Sonntag, 20. September 2020
Infotainment
ist das aktuelle Schlagwort für Radio und Fernsehen. Nachrichten nüchtern und professionell vorgetragen – das ist so was von mega-out, von 90er.

Hier eine aktuelle Meldung:
Ey Alter, was liegt an?
Scheiße, Scheiß-Wetter.
Wie, Scheiß-Wetter?
Na eben Scheiß-Wetter!
Und?
Na Regen.
Sonst nichts?
`n bisschen Sturm.
Auch kalt?
Und wie.
Ja, wie? Was wie?
Na, knapp über Null. Echt Scheiß-Wetter.
Nur heute?
Nee, morgen und übermorgen und überhaupt.
Also Scheiß´-Wetter.
Ja, echt Scheiß-Wetter!

Übersetzt für die Generation 50+: Regen, Windstärke 8, 5 Grad, morgen und übermorgen unverändert.

Infotainment scheint nicht nur, sondern IST die Infantilisierung von Dokument und Information.

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Was kommt nach Moria?
Der heimliche Skandal um das Lager auf Moria und den Brand und das neue Lager wird immer unheimliche. Das neue Lager ist für 9.000 Menschen ausgelegt. Im alte waren aber 12.000 Menschen. Was passiert mit den restlichen 3.000? Die griechische Regierung denkt praktisch. Das ist die ungefähre Zahl derjenigen, deren Asylverfahren bereits positiv abgeschlossen ist. Die können dann auf’s Festland.

Die Freude dieser 3.000 über die wieder gewonnene Freiheit dürfte von kurzer Dauer sein. Auf dem Festland wartet die Straße auf sie: Der griechische Staat wird sich nicht mehr um sie kümmern. Sie bekommen weder Wohnraum, noch Unterstützung noch Arbeit. Sie werden sich nach Moria zurücksehnen.

So sieht die Verteidigung der „europäischen Werte“ aus!

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3-Sat-Kabarett-Festival
Das Fernsehprogramm am Samstag verhieß einen unterhaltsamen Abend: 3-Sat-Kabarett-Festival. Den Auftakt gestaltete Max Uthoff, der Informationen vortrug, die man in jeder linken Tageszeitung lange vorher nachlesen konnte. Leider waren sie weder neu noch sensationell. Uthoff hat den Charme und die Beweglichkeit eines Zaunpfahls. Das Ganze nennt sich wohl neudeutsch Infotainment, nur war die Präsentation weder besonders informativ und schon gar nicht unterhaltsam.

Okay, dachte ich nach diesen 45 Minuten, es geht ja noch weiter. Leider enttäuschte auch der nachfolgende Philipp Weber. Ein Sturmgewitter sauste über die Bühne, ohne Dramaturgie, ohne Rhythmus, ohne Pausen, ohne Tempowechsel. Das genaue Gegenteil von Uthoff, nur leider im Ganzen auch nicht besser. Die Ausfälle gegen Homöopathie und Heilpraktiker zeugten von Ignoranz, gingen aber bei großzügiger Interpretation unter Meinungsfreiheit durch. Der platte Witz über Analverkehr war dagegen intolerabel: er reduzierte Homosexualität auf die eine Praktik und bediente damit die Vorurteile der Generation 80+.

Den dritten Act präsentierte ein Till Reiners. Der junge Mann fand sich selbst wohl ziemlich komisch, sein Grinsen verriet es. Das locker im Raum verteilte Publikum – Corona! - reagierte verhalten. Hatte Weber den Applaus noch professionell herausgekitzelt, so ging Reiners selbst diese Fähigkeit ab. Die Inhalte noch banaler als bei Uthoff.

Das waren noch Zeiten:

Ich sehne mich so sehr nach Polt oder Hildebrand oder Schramm: Vollblutschauspieler mit Gespür für Dramaturgie, feinen Humor, Tempo, Rhythmus – alles Fähigkeiten die den drei genannten Mimen leider völlig abgehen. Kann denn niemand da mal Regie führen? – Gegen 22 Uhr schaltete ich den Fernseher aus.

Mein Tag endete mit einem ganz anderen Vergnügen: NDR-Info übertrug ein Konzert des Michael-Wollny-Trios. Schön!

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