Freitag, 14. August 2026
O tempora, o mores! In welch unmoralischen Zeiten wir leben!
Früher genügte für ein Angebot ein dezenter Hinweis wie: „Es soll nicht Ihr Schaden sein.“ Oder: „Wir werden uns erkenntlich zeigen.“

Derart verklausulierte Angebote sind zumindest bei der AfD aus der Mode. Der thüringische AfD-Häuptling Höcke machte ein offenes Angebot an die Partei-Vorsitzende des Bündnis Sarah Wagenknecht: Wenn Ihr mit uns nach der Landtags-Wahl koaliert, kannst du Ministerpräsidentin werden. Schamlose Korruption in aller Öffentlichkeit! Überrascht müssen wir nicht sein: Höcke und der AfD kann man alle Übeltaten zutrauen.

Das Angebot ist natürlich vergiftet, denn Frau Wagenknecht wäre bei der von Höcke geplanten Koalition eine Königin ohne Land. Sie und ihre Partei wären 100%ig abhängig von der AfD, die jedenfalls die Mehrheit im Parlament halten würde. Ohne deren Stimmen gäbe es keine Beschlüsse im Landtag. Andersherum braucht Höcke das BSW, um überhaupt eine Regierung bilden zu können. Offensichtlich ist Höcke seiner Sache nicht so ganz sicher, eine absolute Mehrheit der Wählerstimmen zu bekommen. Also will er nicht ohne doppelten Boden aufs Hochseil.

Dass dieser Akt nicht wie üblich in dunklen Hinterzimmern ausbaldowert wird, sondern auf offener Bühne durchgezogen werden sollte, ist der eigentliche Skandal.

Oder wollte Höcke die Wagenknecht nur öffentlich vorführen? Denn eigentlich hätte er einschätzen können, dass diese ablehnen würde. Jedenfalls wurde über Höcke öffentlich gesprochen. Schon das ist im Wahlkampf immer ein Gewinn.

... comment