Sonntag, 20. Dezember 2020
Verschwiegen und nichts gewusst
Von meinem Schwiegervater wird erzählt, er habe während eines Urlaubs von der Ostfront seiner Frau gegenüber geäußert: „Im Osten geschehen schreckliche Dinge. Ich darf aber nicht darüber reden.“ Gemeint waren natürlich die Vernichtung der Juden und die Massaker an Zivilisten und Partisanen in den eroberten und besetzten Gebieten in Mittel- und Osteuropa.

Dieses Redeverbot scheint zumindest in der Wehrmacht so nachhaltig gewirkt zu haben, dass die nicht beteiligten Soldaten erst nach dem Kriegsende davon erfuhren. Jedenfalls beschreibt es Günter de Bruyn in „Zwischenbilanz“ so. Wobei de Bruyn mir ein ernst zu nehmender Zeitzeuge ist. Erst im Lazarett zusammen mit vielen anderen Soldaten, Waffen-SS-Leuten und anderen Uniformierten, wurde von den Beteiligten damit geprahlt, zum Entsetzen der Unbeteiligten.

Natürlich hatten mehr Leute als die Beteiligten von der Vernichtung der Juden und dem Terror gegen die Zivilbevölkerung gewusst. Aber was man nicht wahr haben WILL, das wird geleugnet und verdrängt. So bekommt der in Nachkriegs-Deutschland verbreitete Satz, „von dem allem nichts gewusst zu haben“, eine Erklärung.

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Mittwoch, 16. Dezember 2020
Verpasste Chance
Es wäre so schön gewesen: Um die Kosten der Corona-Krise für den Mittelstand und ArbeitnehmerInne zu kompensieren, sollte eine Vermögenssteuer eingeführt werden, die den Namen auch verdient. SPD, Linke und Grüne haben sie schon seit Jahren gefordert. Diese Steuer sollte für wirklich Reiche, z.B. Einkommensmillionäre eingeführt werden.

Einkommensmillionäre sind Menschen, die im Jahr mindestens eine Million € Einkünfte haben. Davon gibt es allein in Bremen ca. 150. Dabei werden Vermögen in Form von angelegtem Kapital, Sachwerte wie Häuser, Grundstücke, Autos, Schmuck u. ä. nicht mitgezählt. Eine Million – das sind Peanuts für den Besitzer von Lidl und Kaufland, der über ein Vermögen von über 43 Milliarden verfügt. Das ist mehr als der Haushalt des Landes Hessen (30 Milliarden).

Wem von denen hätte es geschadet, sagen wir mal 1% abzugeben. Das kann doch nicht wehtun, es wären aber immerhin 430 Millionen, mit denen man allerhand Gutes tun kann. Will Angela Merkel aber nicht, schließt es dagegen rigoros aus. Wieder eine verpasste Chance, die Lücke zwischen Arm und Reich zu verringern.

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Corona-Tagebuch 79: Corona-Regeln stiften Verwirrung
chaira, cheure, cheire nipton
Es muss nicht bös gemeint sein, wenn sich drei Personen - mit Masken - in einem Segment einer Drehtür drängeln, obwohl ein Schild bittet, die Drehtür nur einzeln zu betreten. Die ständig wechselnden Ansagen zusätzlich zum üblichen Alltagsstress stiften eben Verwirrung.

Oder auch: Personen stehen grübelnd mitten im engen Gang eines Supermarkts, drehen sich plötzlich um und steuern zielgenau auf eine andere Person zu. Ohne Sicherheitsabstand.

Es sind Verwirrung durch Überforderung und Gedankenlosigkeit, die immer wieder solche Kollisionen verursachen. Da helfen auch Aufrufe zur Achtsamkeit wenig. Das Leben ist einfach schwer, schwerer als in den gewohnten Situationen vor der Pandemie.
Bleibt aufrecht und gesund!

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USA verraten Palästinenser und Sahauris
Noch ist er nicht weg, „Tolle“ Trump, aber richtet weiter Schaden weltweit an. Sein Schwiegersohn Jared Kuschner handelte jetzt mit König Mohammed VI. von Marokko einen Deal zuungunsten der Sahauris aus. Deren Land, die Westsahara, wurde 1975 völkerrechtswidrig von Marokko besetzt und annektiert. Die UNO und deren Mitgliedstaaten erkannten den Status Quo nie an. Jetzt haben die USA dies für sich nachgeholt. Im Tauschhandel musste Marokko dafür Israel inklusive der besetzten Gebiete anerkennen. Damit setzt Trump einen Schlussstein in das Bauwerk arabischer Staaten, die Israel anerkannten.

