Donnerstag, 25. August 2022
Freie Fahrt ins 21. Jahrhundert
Früher fuhren Schüler aus der Provinz im Elbe-Weser-Dreieck mit der EVG in die Oberschulen zwischen Cuxhaven, Bremerhaven, Bremervörde und Buxtehude. Alte Leute wollen sich noch erinnern, dass vordem die Bahn von Dampfloks gezogen wurden. Später gab es dann diesel-getriebene Triebwagen. Und jetzt macht die EVG einen Riesensprung ins 21. Jahrhundert: Der weltweit erste Zug mit Wasserstoff wurde jetzt auf die Schiene gesetzt.
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Allein hätte die kleine, private Gesellschaft das nicht gekonnt. Im Bündnis mit Alstom, dem französischen Zuglieferanten, der Linde-Kühlungs-Firma und der niedersächsischen Landesnahverkehrs-Gesellschaft wurde das ambitionierte Projekt realisiert. Alle zusammen erhoffen sich eine große Zukunft für den Wasserstoff als umweltneutralen Energieträger.

Es zu vermuten, dass der Wasserstoff-Zug auch ein Magnet für Technik- und Umwelt-Freaks sowie für Touristen wird.

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Dienstag, 28. Juni 2022
Litauische Begegnungen 2
In Vilnius - vor der Shoa "das Jerusalem des Ostens" - gibt es ein jüdisches Museum, das wir besuchen wollten. In der Stadt lebten vor der deutschen Besetzung 1941 55.000 Juden (ca. 1/3 der Bevölkerung) und es gab 96 Synagogen, von denen heute nur noch eine existiert. Als wir das Museum betreten wollten, kam ein altes amerikanisches Ehepaar begleitet von einem ebenfalls alten Litauer heraus und verabschiedete sich. Der alte Litauer fragte uns, was wir suchten. Wir wollten ins Museum. Ja bitte, dann sollten wir mitkommen. Er führte uns zielsicher am Museum vorbei in den zweiten Stock des Hauses, öffnete eine Tür zu zwei miteinander verbundenen Räumen, die voller Karteikästen waren. Ja, er sei Jude, aber er sammle Exlibris. In den Karteikästen waren sie sauber nach einem archivarischen System abgelegt. Er zog Exemplare heraus und erzählte uns über die Personen. Am spannendsten war aber, was er über sich erzählte.
Sein Vater war Offizier im Heer des Zaren gewesen und entsprechend der Familientradition sei er selber auch Offizier geworden, nur nicht unter dem Zaren, sondern in der Roten Armee. Und dieser Tatsache habe er sein Leben zu verdanken. Denn beim Einmarsch der deutschen Wehrmacht habe er sich - natürlich - mit der roten Armee zurückgezogen und sei beim späteren Vormarsch der Sowjets nach Litauen zurückgekehrt. Seine Familie sei komplett von den Nazis ermordet worden, nur er habe überlebt. Er schenkte uns seine Visitenkarte - Josef Shapiro - und das Duplikat eines Exlibris. Sehr bewegt verabschiedeten wir uns von ihm. Das jüdische Museum haben wir nicht mehr besucht, aber diese Begegnung erzählt in nuce mehr über jüdisches Schicksal, als ein Museum kann. Das Exlibris habe ich einem deutschen Museum zusammen mit der Adresse von Herrn Shapiro weitergegeben: er war sehr an Kontakten nach Deutschland interessiert.
(Der Bericht erinnert mich an die Lebensgeschichte des Mannes meiner israelischen Kollegin Hannah Tidhar. Dieser hatte sich bei Invasion der Wehrmacht den russischen Partisanen angeschlossen, die sich zunächst zurückzogen. Auf diese Weise überlebte er und emigrierte nach dem Krieg nach Palästina/Israel. Ähnlich auch die Lebensgeschichte eines anderen Kollegen, Israel Szabo, der sich 1938 bei der Besetzung der Tschechoslowakei noch als Schüler dem Untergrund anschloss und Juden vom Balkan den Weg nach Palästina ebnete. Er überlebte als einziger einer über 60-köpfigen Familie.)

