Sonntag, 14. März 2021
Fukuschima, der Wahnsinn geht weiter
Am 28. März 1979, also vor fast exakt 42 Jahren, ereignete sich im Atomkraftwerk Harrisburg/USA ein schwerer Unfall, der fast zum Super-Gau geworden wäre. Bis heute leiden ehemalige Kraftwerks-ArbeiterInnen und Teile der Bevölkerung gesundheitlich unter den Strahlenschäden. Die erste Reaktion von Atomkraftgegner, die seit Mitte der 70er Jahre genau vor DEM Gau bzw. dem Super-Gau gewarnt hatten, war Entsetzen: Nun hat sich bestätigt, was wir befürchtet haben und was die AKW-Betreiber als unmöglich eingeschätzt hatten.

Am 26. April 1986, also fast genau vor 35 Jahren explodierte das Atomkraftwerk von Tschernobyl und der Super-Gau war eingetreten. Es war das, was Atomkraftgegner erwartet und was die AKW-Betreiber für unmöglich gehalten hatten. "Die nukleare Explosion eines Kernkraftwerkes ist prinzipiell unmöglich." Und der Super-Gau könne statistisch nur einmal in 10.000 Jahren passieren. Das schrieben norddeutsche Elektrizitäts-Unternehmen in einer Propaganda-Broschüre. Und es war doch möglich! AKW-GegnerInnen waren nur noch wenig erstaunt. Sie hatten damit gerechnet, dass es irgendwann passieren würde. Sie wunderten sich nur, wie schnell 10.000 Jahre vorbei sind.

Derweil wurde weltweit, und allen voran von Deutschland und Frankreich, massenhaft Atomstrom produziert. In Deutschland (inkl. DDR) waren es maximal 19 Anlagen mit teilweise mehreren Blöcken, vier allein in Bayern, jeweils mit mehreren Blöcken.

Am 11.03.2011, als vor exakt 10 Jahren, trat wieder eine Katastrophe ein. Ein Seebeben mit einem gewaltigen Tsunami zerstörte die Elektrik im AKW von Fukuschima. Was "prinzipiell unmöglich" sein soll und nur alle 10.000 passieren kann, passierte: in vier der sechs Blöcke ereignete sich der Gau. Zwei Blöcke blieben heil, weil sie schon vorher abgeschaltet waren. Die Atom-Gegner waren wieder entsetzt, aber nun nicht mehr überrascht. Überrascht waren nur die Betreiber und die Befürworter der Atomenergie.

Jetzt war es sogar der Bundesregierung zu viel: Angela Merkel, die Bundeskanzlerin, ließ sofort sieben AKWs stilllegen und kündigte für Ende 2022 das Aus für die restlichen an. Nur leider geht der Wahnsinn rund um Deutschland weiter: In Frankreich, in der Schweiz, in Österreich, in Tschechien, in Polen, selbst in Japan und darüber hinaus. Braucht es noch weitere Katastrophen, bis der Irrsinn aufhört?

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Grausame Windräder
Anlässlich des 10. Jahrestags der Katastrohe von Fukushima wurde ein Bayer nach seiner Meinung zu Atom- und Windkraftwerken befragt. Er sprach sich energisch für Atomkraftwerke und gegen Windräder aus. Windräder sähen "grausam aus".

Ach ja, und Hochspannungsmasten und Atommeiler sind vielleicht schön? Und grausam? Die Ruinen von Harrisburg und die Ruinen und Opfer von Tschernobyl und die Ruinen und Opfer von Fukuschima? DIE sehen grausam aus!
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Samstag, 13. März 2021
Corona-Tagebuch 91.: Alles an einem Tag
chaire, choire, cheire, nipton

Alles an einem Tag: Die Impfkampagne schleicht nur im Schneckentempo voran. RKI-Chef Wieler warnt dringend vor einer dritten Corona-Welle. Die große Après-Ski-Party von Ischgl, die sich als Hot-Spot der Epidemie erwies und bis ins ferne Island explodierte, feiert einjähriges Jubiläum. Die "freudige Nachricht", dass wir wieder nach Malle fliegen dürfen, ohne anschließende Quarantäne. Da dürfen wir uns wohl auf einen dritten Lock-Down freuen.
Bleibt aufrecht und gesund!