Auf die letzte Tute verriet er damit zwei marginale Völker - die Palästinenser und die Sahauris – an deren Besatzer. Das dürfte für die Betroffenen ein kaum wieder gutzumachender Schaden sein. (Siehe auch Beitrag vom 02.03.20 „Westsahara“)

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Röwekamp: Er kann’s nicht lassen!
Zu früh gejubelt: Noch vor sieben Monaten erklärte Thomas Röwekamp, bis dahin Fraktionsvorsitzender der CDU in der Bremer Bürgerschaft, er wolle nicht wieder für die Bürgerschaft kandidieren. Ein erleichterter Seufzer ging durch Bremen. (S. Beitrag vom 30.05.20) Jetzt ließ er sich mit großer Mehrheit vom Landesverbandsvorstand seiner Partei zum Spitzenkandidat für die Bundestagswahl aufstellen. Und drängte damit Elisabeth Motschmann, bisherige Bremer CDU-MdB auf den wenig aussichtsreichen zweiten Platz.
Platzhirsch Röwekamp biss schon 2012 Rita Mohr-Lüllmann als Landesvorsitzende weg.

Seine Kandidatur begründete er jetzt damit, dass er im Land Bremen jeden Stein kenne. Dass ihn das nicht gerade für einen Job in Berlin qualifiziert, scheint ihm nicht klar zu sein, und an das harte Pflaster in Berlin wird er sich noch gewöhnen müssen!
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In Bremen hinterlässt er eine breite, unappetitliche Schleimspur von Bosheiten:
- Sozialhilfeempfängern empfahl er „unter Brücken (zu) schlafen“.
- Murat Kurnaz entzog er als Innensenator die unbefristete Aufenthaltsgenehmigung, weil dieser sich mehr als sechs Monate außerhalb Deutschlands befand. Murat saß damals – unschuldig, wie sich heraustellte - in Guantanamo. Von dort kann man sich nicht mal eben abmelden, um in Bremen vorzusprechen.
- „Schwerstkriminelle“ wie ein des Drogenhandels Verdächtigter müssten „nun mal mit körperlichen Nachteilen rechnen“. Der Betroffene wurde bei einer Magenspülung ertränkt!

Positives ist aus seiner Bremer Polit-Karriere wenig bis nichts zu melden. Als Bremer müsste man sich schämen, wenn dieser Karrierist und politische Hasardeur die Hansestadt im Bundestag vertreten würde.

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Mittwoch, 9. Dezember 2020
Polnische Hinterhofpolitik
Am 7. Dezember 2020 jährt sich zum 50. Mal der Kniefall des Antifaschisten, Exilanten und Bundeskanzlers Willy Brandt. Diese Geste Brandts, mit der er den Widerstand der polnischen Juden gegen den Nazi-Terror würdigte, wurde damals vom polnischen Staat und den polnischen Medien geheim gehalten. Das Bild des knienden Willy Brandt ging um die Welt, nur in Polen wurde es unterdrückt. In Deutschland geriet Brandt unter heftigen Beschuss durch Konservative, Rechte und Vertriebenenverbände.

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Am 7. Dezember 2020 läuft seit Monaten ein Verfahren der Europäischen Union gegen Polen wegen Rechtsstaatsverletzungen. Zeitgleich läuft eine Auseinandersetzung zwischen EU und Polen über die Auszahlung von Geldern zur Minderung von Folgen der Pandemie. Die EU will die Gelder nur auszahlen, wenn Polen die Rechtsstaatlichkeit wiederherstellt.

Und am 7. Dezember 2020 fordert der polnische Botschafter in Berlin, Wiedergutmachungsleistungen für deutsches Unrecht im 2. Weltkrieg. Die Bundesrepublik vertritt den Standpunkt, dass alle derartigen Forderungen durch den 4 + 4-Vertrag von 1990 erledigt sind, in dem die Vereinigung von BRD und DDR beschlossen wurde.

Wer jetzt noch an Zufall glaubt, muss wohl durch Blindheit geschlagen sein.