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Sonntag, 26. Juni 2022
Litauische Begegnungen (1)
Wie klein das Land ist, lässt sich an einer der ersten Begegnungen zeigen. Am legendenumwobenen Rambynas-Berg machten wir Rast mit Blick auf die Memel und die Ebene. Während ich umherlief, um zu fotografieren, saß Gerhild am Abhang. Als ich zurückkam, unterhielt sich ein fünfzehnjähriger Junge mit ihr. Er sprach perfektes Englisch - "Ja, das hat mein Lehrer auch gesagt." - und besuchte in Kaunas das Gymnasium. Dort hatte er auch einen Vorlesewettbewerb gewonnen. Jetzt verbrachte er die Ferien bei seinen Großeltern und aktuell besserte er freiwillig die Stufen auf den Rambynas-Berg aus. Sie waren von den Besuchern ausgetreten und vom Regen ausgewaschen. Wir waren sehr beeindruckt von diesem sympathischen Jungen.

In Klaipeda trafen wir unsere Reiseleiterin, eine Deutschlehrerin, die in den Ferien deutsche Gruppen führte. Beim Abendessen erzählten wir von unserer vorherigen Reise und erwähnten auch die Begegnung mit diesem Jungen. Nach einiger Zeit lächelte sie und erklärte: "Ich glaube, ich kenne diesen Jungen." Er war das Patenkind ihrer Freundin.

Während in der jungen Generation als Fremdsprache überwiegend Englisch gewählt wird, sprechen ältere Leute eher schon mal Deutsch. Das strukturierte etwas unsere Begegnungen. In einem kleinen Dorf an der oberen Memel besichtigten wir die schöne Kirche. Als wir wieder herauskamen, ging ein älterer Mann in Shorts und Sandalen auf uns zu, den wir vorher bei der Reparatur eines Autos gesehen hatten. Er fragte uns auf Deutsch, ob wir noch Fragen hätten. Nö, hatten wir eigentlich nicht. Konnte er sich nicht vorstellen, also lotste er uns wieder zurück in die Kirche und zeigte uns noch einige Details zur Geschichte der Kirche. Er stellte sich als der Pastor vor. Im Gespräch ergab eins das andere. Er habe "Die Buddenbrooks" im Original gelesen. Thomas Mannas - so sein Ausdruck - sei ein großer Autor, aber der Nobel-Preis für "Die Buddenbrooks" sei denn doch nicht angemessen. Zum Schluss zeigte er uns auf dem Friedhof einen Grabstein mit seinen Lebensdaten, nur das Todesdatum musste noch eingemeißelt werden.

In Kaunas haben wir uns einmal verfahren. Das passiert mir äußerst selten, aber in Litauen kam ich gelegentlich mit den Himmelsrichtungen durcheinander. Komisch! Etwas konsterniert studierte ich den Stadtplan. Da kam ein junger Mann auf uns zu, fragte uns auf Englisch, ob er helfen könne. Ich erklärte ihm mein Dilemma. Er könne nicht helfen, denn er sei nicht aus Kaunas, aber der Regisseur seines Fernsehteams sei von hier, er wolle ihn fragen. Es kam ein älterer Mann, der mit dem jungen als Dolmetscher uns erklärte, wie wir fahren mussten. Dabei erfuhr er, dass wir Deutsche sind. Prompt erzählte er uns, er habe als Kind 1939 Adolf Hitler in Klaipeda gesehen, als der den "Anschluss des Memellandes" an das Deutsche Reich feierte. Als er mein betroffenes Gesicht sah - wieder musste ich für die Sünden der Väter büßen - legte er mir beruhigend die Hand auf den Arm und tröstete mich, ich sei ja nicht schuld daran. Meine Verantwortung gestand ich ihm aber ein. Wir verabschiedeten uns freundlich. Irrwege erhöhen die Ortskenntnis.

