Auto ab. Wenige Händler. Einer verspricht, aufs Auto aufzupassen, ich rechne damit, dass er hinterher Bakschisch haben will – ist aber nicht!
Wir gehen weiter durch die Schlucht und den Berg hoch. Wetter ist wunderbar: knallblauer Himmel, kaum Wind, aber immer noch kühl, wo die Sonne nicht hinkommt. Hinter der Schlucht wird’s kahl, nur im Flussbett einzelne Palmen und Sträucher. Die Straße schlängelt sich scheinbar unabsehbar hoch ins Gebirge.



Nach etwa einer Stunde kehren wir um, trinken noch etwas im Café, beobachten die Pauschal-Reisebusse bzw. ihre Insassen, die Leute im Café und am Stand gegenüber. Einer spricht uns an: woher? Erklärt, dass der Ruf des Muezzin aus dem Radio kommt, aber live!

Sehr viele Bockfahrer unterwegs aus verschiedenen Ländern, fahren überwiegend große BMW-GS.
Als wir losfahren, fragt uns der aus dem Café, ob er mitfahren darf. Ja, lachend, wenn er nichts verkaufen will. Gerhild gibt’s ernsthaft weiter, tut ihr hinterher Leid. Er fährt mit bis ins nächste Dorf, bedankt sich freundlich. Naja!

Auf der Rückfahrt fällt mir am Auto ein ziemlich laut dröhnendes Geräusch auf, wie ein defektes Lager. An Reifen und Lenkung kann ich nichts feststellen. Wenn das man gut geht!

Wir essen zusammen ein Omelette Berbère, ein Berber-Omelette, dann etwas lesen und schreiben. Gerhild führt mich in die geordnete Wildnis im Flussbett. Wir balancieren auf den kleinen Wällen zwischen den Feldern – oder besser Beeten? -, mit denen die Bewässerung reguliert wird. Getreide, Wildrosen, Schilf, Mandel- und Feigenbäume, alles über- und untereinander. Fieges Nutzvorgarten in Kiel scheint das Vorbild gegeben zu haben. Dazwischen sind Frauen emsig und schneiden Viehfutter oder Schilfrohr. Die Balanciererei in gebückter Haltung strengt mich sehr an, und ich schlage vor umzukehren.

Im Souterrain des Hotels probt der Frauengesangverein (Gerhild vermutet etwas Religiöses): eine Vorsängerin stimmt an, und der Chor verfällt in einen ziemlich eintönigen Singsang. Später kommen sie heraus, entdecken uns auf der Terrasse: „Bon jour, ça va? Quel est votre nom?“ Gekicher! Alte und Junge zerstreuen sich mit ihren Mappen unterm Arm in unterschiedliche Richtungen. Wir lesen eine Runde bis zum Abendessen.

Vorm Haus ein Kleiner: „Bonbon? Dirham? – Non.“ Später kommt er mit zwei Halbwüchsigen zurück, die € in Diham umtauschen wollen. Ich willige ein, und sie sind sogar sofort mit meinem Wechselkurs einverstanden. Eben kommen zwei Knirpse: „Stylo? – Non.“ Gelegentlich, wenn Kinder um Bonbon bitten, opfert Gerhild eins ihrer saugesunden Kaugummis.

Mir fällt noch mal der Junge von gestern ein, den wir mitgenommen haben, obwohl er nur Geld wollte. Als wir den geforderten siebenten DH nicht hatten, grenzenlose Enttäuschung im Gesicht, dabei hatte er sechs Dirham bekommen. Wie kommt das nur?