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Montag, 7. Dezember 2020
Die Sprache der bestochenen Pfaffen
„Das Latein ihrer bestochenen Pfaffen / Übersetze ich Wort für Wort in die gewöhnliche Sprache, da / Erweist es sich als Humbug.“ (Bertolt Brecht: Vertrieben aus gutem Grund) Latein war nicht nur die Sprache der Pfaffen, sondern auch der Wissenschaft. Damit wurden die Erkenntnisse der Forscher dem gemeinen Volk vorenthalten. Dann gab es eine Zeit, in der Wissenschaftler allgemeinverständlich sprachen und schrieben. Diese Zeit wurde "Aufklärung" genannt.

Das ist seit einiger Zeit wieder vorbei. Unter zeitgenössischen Intellektuellen ist es „up to date“, bis zur gänzlichen Unverständlichkeit so viele wie möglich englische Phrasen unterzubringen.

Hier eine kleine Blütenlese aus einem Interview: QAnon-Bewegung, Andrenochrome Legende, Image-Board 8kun, qpatriotresearch, kryptisch, follower, suburbian soccer moms, community, talking points, posten.

Und erklärt wird nix. - Alles und noch mehr auf 2 2/2 Spalten.

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Udo Lindenberg: Günter-Zint-Stiftung gegründet
Udo Lindenberg hat eine Stiftung gegründet, die er dem „Kiez-Fotografen von Hamburg-St. Pauli“, Günther Zint, gewidmet hat. Lindenberg hat damit Zints Gründung, das St-Pauli-Museum, vor der Pleite bewahrt. Der wahre Profiteur ist der Hausbesitzer, der die Miete um 1000. € erhöht hat.

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Keine Studio-Uhr beim NDR
Wir, meine Frau und ich, gucken möglichst jeden Abend zwischen 19.30 und 20.00 Uhr die Bremer Regionalsendung „buten un binnen“, um schnell, kurz, zuverlässig über die wichtigsten lokalen Ereignisse informiert zu sein. Dadurch lässt sich die Lektüre der Lokalzeitung am nächsten Morgen verkürzen.

Vor „buten un binnen“ läuft vom NDR die Sendung „DAS!“ Beim Einschalten des Fernsehers geraten wir immer wieder in den Schluss der NDR-Sendung. Mit schöner Regelmäßigkeit werden die ModeratorInnen nicht rechtzeitig fertig und werden abrupt vom Umschalten auf die Landessender unterbrochen.

Wir haben uns ein Spiel ausgedacht: Wir wetten jedes Mal, ob die ModeratorIn fertig oder unterbrochen wird. Ich wette auf unterbrechen, meine Frau auf fertig werden. Regelmäßig gewinne ich die Wette! Wird manchmal schon langweilig. Ich habe überlegt, dem NDR eine Studio-Uhr zu stiften. Doch heute die Sensation: Die Moderatorin wird mit ihrer Ansage des Gastes für den nächsten Tag fertig! So habe ich erstmalig seit geraumer Zeit die Wette verloren!
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Donnerstag, 3. Dezember 2020
Juristisch fragwürdiges Konstrukt: Kollektive Haftung von Demonstranten
In Hamburg stehen gerade 75 Angeklagte vor Gericht, die an den Anti-G-20-Demonstrationen im Juli 2017 teilgenommen haben. Der Demonstrationszug war in einer Straße von zwei unterschiedlichen Polizeieinheiten – darunter die für ihr brutales Vorgehen berüchtigte Blumberg-Einheit – eingekesselt und brachial angegriffen worden. Bei den folgenden Festnahmen wurden elf Demonstranten schwer sowie weitere leichter verletzt. Aus dem Demonstrationszug wurden Gegenstände auf die Polizisten geworfen, es wurde aber keiner verletzt.

Nun sind die 75 wegen „schweren Landfriedensbruchs und versuchter gefährliche Körperverletzung“ angeklagt. Keinem der Angeklagten kann eine persönliche Tat nachgewiesen werden. Die Staatsanwaltschaft macht aber ALLE verantwortlich. Das Konstrukt der Anklage: Alle hätten einen „gemeinsamen Tatplan“ gehabt und seien daher Täter. Diese Konstruktion ist juristisch höchst umstritten, aber man kann es ja mal versuchen.

