Dienstag, 24. Januar 2023
Insekten im Essen?
Die EU erlaubt weitere Insekten-Arten im Essen. Das ist der Aufreger der Woche. Bild-Zeitung, Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger, Rechts-Radikale im Internet schreien Zeter und Mordio.

Dass Insekten und andere Kleintiere hervorragende Protein-Lieferanten sind, ist lange bekannt. Afrikaner nutzen die regelmäßigen Grillen-Plagen, die ihre Ernte vernichten, inzwischen als Lebensmittel-Lieferanten. In der traditionellen Küche auf Kreta werden Grillspeisen mit Ameisen gewürzt. In der Küche der Inígenas im Amazonas-Quellgebiet werden gegrillte Maden als Schaschlik angeboten. Zugegeben: Ich habe nicht davon gegessen: Die Idee war mir doch etwas eklig. Diejenigen meiner Reisegeführten, die die Maden gegessen haben, bestätigten ihren Wohlgeschmack. Als ich davon in Deutschland im Bekanntenkreis erzählte, wurde mir entgegen gehalten: „Aber Krabben isst du doch auch!“ Stimmt, aber das bin ich gewohnt. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis auch ich Insekten und Maden esse.

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FDP steht auf der Bremse, mal wieder
Ganz nebenbei las man vor wenigen Tagen, dass der Agro-Anteil am Sprit von 10% auf 25% erhöht werden soll. Agro-Sprit wird aus Feldfrüchten wie Raps, Soja, Getreide oder Rüben gewonnen, aus den Grundstoffen für Lebensmittel also. Dafür wird z.B. Soja aus Südamerika importiert, für dessen Anbau der Tropenwald gerodet wird.

Nun möchte die Klima-Ministerin Steffi Lemke (Grüne) ein Gesetz verabschieden, das die staatliche Förderung von Agro-Sprit abschaffen soll. Geradezu reflexartig ist der Verkehrsminister Wissing (FDP) dagegen. Er will die staatliche Förderung im Gegenteil ausweiten und plant schon entsprechende Projekte mit 1,9 Milliarden Euro Förderung.

Es sieht wie eine konzertierte Aktion aus: Das umweltschonende Tempolimit auf 120 km/h wird konsequent von der FDP boykottiert, das Verbrennen von Lebensmitteln für die Auto-Mobilität wird prämiert. Wozu ist diese Partei in der Regierungskoalition? Um den ökologischen Umbau – z.B. durch die Verkehrswende und die Landwirtschaftswende - zu verhindern, als Statthalter der CDU/CSU.

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Sonntag, 30. Oktober 2022
Ideologie und Liberalismus
Christian Lindner, BM Finanzen, wildert mal wieder in fremdem Revier. Er weiß nämlich, dass Fracking ganz ungefährlich ist, daher in Deutschland wieder erlaubt werden soll, und das gegen alle "ideologischen Vorbehalte", womit zweifellos die Ökologen, besonders die Grünen gemeint sein müssen.

Nun sind die Vorbehalte gegen Fracking weniger ideologisch als vielmehr wissenschaftlich begründet. Die von Lindner als "ungefährlich" abgetane Gefährdung des Grundwassers ist von Fachleuten bestätigt, ebenso die Bedenken, dass Fracking Verwerfungen, sogar Erdbeben verursachen, dass die verwendeten Chemikalien hoch giftig sind, wie Geologen, Chemiker, Biologen bestätigen. Aber "Fachmann" Lindner weiß es besser und reklamiert den Pragmatismus und die Ideologiefreiheit für sich.

WELCH EINE VERDREHUNG: Nicht die Ökologie, sondern der Wirtschafts-Liberalismus ist die Ideologie und zwar gegenwärtig die weltweit gefährlichste. Unter der Tarnkappe "Freiheit" wird dem Profit, der grenzenlosen privaten Bereicherung, der Plünderung des Planeten durch Europa und Nordamerika zu Lasten des globalen Südens Vorschub geleistet.

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Mittwoch, 19. Oktober 2022
Bayern ist nicht Deutschland
Nein, Herr Dobrindt, Bayern ist nicht Deutschland!

Leider muss die bayrische Landesregierung zu allem ihren Senf dazugeben. Auch in der Frage der Abschaltung der letzten drei AKW drängte Dobrindt sich in der Pressekonferenz hinter Merz an die Rampe und verkündete, das Abschalten der AKWs "gefährdet die Energiesicherheit in Deutschland". Das mag für Bayern gelten, das sich beharrliche weigert, die erneuerbaren Energien - Wind, Sonne - endlich und beschleunigt auszubauen und die Übertragungsleitungen aus Norddeutschland zuzulassen.

Nein, Herr Dobrindt, wir im Norden haben kein Stromproblem, außer dass wir mehr produzieren, als wir verbrauchen. Das Problem seid ihr und habt ihr im Süden.