Auch der Mitschnacker in Mulai Brahim hatte am Ende diese enttäuschte Miene, statt zu sagen: „OK, ist nicht die Taube, aber immerhin der Spatz.“ Der Grund liegt womöglich in einer tief sitzenden Resignation, die aus der Armut und der ausweglosen Lage ohne Hoffnung resultiert, eine jahrhundertelange Erfahrung. Camus beschreibt das ähnlich in „Der erste Mensch“. Die Enttäuschung kommt wohl aus der Verzweiflung. Das ist auch das, was ich Gregor zu vermitteln versuchte, als er damals in Marrakesch den bettelnden armen Irren verhöhnte. Wir verwöhnten, reichen Europäer – und in den Augen der Afrikaner sind wir alle reich – können diese Verzweiflung wohl gar nicht nachvollziehen. Aber etwas Empathie sollten wir aufbringen können.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Donnerstag, 27. Februar 2020
Eine Reise durch das Land der Gegensätze: Marocco 2012 (6)
Es hat die ganze Nacht gestürmt. Wir fahren Richtung Ouarzazate, sehen die dortigen, weltberühmten Filmstudios, biegen ab zur Kasbah Tiffoultoute. Gegen 20 Dirham Eintritt betreten wir den sorgfältig renovierten Bau. Schönes Atrium und Salons, traditionell eingerichtet mit flachen Tischen, Sitzkissen, Teppichen. Dort serviert uns ein freundlicher Alter Pfefferminztee und süßes Gebäck. Vorher erklimmen wir die Dachterrasse, wo uns der Sturm fast umweht. Der Storch auf dem höchsten Turm steht fast unbewegt, aber die Asiaten einer Reisegruppe halten sich krampfhaft die Mützen fest. Der weite schöne Rundblick entschädigt uns.



Weiterfahrt. In Ouarzazate – riesige Kasernenanlagen – finden wir mangels Ausschilderung erst nach mehrfachem Fragen den richtigen Ausschlupf nach Skoura. Dann: rechts der Stausee und der Oued Drâa, links weiter weg der Atlas, teils in Wolken, teils noch mit Schnee. Nach Skoura geht’s langsam voran: eine Kette kleiner Orte mit viel Gewimmel – zumeist Mini-Läden und Werkstätten, dann Andenkenläden, schließlich Rosenwasser.
Unterwegs ein kleiner Junge hält uns an. Wir nehmen ihn ein Stück mit, bis er aussteigen will. Da bittet er uns um Geld, wollte wohl eigentlich gar nicht mitfahren, sondern nur betteln.
In Boumalne de Dadès links ab zur Schlucht. Wir fahren an allen Kasbahs vorbei und finden schließlich die Auberge des doigts de singe und den Wirt Jussef, der uns von Alice empfohlen worden war. Doigts de singe heißt Affenfinger; die Felsen am gegenüberliegenden Hang sollen an Affen-Finger bzw. -Pfoten erinnern. Gerhild erklärt, wer wir sind: große Freude! Wir ruhen uns aus, essen eine total sättigende „Kleinigkeit“ an Salat, Omelette Berbère und Obst.
Nachher fahren wir durch die ganze Schlucht, weiter als vor zwei Jahren. Im Tal ist es total grün: ordentlich angelegte Getreide- und Gemüsefelder, Obstplantagen in sattem Grün. Im heftigen Kontrast die kahleren Bundsandsteinabhänge und weiter oben grauen Felsen. Ganz oben herrlicher Blick. Gerhild kauft von einem Jungen einen Ammoniten für 1 Dirham. Die Straße ist noch nicht zu Ende, wir kehren aber um, weil es zu spät wird. Unterwegs wieder zwei Jungen mitgenommen, sehr höflich. Gerhild macht noch einen Spaziergang im Flusstal, ich ruhe mich wegen Luftproblemen aus. Jussef bekocht uns abends. Wir essen drinnen, weil der Wind nicht nur stark, sondern kalt ist.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 26. Februar 2020
Marokko ist eine konstitutionelle Monarchie.
Seit 1999 herrscht König Mohammed VI. Die Stellung des Königs ist zentral. Premierminister und der Ministerrat, das Kabinett, werden vom Parlament gewählt, müssen aber vom König bestätigt werden, was kein nur formaler Akt ist. Der König hat im Ministerrat den Vorsitz und kann einzelne Minister entlassen oder das Kabinett auflösen. Er ist zugleich oberster Religionshüter. Der Islam ist Staatsreligion, der nominell 98% der Bevölkerung angehören. Es gibt drei Tabu-Themen in Marokko: Erstens die unangefochtene und unanfechtbare Stellung des Königs, zweitens die Religion und drittens der Anspruch Marokkos auf die Westsahara. Diese ehemalige spanische Kolonie wurde 1975 handstreichartig auf Befehl von Hassan II. von marokkanischen Truppen besetzt. Der König kam damit einem von der UNO geforderten Referendum zuvor. Heute wird das Gebiet als Teil Marokkos beansprucht.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Eine Reise durch das Land der Gegensätze: Marocco 2012 (5)
An die Muezzine um ½ 6 Uhr habe ich mich jetzt so gewöhnt, dass ich wieder einschlafen kann. Frühstück im Hof statt auf der Terrasse, „à l’ombrage“ – im Schatten -, wie der Wirt sagt, aber die Sonne scheint gar nicht, sondern es ist wieder dunstig. Gerhild vergleicht die Nebelschwaden in den Bergen mit Las Palmas. Wir packen und brechen auf. Der Wirt verabschiedet uns wortreich und freundlich. Bei Tahanaout biegen wir nicht rechtzeitig ab, weil Straßennummern auf der Karte nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Wir fahren zu weit und müssen wieder umkehren.