Dabei fällt mir ein Ereignis im Mai 1980 ein. Gegen eine Rekruten-Vereidigung im Bremer Weser-Stadion wurde von über 10.000 Demonstranten eines breiten politischen Bündnisses protestiert. Einzelne Trupps von Demonstranten attackierten Polizisten und Soldaten und steckten Bundeswehrfahrzeuge in Brand.

Ich war einer der Demonstranten und stand mit einer Gruppe von Freunden vor dem Stadion. Nicht weit von uns stand der damalige Senator für Jugend u.a., Henning Scherf. Plötzlich tauchte hinter uns ganz kurz eine Person auf, schmiss über uns weg einen Stein in Richtung Polizei, bückte sich sofort wieder und verschwand. Wir protestierten lautstark, was die Person nicht irritierte. Wäre das Geschehen irgendwie von der Polizei beobachtet oder dokumentiert worden, wären unsere Gruppe inklusive Henning Scherf nach der aktuellen Logik der Hamburger Staatsanwalt schuldig wegen gemeinschaftlichem Landfriedensbruch, Sachbeschädigung, Brandstiftung und Körperverletzung. Zum Glück wurden seinerzeit nur Straftaten verfolgt, die konkreten Personen und nicht nur einer amorphen Gruppe zugeordnet werden konnten.

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Beamte eines nicht existierenden Staats
Wer noch nicht gecheckt hat, dass „Reichsbürger“ entweder einen an der Mütze haben oder ein echtes Sicherheitsproblem oder beides sind, wird jetzt eines Besseren belehrt: Der Militärische Abschirmdienst (MAD) ist acht Personen auf die Schliche gekommen, die beim Beschaffungsamt der Bundeswehr arbeiten und im Verdacht stehen, „Reichsbürger“ oder so etwas Ähnliches zu sein.

„Reichbürger“ bezweifeln die Existenz der Bundesrepublik Deutschland als Staat. Es gibt sogar einen „König von Deutschland“, der beansprucht, ein imaginäres Reich zu regieren. (Das hat sich Rio Reiser wohl anders vorgestellt!) Wie verrückt ist das denn: Beamter eines Staates, an den man selbst nicht glaubt?! Da muss man wohl davon ausgehen, dass die Betreffenden U-Boote sind und die Bundeswehr ausspionieren wollten.

Der Hauptbeschuldigte hat sich inzwischen durch Suizid entzogen.

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Dienstag, 1. Dezember 2020
Corona-Tagebuch 78.: Unpassender Vergleich
chaira, cheure, cheire nipton
In der Kontroverse um einen Bremer Arzt vergleicht im Weser-Kurier vom 27.11.20 ein Leserbriefschreiber diesen Arzt mit dem Pastor Latzel und dem AfD-Fraktionssprecher Gauland. Ein gänzlich unpassender Vergleich. Latzel wurde wegen Volksverhetzung verurteilt, Gauland kann zum mindesten verbal-radikalen Flügel der AfD gezählt werden.

Als Antwort auf den Leserbrief schickte ich dem WK einen Text, der allerdings nicht abgedruckt wurde. Hier ist er:

Es ist völlig unangemessen, den evangelikalen Pastor Latzel, Gauland von der AfD und Jürgen F. in einem Atemzug zu nennen. Der Unterschied ist, dass Jürgen F. seinen Fehler eingesehen und sich dafür mehrfach entschuldigt hat, und zwar öffentlich. WK-Leser können das wissen. Das hat man bisher weder von Latzel noch von Gauland gehört. Im Gegenteil: beide beharrten bisher auf ihren unsäglichen Äußerungen.

Er ficht eine spitze Klinge, der Herr von der Fecht, die Klinge ist aber stumpf.
Bleibt aufrecht und gesund!

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Montag, 30. November 2020
Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus in Frage gestellt
Kurz vor und nach der Jahrtausendwende reduzierte die Niedersächsische Landesregierung die politische Bildung im Land: Bildungsstätten wurden geschlossen, gar die Landeszentrale für politische Bildung liquidiert, ein bislang einmaliger Fall in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Als Folge erstarkte mit zehnjährige Verzögerung der Rechtsextremismus in allen seinen Schattierungen. Zufall?