Und dann: Das AKW Lingen produziert schon jetzt stetig weniger Strom, weil es sich auf eine Abschaltung zum 31.12. vorbereitet hat. Dass es jetzt bis April weiterlaufen soll, bringt fast nichts an Leistung. Dieses "Machtwort" des Kanzlers verdeckt nur notdürftig die Absurdität der Debatte. Es ging nur ums Rechthaben. Rechtlich ist die jetzt verordnete Regelung streng genommen unwirksam, energiepolitisch sinnlos. Ob die AKWs, besonders in Lingen weiterlaufen, ist so wichtig wie wenn am Olsdorfer Friedhof ein Spaten umfällt. Aber Dobrindt und die anderen Platzhirsche hätscheln so ihr armes Ego.

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Samstag, 15. Oktober 2022
Sakrileg: Greta für AKWs?
Die Popikone der Umwelt-Bewegung, Greta Thunberg, ist in der Realität angekommen. Sie, die bisher für einen radikalen Umweltschutz stand, eine weltweite Bewegung, Fryday for Future, ausgelöst hat, hat sich in einer Talk-Show dafür ausgesprochen, AKWs weiter laufen zu lassen, um die Kohlekraftwerke früher abschalten zu können.

Die Grünen stehen Kopf: Greta hat am heiligen Gral der Partei gerüttelt. Frydays for Future hat sich noch nicht geäußert. Nun ist Greta nicht unbedingt eine Fachfrau, aber offenbar ist sie realistischer als bisher vermutet.

Allerdings, ihre Aussage bei Sandra Maischberger wurde in der Boulevard-Presse und sonstigen Öffentlichkeit meist verkürzt wiedergegeben. Sie hat sich nämlich nicht einfach so für den Weiterbetrieb der AKWs ausgesprochen, sondern genau die aktuellen Bedingungen reflektiert. Der Überfall Russlands auf die Ukraine, die Sanktionen der Westmächte und Russlands Reaktionen schaffen eine neue Situation. Wenn die Energie in Form von Gas und Erdöl knapp wird - was ja noch nicht ausgemacht ist - muss vorübergehend auf Kohle und Atom zurückgegriffen werden, wobei, und da hat Greta wirklich Recht, fürs Klima Atomkraft schonender ist als Kohle, mal abgesehen von den Gefahren und Langzeitwirkungen der Kernkraft.

Eigentlich hat Greta nichts anderes gesagt als Robert Habeck. So what?

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Montag, 10. Oktober 2022
Kein Strom für Söder!
Der überwiegende Teil des Stroms kommt in Deutschland aus dem Norden, vor allem der Öko-Strom. So viel, dass die Stromleitungen nach Süden es manchmal nicht packen. Das liegt daran, dass Söder, die CSU und das Land Bayern sich starrköpfig weigern, zusätzliche Leitungen und mehr Windräder ins Land zu lassen.

Allerdings habe man, so Söder, ein AKW in Bayern, das man auch behalten wollen, trotz der nachgewiesenen Schäden, die ein Sicherheitsrisiko darstellen. Zudem müsse man ja Strom, also Atom-Strom, nach Frankreich exportieren.

Da fragt sich der kritische Zeitgenosse: "Hä, die haben doch selber ganz viele AKWs." Stimmt, aber die Hälfte davon liegt still - wegen nachgewiesener Schäden und wegen Sicherheitsrisiken.

Wo, bitte sehr, Herr Ministerpräsident, ist da die Logik? Das beweist mal wieder - entgegen allen Behauptungen - wie miserabel das bayrische Bildungssystem ist.

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Montag, 22. August 2022
Lindner gegen Reiche - nanu?
Bundesfinanzminister Lindner funktioniert zuverlässig. Der Grünen-Vorsitzende Nouripour hat an das Wahlprogramm seiner Partei erinnert, dass das "Dienstwagenprivileg" ökologisch gestaltet werden soll.

Dienstwagen werden von Betrieben (fast) kostenfrei ihren MitarbeiterInnen, auch zur privaten Nutzung gestellt. Diese Autos gehören überwiegend zur Oberklasse mit 200+ PS und entsprechend hohem Schadstoffausstoß. Die private Nutzung, ein geldwerter Vorteil, werde nicht genügend steuerlich berücksichtigt. Dem Staat entgehen dadurch jährlich drei Milliarden Euro. Das wollen die Grünen ändern.

Natürlich ist Porschefahrer Lindner dagegen. Nun fehlen ihm leider die Argumente für seinen Widerstand. Er weicht daher ins Linguistische aus, ein Feld auf dem er eher kein Fachmann ist. Er problematisiert den Begriff "Dienstwagenprivileg", der sei ideologisch aufgeladen, werde mit "Reiche", die Geld vom Staat bekommen, assoziiert. Mit Recht, möchte man sagen, denn was ist es anders als ein Privileg im doppelten Sinn, das eben nur Reichen zukommt: Ein kostenloses Oberklasse-Auto mit allem Drum und Dran wie Tanken, laufende Kosten inklusive Steuerfreiheit, das eben nur die Reichen bekommen.
De Düvel scheet ümmer opn selben Hupen.