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Montag, 8. März 2021
Die jungen Karrieristen der CDU/CSU
Der Skandal um die beiden CDU- bzw. CSU-Bundestagsabgeordneten - überzogene Provisionen für die Vermittlung von Corona-Masken (s. Beitrag vom 06.03.21) - lenkt den Blick auf ein generelles Phänomen: Offensichtlich sind junge Politiker, die schnell Kariere machen, besonders anfällig für halb- oder illegale Aktivitäten, um ihre Diäten "aufzubessern".

Vor wenigen Monaten fiel Philipp Amthor (CDU) - 28 Jahre - dadurch auf, dass er eifrig bezahlten Nebentätigkeit u.a. als Lobbyist nachging. Nicolas Löbel - 34 Jahre - und Georg Nüßlein - nicht mehr ganz so jung: 51 Jahre - sammelten Hunderttausende durch Lobbyaktivitäten ein. Beide sind Bundestagsabgeordnet von CDU/CSU.

Ganz skurril ist der Fall des Thorsten Thümler, alias Prenzler. 2003 zog er als Abgeordneter (CDU) und gerade mal knapp über dreißig in den Niedersächsischen Landtag ein. Schnell sammelte er fragwürdige Meriten in KLEIN-kriminellen Aktivitäten. Betrug, Urkundenfälschung, unerlaubtes Führen eines akademischen Titels, Freiheitsberaubung, Verdacht der Sachbeschädigung usw. Aus dem Landtag und der CDU flog er schnell `raus. Als Thümler verbrannt flüchtete er sich in eine Ehe mit neuem Namen - Prenzler - und in die AfD, wo er es zum Landesgeschäftsführer in Hamburg brachte. Aber auch dort ist man nicht so recht zufrieden. Ein internes Papier charakterisierte ihn als "cholerisch, extrem reizbar", und er "verlasse dabei die sachliche Kommunikationsebene".

Der Beginn dieser Kariere ist so dumm wie lächerlich. Es begann damit, dass Thümler sich mit gefälschten Dokumenten als Reisejournalist ausgab und teure Hotels buchte, um seiner Freundin zu imponieren. Das war der Einstieg in eine kriminelle Laufbahn, die aller Voraussicht in der AfD noch nicht beendet ist.

Die Landtagswahl 2003 katapultiere neben Thümler auch andere sehr junge Abgeordnete in die Landespolitik, mit teils komischen Konsequenzen. So zeigten sich junge CDU-Abgeordnete - männlich und weiblich - bei einem Medien-Seminar schockiert über Sendungen auf RTL. Sie wussten aber nicht, dass es der CDU-Kanzler Kohl war, der den privaten Fernsehsendern mit ihren fragwürdigen Inhalten die Pfade geebnet hatte. "Das kann doch gar nicht sein!"

Es ist nichts gegen junge, engagierte, vielleicht innovative Politiker einzuwenden. Aber wenn diese Eigenschaften nicht auch durch moralische und politische Prinzipien, Kenntnis der Lage der Gesellschaft aus eigener Anschauung unterfüttert sind, besteht natürlich die Gefahr, dass der plötzlich Ruhm übermütig, ja wagehalsig und kriminell macht.

Ein bisschen Lebenserfahrung gehört eben auch dazu.

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Samstag, 6. März 2021
Corona-Tagebuch 90.: Profiteure der Seuche
chaire, choire, cheire, nipton
Bei der CDU/CSU gehört Korruption zur DNA. Das hat Ulrike Herrmann in der taz am 05.03.21 nachvollziehbar dargestellt. Zuletzt fielen "Bubi" Philipp Amthor (MdB, CDU) und K.-T. zu Guttenberg (CSU) auf. Neueste Belege bieten Georg Nüßlein (MdB, CSU) und Nicolas Löbel (MdB, CDU).

Nüßlein steht im Verdacht, mit 660.000 Euro - unversteuert, versteht sich - bestochen worden zu sein, was er abstreitet; jedenfalls hat er sich von seinem Mandat zurückgezogen. Etwas bescheidener gab sich Nicolas Löbel (MdB, CDU) mit 250.000 Euro zufrieden. Er ist geständig und will ebenfalls zurückziehen. Diese beiden Fälle sind besonders delikat. Löbel und Nüßlein haben die genannten Summen als "Provision" dafür bekommen, dass sie sich erfolgreich für den Ankauf von Corona-Masken bestimmter Hersteller durch das Bundesgesundheitsministerium eingesetzt haben.