Jetzt ist die Förderung für den Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus in Frage gestellt. Wie passend in einer Zeit, in der fast täglich antisemitische und rassistische Taten zu melden sind. Wenn die Förderung wirklich eingestellt oder reduziert wird, ist mit einer Zunahme zu rechnen. Politische Bildung, insbesondere gegen Antisemitismus und Rassismus, ist ein konstituierendes Prinzip von Bildung und keiner Mode oder finanzieller Opportunität unterworfen.

Die unsägliche Praxis, dass Bildungsträger alle fünf Jahre ein neues, anders begründetes Konzept aus dem Hut zaubern müssen, bindet die Kräfte der hauptamtlichen MitarbeiterInnen. Verächtlich wird diese Praxis als Antragslyrik bezeichnet. Lasst die KollegInnen doch einfach in Ruhe ihre wichtige Arbeit machen, statt sie mit immer neuer unproduktiver Arbeit zu belasten! Sonst, s.o.

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Donnerstag, 26. November 2020
Wie unheimlich sind Geheimdienste?
Geheimdienste heißen so, weil ihre Arbeit geheim ist. Das trifft auf die deutschen Geheimdienste – Verfassungsschutz des Bundes und der Länder, Militärischer Abschirmdienst, Bundesnachrichtendienst – nur teilweise zu.

Neuerdings kündigen die Verfassungsschützer an, wenn sie eine Organisation beobachten wollen. Na prima, da kann man sich schon mal darauf einstellen.

Geheim dagegen ist die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Geheimdiensten: Da werden schon mal Informationen oder Warnungen ausgetauscht, allerdings nicht grundsätzlich. Einige der terroristischen Anschläge der jüngsten Vergangenheit hätten sich vermeiden lassen, wenn Informationen der Verfassungsschutzämter ausgetauscht oder an Polizeibehörden weitergegeben worden wären (u.a. Hanau, Halle, Berlin Breitscheidplatz, Landkreis Kassel). Dafür werden Informationen z.B. vom MAD an die potentiellen Täter durchgestochen (Franko A., Hannibal z.B.)

Eine politische Forderung seitens der Linken und der Grünen lautet: Schafft die Geheimdienste ab, sie machen ihre Arbeit nicht und Journalisten wissen lange vor den Schlapphüten, wo Gefahr für die Verfassung und die Demokratie lauert: Nordkreuz z.B. In dieser Frage sind die Regierungen ausgesprochen hartleibig. Nun immerhin könnten sie ja dafür sorgen, dass die Geheimdienste effektiv im Sinne des Schutzes der Verfassung und der Bevölkerung vor Anschlägen sind.

Aber geht das überhaupt und wollen die das? Das jahrzehntelange Versagen legt nahe: nein!

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Was ist ein strukturelles Problem?
Der Skandal bei der Bremer Feuerwehr wirft erneut die Frage auf: Deuten Rassismus, Sexismus, Nazi-Parolen auf ein strukturelles Problem hin? Wenn es sich wirklich um einen Einzeltäter handelt, wohl eher nicht. Aber: Es sind mindestens zehn Mann und zwei Feuerwachen an der Chat-Gruppe beteiligt. Schon das würde eine positive Antwort auf die Frage nach der Struktur beantworten. Hinzu kommt: Die auf die Probleme angesprochenen Vorgesetzten reagierten nicht, sind sogar verdächtig, von den Vorgängen zu wissen und u.U. aktiv beteiligt zu sein. Und drittens: Die Kollegen trauten sich nicht, den Personalrat oder die Gewerkschaft einzuschalten. Es dauerte fünf Jahre, bis sich ein Kollege an die Medien wandte, anonym wohlgemerkt. Wenn das alles zusammen genommen nicht auf ein strukturelles Problem hinweist, dann weiß ich nicht, was noch fehlt.

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Dienstag, 24. November 2020
Im Westen nichts Neues
Das Neue ist das Alte. In Nordrhein-Westfalen sind erneut zehn Polizeibeamte vom Dienst suspendiert worden. Ihnen wird vorgeworfen in einem Chat rechtsextreme Inhalte verbreitet und beim Kegeln vor einem Hakenkreuz posiert zu haben. Insgesamt wurden bisher 191 Polizisten ermittelt, die als Rechtsextreme gelten.

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Alles wohl Einzelfälle und schwarze Schafe!