In einem Freilichtmuseum an der oberen Memel hatte ein Bernstein- und Elfenbein- Schleifer seine Werkstatt. Neugierig schauten wir durch die Tür, wir wollten nur mal gucken, aber er winkte uns herein und sprach uns auf Deutsch an. Wir kamen ins Gespräch und dabei erzählte er uns sein Leben. Sein Vater war in der Sowjetunion Kleinbauer gewesen, habe aber etwas zu viel Land gehabt und sei deswegen mitsamt der Familie nach Sibirien verschleppt worden. Er selber sei praktisch dort aufgewachsen. In der Tauwetter-Periode nach Stalins Tod unter Chruschtschow durften sie zurück nach Litauen und als Kompensation habe er eine Freikarte für die Eisenbahn bekommen. Damit hat er ausgedehnte Reisen u.a. nach Sibirien unternommen. Von einer dieser Reisen brachte er ein etwa 50 cm großes Teil eines Mammut-Stoßzahns mit. Das war der Grundstock für seine berufliche Existenz. Er lernte das Schleifen von Elfenbein und Bernstein und machte seine kleine Werkstatt im Museum auf. Übrigens machte er schöne Dinge und zeigte uns sein Zertifikat, das ihm bescheinigte, nur legal Elfenbein zu kaufen. Wir kauften ihm eine Kleinigkeit - ein Stück Bernstein mit einer eingeschlossenen Mücke - ab, das jetzt in meiner Fensterbank liegt und mich daran erinnert, wie große Geschichte sich in den Biografien "kleiner Leute" spiegeln kann.

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Litauische Begegnungen - Vorweg
Die Bundesrepublik hat ein starkes militärisches Kontingent als Teil einer NATO-Truppe in Litauen. Konkreter Anlass ist der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Litauen ist der direkte Nachbarstaat der russischen Exklave Kaliningrad. Die Litauer und ihre Regierung befürchten, das nächste Opfer von Putins Eroberungsgelüsten zu sein. Aus diesem aktuellen Anlass wiederholt Minituren.blogger.de die Serie "Litauische Begegnungen".

Meine Frau Gerhild und ich machten im Sommer 1998 eine Litauen-Reise. Mit der Fähre von Kiel erreichten wir Klaipeda, fuhren mit dem Motorrad nach Kaunas, wo wir für eine Woche ein Hotel gebucht hatten. Von dort machten wir Tagesausflüge in die Umgebung und nach Vilnius. Auf der Rückfahrt nach Klaipeda fuhren wir entlang der Memel. Von Klaipeda machten wir eine einwöchige Radtour mit einer geführten Gruppe rund um die Kurische Nehrung. Anschließend verbrachten wir eine Woche in Nidden in einer Pension.

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Donnerstag, 2. Juni 2022
Hättest du geschwiegen, wärst du Philosoph geblieben.
O, si tacuisses, philosophus mansisses! Es gibt Formen des Schweigens, die mehr sagen als jede noch so lange Regierungserklärung. Als vor Wochen der Bundespräsident als Zeichen der Solidarität in die Ukraine reisen wollte, wurde er von der ukrainischen Regierung zur unerwünschten Person erklärt und an der Reise gehindert. Da gab es auf deutscher Seite großes Lamento. Friedrich Merz (CDU) nutzte die Gunst der Stunde und besuchte als Erster Kiew. Andere PolitikerInnen folgten, u.a. die Parlamentspräsidentin Bas. Auch der ukrainische Botschafter war zu der Zeit fast täglich in Talkshows und den Tagesthemen. Dann besann sich die ukrainische Regierung eines Besseren und lud nunmehr von sich aus Bundeskanzler Scholz ein. Der erklärte, es sei schlechter Stil nach Kiew zu reisen, nachdem der Bundespräsident ausgeladen worden war.

Wieder großes Lamento, der Botschafter griff tief in die Kiste der Beleidigungen (siehe miniaturen 6.5.22), nannte den Bundeskanzler eine "beleidigte Leberwurst". Das löste auf deutscher Seite laut geäußerte Missbilligung aus. Jetzt hat Frau Bas ihren ukrainischen Amtskollegen nach Berlin eingeladen. Nur Scholz rührt sich nicht. Und - oh Wunder - vom Botschafter ist kein Sterbenswörtchen zu hören. Fernsehauftritte? Fehlanzeige. Hat man ihn aus Kiew an die Leine genommen, oder gar einen Maulkorb verpasst? Da herrscht Totenstille, die angesichts früherer verbaler Angriffe und Fehltritte höchst verdächtig klingt.

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Samstag, 2. Oktober 2021
Usbekistan - wie aus 1001 Nacht (17)
Am SIEBZEHNTEN TAG waren wir wieder in Samarkand. Erneut gab es Bauten und andere Eindrücke zu besichtigen und zu verarbeiten. Heute war das Neue, dass wir Ruinen von Moscheen und Medressen zu sehen bekamen. Tatsächlich verfielen viele der alten Bauten nach der Invasion des zaristisch-orthodoxen Russland seit 1865. Wir haben Bilder aus den 30er Jahren gesehen, die einen äußerst traurigen Anblick der Bauten boten. In Samarkand gibt es das realiter heute noch zu sehen.