Das spottet ja wohl jeglicher Beschreibung: Ganz Deutschland und die Welt leiden unter der Pandemie. Menschen - meist die Ärmsten - litten nicht nur physisch, sondern auch finanziell unter der Seuche, schneidern sich in Ermangelung von Geld und Kaufmöglichkeiten selbst Textil-Masken, und die beiden Ganoven machen einen Reibach. Auf Kosten der Gesellschaft. Denn: Die Provisionen gehen natürlich in den Preis jeder einzelnen Maske ein.

Mal kurz nachgerechnet: Ein Hartz-IV-Empfänger müsste seine Stütze in Höhe von rund 500 Euro pro Monat 110 Jahre lang sparen und keinen Cent davon ausgeben, um auf die Summe von 660.000 Euro zu kommen. Nüslein dagegen kann die Provision seinem monatlichen Abgeordneten-Gehalt von ~ 10.000 Euro und seinen anderen Einkünften hinzufügen. Dass die sich nicht schämen, ist wohl zu viel verlangt bei DER Skrupellosigkeit!

Es ist davon auszugehen, dass diese beiden nicht die einzigen Profiteure der Corona-Krise sind. DIE sind nun mal gerade aufgeflogen. Und noch das: Entdeckt wurden sie von Medien, nicht von staatlichen Stellen.

Übrigens: Es fällt auf, dass beide Politiker eigene Firmen in Form von GmbHs führen. Daraus ist zu schließen: Das waren oder sind nicht die einzigen Neben-Geschäfte der beiden. Es könnte sich lohnen, bei anderen Abgeordneten zu suchen, nach GmbHs und anderen Geschäftsformen, nach Nebentätigkeiten und nach illegalen Aktivitäten. Leider - eigentlich konsequent! - hat die CDU/CSU-Fraktion das neue Gesetz über Lobbyarbeit so weit verwässert, dass Halb- und Illegales optimal zu verschleiern ist.
Bleibt aufrecht und gesund!

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Mittwoch, 3. März 2021
Über Fachlichkeit und politische Zensur - Der Konflikt um die bpb.
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), 1952 gegründet und seitdem dem Bundesministerium des Innern (BMI) unterstellt, war die ersten beiden Jahrzehnte seiner Tätigkeit ein Sprachrohr der CDU-Bundesregierungen und diente vor allem dem Kampf gegen Sozialismus und Kommunismus. Es war Teil der westlichen Propaganda im Ost-West-Konflikt und gegen die DDR.

Das änderte sich in den 70er Jahren, als die Stellungnahmen des bpb zu aktuellen Fragen differenzierter, ausgewogener und fachlich korrekter wurden. Das soll sich nun ändern. Eine Kontroverse über die Definition von "Linksextremismus" wurde entfacht. Dabei geht es nicht etwa um inhaltliche oder fachliche Veröffentlichungen, sondern - man staune - um den "Teaser", als so etwas wie eine Überschrift, im Internet-Auftritt der bpb. Dazu äußern sich berufene wie weniger berufene Stimmen. Zu den weniger Berufenen zählt Hubertus Knabe.

Knabe ist ein Musterbeispiel für das, was man in England "a lonely wolf" - einen einsamen Wolf - nennt. Und er tanzte im Laufe der letzten vierzig Jahre auf diversen politischen Hochzeiten. Angefangen hat er bei den Bremer Grünen, später liebäugelte er mit der AfD und populistischen Positionen. Eine Station war die Konrad-Adenauer-Stiftung. Die rechts-konservative "Neue Züricher Zeitung" zählt ihn zu ihren Autoren, daneben schreibt in rechten Portalen wie "Tichys Einblick" und "Die Achse des Guten".

Seine Berufskarriere ist gekennzeichnet von Skandalen: Ob beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen oder bei der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Knabe provozierte Skandale und seine jeweilige Entlassung. Gegen die Gedenkstätte führte er einen langen Arbeitsgerichts-Prozess. Er klagte auf Wiedereinstellung und beklagte sich über politische Zensur.

