Samstag, 14. März 2026
Weimer: wieder Skandale, einer nach dem anderen
Die Sache mit den Buchläden hat zwei positive Reaktionen ausgelöst: Erstens erfreuen sich die Händler einer unerwarteten Popularität und eines Umsatzes wie sonst nur im Weihnachtsgeschäft. Zweitens hat die Verweigerung der Preise eine nie dagewesene Solidaritätswelle im gesamten Buch- und Mediengeschäft ausgelöst. Selbst konservative Verlage, Zeitungen, der Börsenverein des deutschen Buchhandels und die gesamte Scene schließen sich den Protesten an.

Dem Skandal der Nicht-Würdigung dreier Buchläden für einen Preis folgt wieder ein Verbot. Eigentlich wird der Preis traditionell während der jährlichen Leipziger Buchmessen in einem feierlichen Akt überreicht. Weil Weimer einen wütenden öffentlichen Protest bei der nächste Woche anlaufenden Buchmesse erwarten muss, hat er das Fest abgesagt! Das gab es bisher noch nie! Die Preisträger müssen sich da wohl mit einem schnöden Standardbrief begnügen. Aber Weimers Rechnung wird nicht aufgehen. Der eher konservative Herder-Verlag plant einen großen, öffentlichen Empfang für alle von der Jury benannten Buchhandlungen. Das wird wohl ein Fest und eine Manifestation gegen Weimer, der eigentliche Höhepunkt der gesamten Messe.

Und noch etwas: Leidtun muss uns Claudia Roth, die Vorgängerin im Amt der Kulturstaatsministerin. Wie muss ihr zumute sein zu sehen, wie ihr ehemaliges Ministerium dem Spott und der Lächerlichkeit preisgegeben wird?

Den Trümmerhaufen, den Weimer schon bisher angerichtet hat, vergrößert er mit einer weiteren skandalösen Entscheidung. Er stoppt den Ausbau der Nationalbibliothek in Leipzig. Vordergründig argumentiert er, die Zukunft gehöre der Digitalisierung, dafür benötige man keinen Bibliotheksausbau. Tatsächlich fehlt angeblich das Geld für den weiteren Ausbau. Das von einem, der bisher sein Geld mit dem Verlegen von Büchern und Printmedien verdient hat.

Dabei erhält die Bibliothek täglich 13.100 Werke, davon 3.300 analoge. Da kann man sich leicht denken, wie schnell vorhandene Räume zu klein werden. Branchenkenner gehen davon aus, dass das Buch ein Medium auch in Zukunft sein wird. Das weiß die gesamte Branche - außer dem Kulturministerium. Über alle Grenzen – Größe, Umsatz, Publikationsform, politische oder ideologische Unterschiede – hinweg tönen die Proteste gegen diesen erneuten Anschlag auf die Kultur.

Und auch der Bundeskanzler muss sich fragen lassen, wie lange er noch zusieht, wie sein Tegernseebuddy dem Ansehen der Bundesregierung Schaden zufügt. Hier könnte Friedrich Merz schon mal seine Richtlinienkompetenz zur Geltung bringen.

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