Der Boden scheint sehr fruchtbar zu sein – roter Lehm und wo Wasser ist, grünt und blüht es. Viele Getreidefelder, die Halme sind nur kniehoch. Aber so habe ich Marokko noch nicht erlebt.
Einmal steht ein Esel mitten auf der Fahrbahn. Ich halte, fürchte, ihn in den Gegenverkehr zu treiben, wenn ich ausweiche. Er schaut uns starr an. Endlich bewegt er sich zum linken Fahrbahnrand, da sehen wir, dass er auf beiden Hinterbeinen lahmt, sie quasi nachzieht, daher fast unbeweglich ist. Sein sehr ungepflegtes Fell, seine Magerkeit sprechen dafür, dass er ausgesetzt ist. Ich denke an den Bremer Esel.
Die Behandlung der Tiere ist schlimm. Gestern auf dem Weg zur Kasbah Tougbalt schleppte eine Frau ein Riesenbündel Grünzeug den Berg hoch, hatte zwei kleine Kinder dabei und trieb eine völlig verängstigte Kuh – verängstigt auch, weil ich sie überholen wollte – mit Sichelhieben vor sich her. Wer ist schlechter dran: die Kuh, die Frau oder die Kinder?

Wir fahren zum Tizi `n Tichka, dem Tichka-Pass, hoch, machen zweimal Halt: tolle Ausblicke auf die Berge und in die satt grünen Täler. Am Straßenrand überall Händler mit Ketten und Mineralien. Wer kauft das Zeug je? Einmal nehmen wir wieder einen kleinen Schuljungen mit. An anderer Stelle steht ein Auto mit offener Motorhaube, der Fahrer gestikuliert. Nee, den Trick kenne ich. Ein einheimisches Auto hält auch nicht. „Und wenn’s wirklich ein Problem gibt?“ fragt Gerhild. Dann sollen andere sich kümmern. You don’t get me twice! Auf der Südseite des Passes ändert sich das Wetter, kein Dunst, keine Wolken. Alles sehr viel trockener.



Einer von den uniformierten Wichtigtuern hält uns an, fragt nach meiner Nationalität. „Allemagne. – Haben Sie dort eine ökonomische Krise? – Ich: Ein bisschen. – Er: Angelika (sic!) Merkel hat gut gearbeitet? – Ich: Sie nicht, aber die anderen.“ Dann winkt er uns durch.

Auf den Straßen immer wieder streunende Hunde, einzeln oder zu zweit trotten sie von einem Ort zum anderen. Bei einer Rast laufen zwei an uns vorbei. Später kommt der größere allein zurück. Wir wundern uns. Bei der Weiterfahrt sehe ich auf der Fahrbahn eine platt gefahrene Kreatur. Ist das der andere? Ist allerdings schon ziemlich trocken.