Gerade wird öffentlich, dass es bei der Bremer Feuerwehr dasselbe Problem gibt, und zwar bereits seit mehreren Jahren. Das ist neu: galt Bremen doch bisher als liberal. Herausgekommen ist es erst, nachdem Meldungen von Feuerwehrleuten an Vorgesetzte nichts bewirkten und an die Medien gingen.

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Die zwei Sorten von Männern, nach Schwarzer
Die selbst ernannte „Frauenrechtlerin“ und Journalistin, Alice Schwarzer, auch Bundestugendministerin genannt, äußerte sich jüngst zu ihrem Verhältnis zu Männern, das „besonders gelassen“ sei. Die Männer, die ich mag, mögen mich auch.“ Und: „von Machos möchte ich gar nicht gemocht werden.“ Und sie weiß auch, „dass Männer auch Menschen sein können“.

Es gibt demnach zwei Sorten von Männern: Machos und solche, die Schwarzer mögen. Da kann ich mich nur schwer verorten. Ich denke, kein Macho zu sein, aber die Schwarzer mag ich überhaupt nicht.
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Wer sein Vermögen in die Schweiz transferiert, um Steuern zu sparen, wer die BILD-Zeitung zu seinem Sprachrohr macht, wer für die Wehrpflicht für Frauen im Rahmen der weiblichen Emanzipation ist, wenn sie nur auch Generäle werden können, wer geradezu besessen Pornografie, oder alles, was sie dafür hält, verfolgt, wer den Islamismus dämonisiert und Pegida verharmlost, der – oder besser – die kann nicht erwarten, von mir gemocht zu werden. Und auf IHRE Sympathie kann ich gern verzichten, auch ohne ein Macho zu sein.

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Donnerstag, 19. November 2020
Gleich ist nicht gleich in der Pflege
Wochenlang hielt die Dienstleistungsgewerkschaft verdi die Öffentlichkeit mit Warnstreiks in Atem. Mal blieb der Müll legen, mal schlossen einzelne Kitas, dann machten KrankenpflegerInnen Dienst nach Vorschrift. Dann erstritt die Gewerkhaft in zähen Verhandlungen eine finanzielle Verbesserung für den öffentlichen Dienst.

Alle atmeten auf! Alle? Nein! Keine kleine Gruppe, sondern die Mehrheit der in der Alten- und Krankenpflege Beschäftigten guckten in die Röhre. Nur ein Drittel des betroffenen Pflegepersonals profitiert von den Verbesserungen, nämlich das Drittel, das tatsächlich im öffentlichen Dienst (ÖD) ist. Die Übrigen zwei Drittel arbeiten bei kirchlichen und privaten Einrichtungen.

Die Kirchen haben für ihre Bediensteten ein eigenes System, den sog. Dritten Weg. Dieser Dritte Weg bedeutet: sie haben ein eigenes Tarifsystem, das nicht nur Streiks ausschließt(!), sondern auch hinsichtlich der Bezahlung deutlich hinter der im öffentlichen Dienst herhinkt. Der „missing link“ wird wohl in einem höheren System, also ganz oben außerhalb menschlicher Reichweite „vergütet“ – im Jenseits.

Die privaten Träger von Großkonzernen bis zu kleinen Klitschen haben Haustarife oder oft auch gar keine Tarifabsprachen mit den Beschäftigten. Diese können von der Besoldung im ÖD nur träumen. Diese Träger boomen seit den 80er Jahren nach der Liberalisierungs-, sprich Privatisierungswelle, die CDU und FDP zu verantworten haben.

Diese Träger profitieren andererseits von öffentlichen Zuschüssen zu ihren Finanzen. Nanu, denkt der unbedarfte Zeitgenosse: Wieso kriegen die Geld aus dem Staatssäckel, ohne zugleich den Beschäftigten dessen Tarife zu bezahlen?

In der Jugendarbeit ist das seit langem ganz anders. In jedem Bewilligungsbescheid von staatlichen Zuschüssen zu Personalkosten in Jugendverbänden und anderen Einrichtungen steht eindeutig, dass die Beschäftigten nach den Tarifen im ÖD zu bezahlen sind.

Wieso da und nicht auch in der Pflege? Weil Kirchen eine übermächtige Lobby in diesem Land haben und das „freie Unternehmertum“ die andere heilige Kuh ist. Zum Schaden der PflegerInnen und PatientInnen.

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