Und nun kommt der Clou: In der Kontroverse um die bpb nimmt er auf Twitter Stellung und ruft nach der "Aufsicht des Geldgebers", also des BMI. Die ganze Kontroverse wird um eine DEFINITION, nicht um einen INHALT geführt. Derjenige, der am lautesten über politische Zensur durch Entlassung und Mittelentzug lamentiert, fordert jetzt genau das für eine Einrichtung, die ihm nicht passt!

Wie gesagt: a lonely wolf, der in alle Richtungen beißt und Wild dort reißt, wo er Nahrung wittert.

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Sonntag, 28. Februar 2021
Corona-Tagebuch 89.: Perspektive auf schwankendem Grund?
chaire, choire, cheire, nipton
Am Sonntagmorgen biete der Deutschlandfunk GastautorInnen Sendezeit für Kommentare. Heute war eine FAZ-Redakteurin eingeladen. Zum Thema - na was wohl? - Corona und die Wirtschaft. Ihre zentrale These: der Lockdown muss für "die Wirtschaft" gelockert werden, damit die Menschen wieder einkaufen und "die Wirtschaft" wieder Geschäfte machen kann. Immerhin konzedierte sie, dass Soloselbständige und KleinunternehmerInnen ja gut versorgt seien: Sie können Hartz IV beantragen, um ihr Leben zu fristen. Aber die Großunternehmen stünden vor dem Bankrott. Da kommen einem die Tränen.

Schreibt eine, die geschätzt 10.000 Euro - Gehalt monatlich frei Haus geliefert bekommt. Die "satten" Einkünfte von ALG-BezieherInnen - 432 Euro für Alleinstehende - gibt sie wohl an einem Abend mit Gästen aus - mindestens.

Was die Dame fordert: eine Perspektive für "die Wirtschaft". D.h. der Staat soll vorgeben, wann es für "die Wirtschaft" wieder rund laufen kann. Als Vorbild werden Frankreich und Israel hingestellt, wo die Geschäfte wieder offen sind.

O.K. also Frankreich: Die durchschnittliche Inzidenz beträgt aktuell über 200 zusätzliche Fälle pro Woche auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich Deutschland: 63,8. Die französischen Geschäfte sind offen, aber abends und nachts geht nichts mehr.

O.K. also Israel: Es ist einfacher 9. Mio. Einwohner zu impfen als 83 Mio. Und wenn man gleichzeitig die Patientendaten an die Hersteller vertickt, um günstigere Preise für das Serum zu erreichen, spricht das auch nicht für Israel.

O.K. also Perspektiven: Bei aller Kritik - Deutschland hat sich auch schon mal verstolpert in der Pandemie, aber - after all - wurde auf die wechselnden Inzidenz-Werte flexibel reagiert. Die Wechselfälle - unversehens ausgebrochene Massen-Infektionen, neue Mutanten des Virus u.a. - waren, sind und werden nicht voraussehbar sein. Wie die FAZ auf diesem schwankenden Grund eine sichere Perspektive erreichen will, bleibt ihr Geheimnis. Eine feste und folglich unverrückbare Perspektive kann man nur von einem festen Standpunkt aus halten, den es in dieser Pandemie bisher und wohl auch in naher Zukunft nicht gibt. Und da muss "die Wirtschaft" genauso flexibel reagieren, wie es z.T. von jedem/r Bürger/in erwartet wird - auch von den FAZ-RedakteurInnen.
Bleibt aufrecht und gesund!

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Samstag, 27. Februar 2021
Corona-Tagebuch 88.: Impfen? Hoffnung auf Allerheiligen
chaire, choire, cheire, nipton
Die Impferei gegen Corona wird immer undurchsichtiger. Zunächst hieß es, erste Priorität hätten alle über 65 Jahre Alten und chronisch Kranke. Dann wurde klar: dafür gab es im ersten Angang nicht genug Impfseren. Also wurden nur die über 80-Jährigen priorisiert. Die sind nun langsam alle durchgeimpft. Jetzt war die Parole: zweite Priorität haben Pflegekräfte und die über 65-Jährigen. Letztere rutschten wieder in die dritte Kategorie, als beschlossen wurde, LehrerInnen und ErzieheInnen beim Impfen vorzuziehen, weil Schulen und Kitas unbedingt geöffnet werden sollen. Chronisch Kranke tauchen nirgendwo mehr auf. In der nächsten, der vierten Kategorie werden jetzt die über 65-Jährigen genannt. Alle anderen und die chronisch Kranken werden auf den St.-Nimmerleins-Tag vertröstet. Den gibt es im Kirchenkalender aber nicht. Da kann man auf Allerheiligen (1. Nov.) hoffen, denn da muss er ja wohl bei sein.