Wir biegen ab zur Kasbah Aït Ben Haddou, also der Burg der Sippe von Ben Haddou, lassen das Auto stehen, queren den Oued oder Wadi, also Trockenfluss. Die Kasbah beherrscht imposant das Tal, sehr hoch, sehr groß, eine richtige kleine Stadt. Wirklich gut restauriert (Weltkulturerbe), mit einigen Macken. Wir streunen durch`s Gemäuer, klettern bis nach oben, wo uns der Sturm fast wegpustet. Ein „Berber“ erklärt uns seine einseitige Geige („Ar Rife“ genannt), lässt sich fotografieren, bekommt sein Bakschisch, ein Geldgeschenk, quasi seine Gage. Später bitter er uns, seine Euros in Dirham umzutauschen.



Im Ort suchen und finden wir ein passables Hotel. Ausruhen, planen für morgen, Wasser und Zahnpasta kaufen. Dann Abendessen: Menü mit Riesenportionen. Gerhild bekommt ihr Couscous, ein Hirsegericht mit verschiedenem Gemüse mit oder ohne Fleisch bzw. Fisch und gewürzter Soße. Ich kriege meine Tagine Kebab nur gerade auf, in diesem Fall Fleischklößchen in einer sehr leckeren Soße, dazu Salat bzw. Suppe vorweg, danach Obst; würde woanders für `ne ganze Familie reichen. In arabischen Ländern gilt es als Gastfreundschaft, so reichlich anzubieten, dass eigentlich immer etwas übrig bleibt.

Kurzer Gang die Straße hoch: ein richtig kalter Sturm mit Wolken von Sand verdirbt das Vergnügen. Zurück im Hotel stelle ich fest: habe den Kopf voller feinem Staub. Bald zu Bett.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 25. Februar 2020
Faschmeldung: "Fremdenhass"
Der Weser-Kurier vom 22.02.20 titelt „Mahnwachen gegen Fremdenhass“

Zehn Personen wurden in Hanau erschossen, von einem Täter mit rechtsextremen Motiven. Festzuhalten ist, dass alle zehn Deutsche waren. Es ist völlig unangemessen, in diesem Fall von Fremdenhass zu reden. Das Motiv ist Menschenhass!

Selbst wenn die Personen, die die Mahnwache organisierten, von Fremdenhass als Motiv ausgegangen sind, hätte der Begriff wenigstens in Anführungsstrichen gesetzt werden müssen. Wann verstehen Politiker, die Medien und ihre Macher, dass Deutschland seit mehr als einem halben Jahrhundert ein Einwanderungsland ist und dass alle Menschen, die hier leben und die deutsche Staatsbürgerschaft haben, Deutsche und keine Fremden sind? Auch wenn sie keinen deutsch klingenden Namen haben.

... link (1 Kommentar)   ... comment


Eine Reise durch das Land der Gegensätze:Marocco 2012 (4)
Wir haben uns entschlossen eine Nacht zu verlängern und einen Wandertag einzulegen. Nach dem Frühstück – süßes Fettgebäck, Berberbrot und thé à la menthe – fahren wir nach Imlil und weiter Richtung Tamaest-Pass, lassen den Wagen irgendwo stehen und gehen auf der (neuen?) Straße zum Pass hoch. Ich puste wegen meiner chronischen Bronchitis ziemlich, bin’s nicht mehr gewohnt und wir sind auch ziemlich hoch. Unterwegs und oben herrliche Aussicht, zunächst auf den Djebel Toubkal, das ist mit 4.167 m der höchste Berg Marokkos, dann ins Tal. Ein Schäfer mit zwei Bubis treibt seine Herde über den Hang, dann kehren die Bubis um, und Schafe und Schäfer verschwinden.
So grün habe ich Marokko nicht erlebt und so bunt. Alle Bäume in sattem Frühlingsgrün, knallgelber Ginster, kleine Windenart mit blauen Blüten und viele andere Blumen, aber alle klein. Oben machen wir Rast.



Gerhild hat sich über das Straße-Laufen beschwert, also schlage ich vor, den Eselspfad zurück zu nehmen. Leider hat sie die falschen Schuhe an, aber es geht. Viele auffällig farbige Felsen: blau, türkis, rot …. Auf dem Pfad ist man doch dichter dran an Geografie und Biologie. Unterwegs kreuzen wir immer wieder die Straße, schließlich gehen wir den Rest des Weges darauf, um das Auto nicht zu verpassen – und prompt stolpere ich und falle auf die „Schnauze“, ist aber nichts passiert. Zeitgleich poltert ein großer Stein zu Tal, als gäbe es einen ursächlichen Zusammenhang wie bei der Chaos-Theorie.