Ansonsten standen für den Tag auf dem Programm: Museum Afriosiobs, der Grabkomplex von Sankt Michael, der zwar christlicher Prophet bzw. Heiliger ist, aber auch von den Moslems verehrt wird. Er soll in Samarkand begraben sein, was höchst unwahrscheinlich ist, zumal einige Dutzend anderer Städte im nahen und mittleren Osten dasselbe behaupten. Den Moslems ist der Grabkomplex aber eine Pilgerreise wert. Ein Tatbestand, der dazu führt, dass hier im Unterschied zu anderen Sehenswürdigkeiten die Touristen in der Minderzahl, die Moslems in der Überzahl sind. Auch dass Ali, der Schwiegersohn Mohammeds in Usbekistan gewesen und gestorben sein soll, ist nahezu unmöglich. Nach dem Koran hat er Arabien nie verlassen.

Der Höhepunkt des Nachmittags war der Besuch einer Fabrik für Seidenpapier. Hier wird mit mittelalterlichen Techniken - nur auf Bestellung - in einem sehr aufwändigen Prozess Seidenpapier hergestellt, das heute fast ausschließlich für museale Zwecke, d.h. zum Erhalt und zur Restaurierung alter Bücher und sonstiger Quellen produziert wird.

Abends verabschieden wir uns von unserem Reiseführer Shukhrat und fahren dann mit dem Schnellzug in zwei Stunden ohne Stopp die 380 km nach Taschkent, essen dort zu Abend, werden zum Flughafen begleitet, warten noch stundenlang, bis unser Flug nach Istanbul um 02.50 h startet.

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Donnerstag, 30. September 2021
Usbekistan - Altertümer
Die Sowjets gingen sehr oft mit den ALTERTÜMER nicht besser um als die zaristischen Russen. Hatten diese ein religiöses Motiv, die Ablehnung einer nicht-christlichen Religion, so waren jene grundsätzlich gegen Religion. Das Ergebnis war dasselbe: der Verfall der Kulturgüter. Erst nach der Unabhängigkeit 1991 wurden die Bauten unter Aufwendung von immensen Geldmittel, teilweise mit europäischer Hilfe, restauriert.

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Mittwoch, 29. September 2021
Usbekistan - Wie aus 1001 Nacht (16)
SECHSZEHNTENTER TAG: In Abänderung des Programms fahren wir an diesem Tag von Samarkand nach Shahrisabs. Unterwegs machen wir kurz Halt an einer Stelle, die durch eigenwillige Felsformationen auf einem Hügel markiert ist. Von dort hat man auch einen schönen Panoramablick bis zu den schneebedeckten Bergen im Osten. Hier sollen Szenen eines DDR-Winnetou-Films mit dem Hauptdarsteller Gojko Mitić gedreht worden sein. Nun hat keiner der DEFA-Filme den Titel "Winnetou" gehabt und Mitic hat nie den Winnetou gespielt. Fakt ist: mehrere DEFA-Indianer-Filme ebenso wie Westproduktionen wurden teilweise in Usbekistan gedreht. Aber auch ohne die korrekten Fakten war das ein schöner Platz.

Auf dem Weg überqueren wir den 1.788 m hohen Tahtakaraca-Pass. In Shahrisabs erwarteten uns wieder klassische Bauten. Unter anderem die Überreste von Timurs Sommerpalast, heute eingebettet in einen großen Park. Daneben das Jangohir-Mausoleum, das Timur sich selbst bauen wollte, dann aber für seinen Sohn benutzt wurde. Bemerkenswert ist die Kuk-Gumbas-Moschee mit der blauen Kuppel und der unerhörten Akustik. Die Moscheen sind u.a. - abgesehen von ihrer Herrschaftsarchitektur - für tausende Gläubige konzipiert, teilweise unter Einbeziehung des Außenraums.

Hier macht sich bei mir eine Müdigkeit bemerkbar, die mir die Aufnahme neuer Eindrücke und Informationen schwierig macht. In Shahrisabs kam noch die Hitze und Schwüle des Tages hinzu.