Zeitgleich wird spekuliert, dass im Sommer wieder Urlaub gemacht werden darf. Darauf hat die Tourismus-Branche gedrungen, hintenrum, versteht sich. Aber wer soll dann reisen dürfen bei dem o.a. Chaos? Natürlich nur die bereits Geimpften. Dafür braucht man einen digitalen Impfpass, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Die dürfen dann vielleicht auch wieder in Gaststätten und Hotels. Alle anderen müssen zu Hause bleiben. Leider bin ich nicht über 80, weder Lehrer noch Erzieher oder Pfleger, nur chronisch krank, aber das spielt keine Rolle mehr.

Der geplante Pass wäre dann extrem ungerecht. Denn die Nicht-Geimpften sind für ihren Status nicht verantwortlich. Was haben sie falsch gemacht? Den falschen Beruf gewählt, zu spät oder zu früh geboren? Chronisch krank zu sein? Es kann spekuliert werden, wann der/die erste Betroffene auf Reisefreiheit (nur z.B.) klagt. Handhabe böte der Verfassungsgrundsatz der Gleichbehandlung. Eine Konstante bleibt immerhin: das Chaos. Wie tröstlich.
Bleibt aufrecht und gesund!

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Kirche: Raus aus dem Verein!
Der Dunkelmann aus Köln schafft, was Agnostiker wünschen. Der Kölner Erzbischof Woelki treibt die Schäfchen massenhaft aus der Kirche: 2020 waren es fast 7.000, allein im Januar 2021 noch mal 1.000, und ein Ende der Austrittswelle ist nicht in Sicht. (vgl. Beitrag vom 29.01.21)

Nun regt sich Widerstand: Geistliche wie Laien fordern den Rücktritt des Kölner Dunkelmanns und die Veröffentlichung des Gutachtens über Missbrauch durch Klerikale. Ja, einige fordern eine Reform der Kirche an "Haupt und Gliedern". Wie rührend! Als hätte es solche Reformbemühungen nicht auch schon vor Jahrhunderten gegeben. Nur mal so: Die evangelische Kirche verdankt ihre Existenz der Reformunfähigkeit der katholischen Kirche.

Die katholische Kirche ist seit Jahrhunderten ein Hort für Päderasten. Neu ist nur, dass die betroffenen Opfer sich jetzt öffentlich äußern und dafür auch Aufmerksamkeit in der Gesellschaft finden. Aber die Hoffnung, dass sich in der Kirche auch nur ein Deut ändert, dürfte vergebens sein. Das Verhalten von Woelki ist nur EIN Beispiel für den strukturellen und institutionellen Missbrauch. Kirchenstrukturen, Hierarchie, Obskurantismus, parallele Gesellschaften, eigene Rechtsprechung und, und, und... sind konstituierend und nicht reformierbar. So ehrenwert der jugendliche Protest der Nachwuchsorganisation "Bund der deutschen katholischen Jugend" ehrenwert und ernsthaft sein mag - ausrichten wird er NICHTS. Leider. Und so bleibt zu hoffen, dass ernsthafte KritikerInnen weiter und massenhaft ihre Konsequenzen ziehen - austreten.

Nebenbei: Dass man/frau aus dem Verein "Kirche" nicht einfach austreten kann wie aus jedem anderen Verein, sondern dass das über die Amtsgerichte geschieht, ist ein weiterer Beweis für die Verquickung von Kirche und Staat und dass Kirche parallelgesellschaftliche Strukturen hat. So lange wirkt das Mittelalter nach!