Wir fahren runter nach Imlil, stellen den Wagen ab und gehen `rauf zur Kasbah. Unterwegs Händler mit Souvenirs, Eseltreiber bieten ihren Dienst an. Oben wirklich schöner Ausblick auf den Toubkal und die anderen Berge, die noch Gletscherzungen lecken lassen. Beim Abstieg begegnen uns drei winzige Zicklein, zwei tollen herum, meckern, eins meckert nur und folgt mir wie ein kleiner Hund. Ich fürchte schon, ich werde es nicht mehr los, schiebe es mehrfach in die entgegen gesetzte Richtung. Endlich bleibt es zurück. Zurück zum Auto.

Uns fehlt noch Mulay Brahim. Kaum steht das Auto, ist auch der erste Mitschnacker zur Stelle. Wir lassen ihn stehen, gehen ins erstbeste Restaurant, er hinterher und nimmt die Bestellung auf. Langsam vermuten wir, es sei der Wirt oder so was. Er setzt sich zu uns, konversiert etwas, bietet einen Stadtbummel an. Wir lassen uns darauf ein. Er zeigt uns die Moschee, erklärt etwas zur Bedeutung, führt uns durch den Basar. Weil er bei uns ist, lassen die Händler uns in Ruhe. Auf den Treppenstufen des Basars hocken Gruppen von Frauen, die die Henna-Zeremonie praktizieren. Mit der rotbraunen, tintenähnlichen Flüssigkeiten dekorieren sich Frauen arabesk Hände und Füße.



Mit einem Mal zieht unser Mitschnacker ein Bündel Ketten, alles Talmi, aus seiner Djelabba, dem weiten, fußlangen Mantel mit Kapuze, und preist sie an. Ich hatte ihm schon vorher erklärt, dass ich nichts kaufe, wiederhole es, er bleibt hartnäckig. Am Auto drücke ich ihm 20 DH mit Dank in die Hand. Ihm ist’s zu wenig, ich zeige ihm mein Kleingeld, er nimmt’s (3 oder 4 DH). Am Schluss sind alle unzufrieden: er, weil er kein besseres Geschäft gemacht hat, wir, weil’s wieder wie immer gelaufen ist, schlechtes Gewissen wegen seiner Armut. Aber ich kann nicht dauernd Sachen kaufen, die niemand haben will.