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Montag, 27. September 2021
Usbekistan - Wie aus 1001 Nacht (15)
FÜNZEHNTER TAG Die Fahrt von Ashraf nach Samarkand dauert nicht lange. Wir fahren zunächst am Nordhang des Nurata-Gebirges bis Zizar und dann südlich nach Samarkand. Diese Stadt mit ca. 850.000 Einwohnern ist die mit den eindrucksvollsten Bauten, die sich fast alle im Stadtzentrum befinden, so dass sie mit einem langen Spaziergang erreicht werden könne. Nur das Abu-Mansur-Matridity-Mausoleum liegt etwas außerhalb. An diesem Tag absolvieren wir das palastartige Mausoleum des Timur, das Gur-Emir-Mausoleum, das Aksarai-Mausoleum, den Registan-Platz und die Bibi-Khanum-Moschee.

Vor allem der Registan-Platz ist äußerst beeindruckend. Man nähert sich dem immensen Ensemble von einer Terrasse. Von dort hat man einen Blick auf den weiten Platz und die diesen an drei Seiten umgebenden Monumental-Bauten. Hier finden wir ein passendes Zitat zum Thema Herrschaftsarchitektur. Der Erbauer des Ak Saray, Timur, verewigte sich durch den Bau mit einer Inschrift am Portal: "Wenn jemand an unserer Macht zweifelt, schaut unsere Bauten an." Dieses Motto wurde später vom ersten Präsidenten nach der Unabhängigkeit, Islam Kamirov, übernommen. Besser kann man die Funktion von Herrschaftsarchitektur nicht ausdrücken.

Auf der Terrasse kamen nacheinander mehrere junge Leute mit Kameras auf uns zu. Zunächst dachten wir, wir sollten sie fotografieren. Irrtum: sie wollten Selfies mit uns machen. Anscheinend kann man mit Bildern von sich und westlichen Touristen renommieren.

Wie in anderen ehemaligen Medressen sind in einem dieser Bauten am Registan die alten Zellen der Studenten in Läden umgewandelt. In einem arbeitet ein Kaligraph. Bei ihm wurden uns die verschiedenen arabischen Schrifttypen vorgestellt. Der Mann fertigte uns Blätter mit unseren Namen auf Arabisch an und wir kauften ihm eine auf Leder und in einem Holzrahmen eingespannte Schrift mit dem Wort "Salam" (Friede) in einer Taube ab.

In einer anderen Zelle war ein Brautladen. Dort erläuterte Shukhrat uns in aller Ausführlichkeit das traditionelle Brautwerbe- und Hochzeitritual. Er behauptet, dass das noch heute üblich ist (was uns später bestätigt wurde). Das für uns Auffälligste daran: die Brautleute, vor allem die Frau haben über den Ablauf keine oder fast keine Kontrolle. Nachbarn und die Familien bestimmten nicht nur die Prozedur, sondern sogar die Auswahl. In dem Laden konnte man alle für den Prozess notwendigen Kleider und Gegenstände kaufen.

Während wir die Medresse besichtigten, wurden im Hof vor der antiken Kulisse die Hochzeitsfotos eines Paares gemacht. Der Fotograf bestimmte Ort, Hintergrund, einzunehmende Posen und das Drapieren des Brautkleids. Seine Assistentin führte seine Anweisungen durch. Die Brautleute waren quasi die Statisten.

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Usbekistan - Autoproduktion
Die komplette Automobilproduktion erfolgt in Joint Ventures. Aus Deutschland sind die fünf "Großen" (VW, BMW, Audi, Mercedes und für LKW MAN) beteiligt. Die Produktion ist aber gänzlich auf die Montage der Einzelteile beschränkt. Alle Teile werden in Deutschland produziert, nach Usbekistan transportiert und dort zusammengesetzt - lediglich als verlängerte Werkbank. Für die anderen - japanischen und koreanischen - Fahrzeuge, meist unter General-Motors-Firmenzeichen - gilt das gleiche. Importautos sind extrem teuer, weil auf den Preis eine 100%ige Steuer erhoben wird. Dies ist wohl auch der Grund, dass ausländische Fabrikate in Usbekistan montiert werden, weil sie dann als usbekische Autos gelten können.

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