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Parallelgesellschaften und Pflegeberufe
Ein konservatives Schimpfwort laute: "Parallelgesellschaft". Es wird meist auf die muslimischen Minderheiten oder andere Immigranten angewandt, die damit kritisiert werden, dass sie sich der deutschen "Leitkultur" nicht unterwerfen, sondern eigene Identitäten entwickeln.

Dabei wird gerne übersehen, dass es Parallelgesellschaften unter überwiegend deutsch-stämmigen gibt, die zudem erheblichen Einfluss auf Politik und Gesellschaft haben. Wie das? Das zu erörtern, muss etwas weiter ausgeholt werden.

Im Herbst 2020 handelte die Gewerkschaft verdi einen Tarifvertrag mit 1,4% Lohnsteigerung (das ist nun wirklich nicht viel!) aus. Er sollte vor allem die Pflegeberufe mit 1,2 Mio. Beschäftigten besser stellen. Schnell stellte sich heraus: nicht einmal 1/3 aller Pflegenden profitierten davon, nämlich nur die, die in öffentlichen Pflegeeinrichtungen arbeiten. Die übrigen 2/3 Beschäftigte arbeiten bei der katholischen Caritas, der evangelischen Diakonie oder bei privaten Trägern. (vgl. Beiträge vom 9. und 24.11.2020)

Jetzt wollte Bundesarbeitsminister Heil (SPD) diese steile Schieflage regulieren: Er strebte einen bundeseinheitlichen Tarifvertrag für ALLE Pflegeberufe an. Nur leider hat er die Rechnung ohne die Wirte gemacht. Caritas und Diakonie, die dazu gehört werden müssen (wieso eigentlich?), lehnen den Plan rigoros ab, womit er gescheitet ist. Wie das?

Die christlichen Träger haben sich schon lange aus der Verfassungsnorm ausgeklinkt. Laut Grundgesetz hat jedeR Beschäftigte ein Streikrecht. Nicht so die Christen. Sie planierten sich einen "Dritten Weg", auf dem Gewerkschaften, Streikende und Arbeitsrechtler kein Wegerecht haben. Dort gibt es weder Betriebs- oder Personalräte nach herrschendem Recht, noch Tarifverhandlungen oder gar Streiks. Kurzum: 2/3 aller in der Pflege Beschäftigten leben in einer arbeitsrechtlichen PARALLELGESELLSCHAFT, in der Verfassungs- und Arbeitsrecht nicht gelten. Und im Kielwasser segeln die Privaten, die sich einen Teufel um Tarifrecht scheren.

Die Rechte und Interessen der Pflegerinnen und Pfleger bleiben damit auf der Strecke.

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Sonntag, 21. Februar 2021
Ein Abgrund von Missbrauch
Die neuen Zahlen über Missbrauchsfälle im Erzbistum Köln sind deutlich höher als bisher angenommen. (vgl. Beitrag vom 29.01.21) Das Gutachten des Kölner Strafrechtlers Björn Gercke zählt aktuell laut WDR und SPIEGEL 300 Opfer und "nur" 135 Opfer und 87 Beschuldigte von 1946 bis 2015 genannt.

Es darf vermutet werden, dass die Zahlen im Laufe der Zeit noch höher sein können. Wenn man das auf die anderen Bistümer hochrechnet, dann ergibt das tausende Täter und abertausende Opfer. Die katholische Kirche scheint eine der größten, wenn nicht DIE größte Verbrecherorganisation in Deutschland zu sein.

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Debattenkultur im 21. Jahrhundert
Gegenwärtig wird landauf, landab über unsere Debattenkultur gejammert. Belege bieten die Einträge in den angeblich sozialen Netzwerken zuhauf. Ob Facebook, Twitter, Whatsapp oder was auch immer: kein Schimpfwort ist dreckig, rassistisch, diffamierend genug, es wird auf die Gegner der eigenen Meinung angewendet.

Dabei ist das nicht eigentlich das Schlimmste. Ein Beispiel: Vor einigen Jahren wurden in unserer Straße taghelle LED-Leuchten installiert anstatt der alten Peitschenlampen mit dem angenehm gelben Licht, das vor allem Konturen gut darstellte. Ich schrieb an die führenden Umwelt-Verbände - so wie BUND, NABU etc. - Briefe, in denen ich auf die zunehmende Lichtverschmutzung in unsren Städten hinwies, die vor allem dem Insektensterben unheilvoll Vorschub leistet.