Zurück zur Villa d’Atlas, unsere Auberge, dies geschrieben. Planung für morgen. Zwischen den Obstbäumen huschen bunt gekleidete Frauen umher, die man mehr hört als sieht. Sie sind wohl mit irgendwelchen Arbeiten beschäftigt, zwitschern wie die Schwalben und schwatzen. Meist quakt ein Kind, gestern stundenlang, und eine Frau versucht es durch lautes Schimpfen zu beruhigen, natürlich vergeblich.
Wetter: angenehme Temperatur, gelegentlich eine leichte Brise, aber sehr dunstig, so dass man den Tougbal meist nur ahnen kann, wenn überhaupt. Camus „Der erster Mensch“ zu Ende gelesen.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Freitag, 14. Februar 2020
Sprache
Die heute noch in einigen Gegenden Marokkos gesprochene Berbersprache ist die Sprache der Ureinwohner. Sie hat Ähnlichkeit mit dem im Altertum in Nordafrika gesprochenen Numidisch.
Die Berber gelten als die Ureinwohner Nordafrikas. Im Altertum wurde Berberisch von den Kanaren über Nordafrika bis nach Mauretanien und Libyen gesprochen. Diese Sprache wird heute außer von den Rifkabylen in Marokko von den Kabylen Algeriens, den Bewohnern der Insel Djerba und den Tuareg gesprochen.
Seit dem 7. Jahrhundert stießen die Araber bis zum Atlantik auf der Höhe von Agadir vor. Um 700 n.u.Z. wurde Marokko dem Umayyaden-Kalifat einverleibt. Damit wurde Marokko zum Brückenkopf für die Eroberung Spaniens. Im Gefolge der militärischen Eroberung wurde der Islam auch unter den Berbern verbreitet.
Mit dem Islam kam auch die arabische Sprache ins Land, die Sprache des Kor-An. Arabisch wurde von den gebildeten und herrschenden Oberschichten gesprochen, das Berberische vorwiegend vom einfachen Volk.
Seit ca. 1830 führten die französischen Kolonialisten ihre Sprache ein. Heute ist Arabisch die Amtssprache und wird in den Schulen gelehrt. Daneben sprechen viele, vor allem Gebildetere und Menschen, die mit Handel und Tourismus zu tun haben, französisch. Es ist die heimliche „zweite Amtssprache“.
Das in Marokko gesprochene „magrebinische Arabisch“ weicht vom Hocharabisch des Kor-An stark ab, das vor allem im Nahen Osten gesprochen wird. So kann es passieren, wie wir es 1965 in Fes erlebten, dass ein Libanese zwar einen Marokkaner ansprechen konnte, seine Antwort aber nicht verstand.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Cumex und Bonpflicht
Passend zum Bürgerschaftswahlkampf in Hamburg und der Einführung der Bonpflicht auch für den kleinsten Kiosk platzt in Hamburg eine Bombe. Die hamburgische Finanzbehörde ist seit Jahren in einen Cumex-Skandal verwickelt: Offensichtlich mit Wissen von Ex-Bürgermeister Olaf Scholz und Ex-Finanzsenator und Bürgermeister Peter Tschentscher wurden der größten Privatbank in Deutschland Steuern „erstattet“, die diese nie gezahlt hatte.

Bereits 2009 wurden 46,7 Mio. an die Bank überwiesen. Eine Tatsache, die die Staatsanwaltschaft der Finanzbehörde seinerzeit mitteilte. Passiert ist nichts. Dafür gab es Gespräche zwischen der Bank, Scholz und Tschentscher, um „das Problem zu lösen“. Auch der Hamburger SPD-Bundestagsabgeornete Kahrs hat mitgemischt. Die gewohnte Praxis wurde munter fortgesetzt. Nur durch das Eingreifen des Bundesfinanzministeriums wurde der Verzicht auf Rückzahlung von 140 Mio. € an die Bank verhindert. Darüber gibt das Tagebuch des ehemaligen Sprechers der Bank, Olearius, Auskunft, das jetzt beschlagnahmt wurde.

Die alte These, dass die jüngst eingeführte Bonpflicht den Finanzämtern wirklich nur Peanuts bringt, die im Vergleich zu den illegalen Praktiken großer Finanzinstitute nichts, aber wirklich gar nichts nützt.

Man sieht: Politiker und Wirtschaftsbosse tun alles, um die Politikverdrossenheit der Bürger kräftig zu befördern. Und 40% der BürgerInnen und 60% der CDU-AnhängerInnen votiert für einen Repräsentanten der Finanzwirtschaft, Friedrich Merz, als Kanzlerkandidaten. Mundus vult decipi (die Welt will betrogen sein)!

... link (0 Kommentare)   ... comment


Donnerstag, 13. Februar 2020
CDU: Das Rennen ist eröffnet
Merz ist schon mal gestartet (und das im Februar!), ohne dass es einen Schuss gegeben hat. Wahrscheinlich denkt er, der Frühstart garantiere, auch als Sieger ans Ziel zu kommen. Vielleicht konnte er die Füße nicht mehr stillhalten. Oder ist er nur zu früh gekommen? Soll ja bei Anfängern gelegentlich vorkommen.

Konkurrent Spahn läuft sich derweil noch warm und blinzelt verwundert hinter dem Frühstarter her. Soll ich auch oder noch mal abwarten? Eile mit Weile!

Der dritte Läufer, Laschet, sitzt gemütlich in der Kabine und genießt noch einen Weißwein: Die Entdeckung der Langsamkeit!

AKK guckt verwundert, sie hatte doch den Startschuss noch gar nicht abgedrückt; sie lädt noch die Pistole.

