Donnerstag, 8. Januar 2026
Es brennt, und der Bürgermeister spielt Tennis nach dem Vorbild eines Einsatzleiters, der das Hemd wechselt
Im August 1992 brannte die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber in Rostock-Lichtenhagen. Ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter bangten um ihr Leben: Ein Mob rechtsextremer, teil alkoholisierter Randalierer belagerte die beiden Hochhäuser und steckte eins in Brand. Die Alarmierte Polizei blieb untätig. Die Bewohner und ein ZDF-Fernsehteam entkamen knapp einem Desaster. Hunderte Rostocker belagerten das Haus, griffen es an und 3000 applaudierten. Als es besonders brenzlig wurde, zog die führungslose Polizei sich zurück. Später wurde nachgefragt, wo denn der Einsatzleiter geblieben war. Er sei nach Hause gefahren und habe das Hemd gewechselt!

Nach der Tragödie folgt die Farce. Da
drängt sich eine eher harmlose, aber doch skandalöse Verhaltensweise als Vergleich auf. Während zehntausende BerlinerInnen im Dunkeln und in Kälte saßen, weil eine Terrorattacke für Stromausfall sorgte, spielte der Berliner Bürgermeister eine Stunde Tennis, „um den Kopf frei zu bekommen“! Der Vergleich zu Rostock ist wie der zwischen Maus und Elefant. Dennoch: BerlinerInnen und die Oppositionsparteien empörten sich mit Recht.

Die Dummheit der Ausreden ist identisch.

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