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Dienstag, 28. Juni 2022
"Weiter so" in die Katastrophe
"Es kann kein Weiter-So geben!" war die meistzitierte Parole nach der Bundestagswahl im Herbst 2021. Die drei Koalitionäre SPD, Grüne und FDP gaben sich wild entschlossen, die Bundespolitik vom Kopf auf die Füße und ein festes Fundament zu stellen. Der lauteste Schreihals war der Parteiführer der kleinsten Koalitionspartei: FDP-Chef Lindner.

Nun, ein halbes Jahr später, ist eben der der beharrlichste Bremser auf dem Weg in die Zukunft. Alles, was neu aufgestellt werden soll, wird hartnäckig von Lindner und seinen Vasallen blockiert, insbesondere wenn es sich um Umweltschutz handelt.

Der neueste Anschlag ist das Veto zum geplanten Abschied von Verbrennungsmotoren, der von der EU für 2035 angestrebt wird. Die Lesart der Wirtschaftsliberalen lautet: Antriebe mit sog. E-Fuels, das sind synthetischen Kraftstoffen, sollen auch darüber hinaus fahren dürfen. Dies "neue Technologie" sei noch nicht ausgereift, daher sei ihr Verbot "innovationshemmend".

Tatsächlich hat die Expertenrunde "Transport and Environment" (T&E) eine aktuelle Studie vorgelegt, dass E-Fuels kaum CO2-Einsparungen bringen.

Der einzige Vorteil dieser Motoren liegt darin, dass sie sich in Nicht-EU-Länder exportieren lassen. Die FDP, insbesondere Porsche-Fahrer Lindner, machen sich also zu Lobbyisten der Autoindustrie, statt nachhaltig die Umwelt zu schonen. Waren die weltweiten Katastrophen - Hitze, Dürre, Unwetter, Überschwemmungen, auch in Deutschland - nicht ausreichende Lehren? Sehenden Auges werden wir in zukünftige Katastrophen manövriert.

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Dienstag, 21. Juni 2022
Ideologie und AKW
Die CDU-Oberen liefern die Vorlage, Lindner (FDP) ballert aufs Tor und trifft die Latte. Merz und Spahn eröffnen die Debatte über die Laufzeit von AKWs, Lindner fordert eine "offene, unideologische Debatte" darüber.

Die einzige Ideologie, die ich im Zusammenhang mit AKWs kenne, lautet: Atomkraft ist sicher (Fukushima, Harrisburg, Tschernobyl), ist umweltfreundlich (unsichtbare, aber u. U. tödliche Strahlung), wirtschaftlich (die Kosten und Risiken für die Entsorgung werden zukünftigen Generationen überlassen), die Technik ist beherrschbar (und die Endlagerung ungeklärt).

So sieht die unideologische Wirklichkeit aus.

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Merz als Atom-Fachmann
Nach Jens Spahn, Ex-Minister und stellvertretender CDU-Vorsitzender hat sich ein anderer westfälischer Senkrechtstarter zum Thema Energiekrise gemeldet: Friedrich Merz, CDU- und Fraktions-Vorsitzender im Bundestag. Jetzt hat er sich auch als Atom-Fachmann geoutet: Die stillgelegten AKWs seien ganz leicht zu reaktivieren, und Brennstäbe gäbe es im Ausland zu kaufen. Wieso haben die Fachleute ihn nicht schon früher konsultiert?
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Die wiederum und die Betreiber der AKWs sind der Ansicht, dass es sachlich, personell, zeitlich und finanziell SEHR aufwändig ist, die alten Meiler wieder ans Netz zu bringen. Darum geht es Merz aber nicht eigentlich. Nachdem sein Stellvertreter vorgeprescht ist - dessen ausgeprägteste Eigenschaft - muss er nachziehen und darf seinem Vorredner nicht widersprechen. Aber auch er muss in die Medien.

Hat eigentlich jemand schon mal festgestellt, dass die Vorgängerregierungen unter Führung der CDU sechzehn Jahre lang den Energieumbau massiv behindert haben? Wäre das anders gelaufen, wären wir heute weniger oder gar nicht von russischem Gas und Öl abhängig. Vor nicht langer Zeit stoppte die alte Bundesregierung den weiteren Ausbau der Off-Shore-Windparks. Das hatte die Pleite von Energie-Firmen und einen Rückfall in Sachen alternative Energie zur Folge.

Eine andere Fehlentscheidung war der Bau der Ostsee-Pipelines, auch auf dem Konto der alten Regierung. Und die Ampel muss das alles wieder ausbügeln, wobei ihr zum Schaden für Energieversorgungen und Klimaschutz heute die FDP im Wege steht.

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