Publikum noch stundenlang wartete auf …. ja was oder wen?

... link (0 Kommentare)   ... comment


Eine Reise durch das Land der Gegensätze:Marocco 2012 (3)
Wir brechen relativ zeitig auf, tanken, holen Geld und fahren Richtung Tizi’n Test, den Tizi-Pass. Die Fahrt ist wieder atemberaubend. Vor allem sind alle Bäume grün, Büsche und Kakteen haben bunte Blüten. Im Frühjahr und in größerer Höhe ist Marokko am schönsten. Nach oben wird es zunehmend kühler und angenehmer. Die Straße ist in keinem guten Zustand, und die einheimischen Fahrer sind meistens sehr rücksichtslos, denken nicht daran auszuweichen.

Wir kehren wieder beim selben „Café“ wie vor zwei Jahren ein. Der sehr freundliche Wirt bringt uns Tee, fotografiert uns, nachdem ich ihn im Gespräch mit Gerhild fotografiert habe. Ich mache auch ein paar Aufnahmen von Blumen, Töpfen usw. Ich erzähle ihm, dass ich schon mal vor drei Jahren bei ihm war, worauf er mich noch einmal mit Handschlag und erfreut begrüßt. Ich soll wiederkommen. Inschallah (so Gott will)!.



Weiter. Unterwegs halten wir immer wieder an, gucken, fotografieren. Das Restaurant am Pass hat sich vergrößert, ist schicker und hat dadurch an Charme verloren. Gerhild möchte auch keine Berber-Omelette, also fahren wir weiter.

An der Tin Mal Moschee waschen Frauen im Fluss und breiten die Wäsche zum Trocknen auf Boden und Büsche. An der Moschee ist gerade eine amerikanische Reisegruppe angekommen, also können wir auch `rein. Ein Junge am Eingang erklärt uns, dass es 20 Dirham (= 2 €) Eintritt kostet. Ist das vielleicht der Sohn des Mannes, der uns damals führte, den wir vorher im Auto mitgenommen hatten? Das Alter könnte stimmen. Diesmal macht die Besichtigung mehr Spaß ohne den Führer, der mir damals noch die Fotopositionen vorschrieb und ziemlich hetzte. Die Ami-Gruppe wird mit ausführlichen architektonischen Details traktiert.

Auf dem Rückweg zur Straße habe ich noch von oben die gewaschene Wäsche fotografiert und Kakteen. Mit Feuerholz und Viehfutter bepackte Frauen mühen sich den Berg `rauf. Und wir gurken hier zu unserem Vergnügen `rum. Nur: wenn wir’s nicht täten, hätten sie auch nichts davon.



Ach so: gestern hätte ich beinahe eine Ziege erwischt. Nur eine harte Notbremsung mit qualmenden Reifen rettete ihr Leben und Gesundheit. Heute war’s ein Hund.

Bergab nach Asni. Die bewaldeten Hänge sind grün. Der Stausee ist voll von türkisgrünem Wasser. In Asni finde ich den Einschlupf zu unserer Auberge zunächst nicht. Wir fahren bis zum Ortsende und darüber hinaus, kehren um, machen kurz Halt am Fluss. Ein Esel wird von zwei weißen Kuhreihern umsorgt. Männer im Flussbett buddeln Schwemmsand aus, als Düngemittel oder Baustoff.

Wir fahren zurück zum oberen Ortsende, finden die Straße und die Auberge. Der freundliche Wirt empfängt uns, Zimmer verfügbar, ebenso das Abendessen. Er zeigt uns stolz seinen Riesen–Obstgarten, eher eine Plantage und zählt alle Sorten auf. Wir duschen, relaxen, lesen, machen einen kurzen Gang durchs Dorf. Dann Abendessen: Tajine mit Huhn, diverse pürierte Gemüsesorten, köstlich gewürzt. Zum Nachtisch Wassermelone: aha, so können die schmecken. Katzen werden mit Hühnerknochen gefüttert. Dann noch auf der Terrasse gesessen. Moscheen mit obligaten Muezzins gibt’s ringsum ebenfalls, und der Hausherr kniet im Hof und betet.

... link (0 Kommentare)   ... comment