Was glauben Sie, wie die die Hüter der Umwelt reagierten? Dumme Ausreden? Hinweise auf die eigene Unzuständigkeit oder auf Wichtigeres? Weit gefehlt: Es gab KEINE Reaktion, nichts, null, gar nichts. Wenn sie wenigstens geschrieben hätten: "Spiel dich nicht so auf, du saublöder Besserwisser!" Das wäre wenigstens EINE Reaktion gewesen, nicht die erhoffte, aber wenigsten EINE. Aber DAS ist unsere aktuelle Debattenkultur, es gibt nämlich keine. Das ist der Skandal.

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Sonntag, 14. Februar 2021
Corona-Tagebuch 86.: Corona-Warnungen
chaire, choire, cheire, nipton
Leo ist drei Viertel Jahre alt und wird ins Brett gebracht. Mutter wünscht ihm eine gute Nacht und schöne Träume. Darauf Leo: "Ich träume von Pia."

Leo geht seit fast zwölf Monaten nur mit kleinen Unterbrechungen nicht mehr in die Kindertagesstätte, "coronabedingt". Pia ist seine Kita-Freundin.

Zeitgleich warnen Kanzlerin Merkel, Lauterbach (MdB), das Robert-Koch-Institut (mit Einschränkung) und Söder (Ministerpräsident Bayern) vor "vorzeitigen Lockerung" des Lock-Down. Und immer wieder die Gefahr von Ansteckungen. Bei Lauterbach wird gern darauf hingewiesen, alles, was der prophezeite, sei eingetreten.

Wann haben die zuletzt eineN DreijährigeN ins Bett gebracht? Alles, was Psychologen und Pädagogen prophezeit haben, ist eingetreten, siehe Leo.
Bleibt aufrecht und gesund!

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Donnerstag, 11. Februar 2021
Die sog. Datenpannen der Behörden
- Am 19.12.2016 raste ein islamistischer Terrorist mit einem geraubten LKW in den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz. Er tötete elf Menschen und verletzte mindestens 67 weitere schwer.
- Am 29.09.2018 starb ein Syrischer Häftling bei einem Brand in der JVA Kleve. Der Syrer war fälschlich inhaftiert und mit einem malischen Geflüchteten verwechselt worden, der des Diebstahls und nicht bezahlter Geldstrafen verdächtig war.
- Am 02.06.2019 erschoss ein deutscher Rechtsextremist einen hessischen Politiker.
- Am 09.10.2019 erschoss ein deutscher Terrorist in Halle zwei Menschen und verletzte zwei weitere, nachdem er vergeblich versucht hatte, in der jüdischen Synagoge ein Blutbad anzurichten.
- Am 19.02.2020 erschoss ein deutscher rassistischer Terrorist in Hanau neun Menschen mit "Migrationshintergrund" und seine eigene Mutter.
- Am 02.11.2020 erschoss ein islamistischer Terrorist in Wien vier Menschen und verletzte über zwanzig weitere schwer.

Was haben diese "Fälle" miteinander zu tun? Vor allem wurden sie alle durch Daten-Schlampereien der Polizei-, Justiz- und Ermittlungsbehörden verursacht. Die ersten Fünf waren den Polizei- und Verfassungsschutz-Behörden seit langem bekannt. Sie waren aber "aus dem Focus" geraten und wurden nicht weiter beobachtet, mit tödlichen Folgen. Im sechsten Fall war schlichtweg Schlamperei, im Behördensprech, "Daten- oder Übermittlungs-Pannen", die Todesursache.

Wie kann das sein: im 21. Jahrhundert bei kompletter Vernetzung aller Behörden im Internet und anderen digitalen Möglichkeiten? Nur bei den Nazi-Chats und illegalen Chats von Polizisten, Feuerwehrleuten und Soldaten scheint das Netz reibungslos zu funktionieren. Zum Schaden von Bevölkerung, Rechtstaatlichkeit und Demokratie.

Das geradezu manische Sammeln von Daten, die niemand mehr überblickt, führt voraussehbar zu Pannen. Die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen wird nicht einfacher, wenn man den Heuhaufen immer größer macht.

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