Mittwoch, 7. April 2021
Heimatschutz-Truppe - Wer braucht denn sowas?
Die taz versteckt die Meldung mit zwölf Zeilen im Wetterbericht. Dem Weser-Kurier (WK) ist die Sache einen Vierspalter mit Bild der Verteidigungsministerin wert. Die Bundeswehr hat jetzt einen "Heimatschutz". Die ersten 325 Männer und Frauen wurden bereits mit einem Monatssold von netto mindestens 1.400 Euro eingestellt. Sie bekommen eine dreimonatige Grund- und eine fünfmonatige Spezialausbildung, um dann weitere sieben Monate in Objektschutz, Sanitätsdienst und Katastrophenhilfe eingesetzt zu werden. Danach müssen sie fünf Jahre jeweils vier Wochen lang Reserveübungen absolvieren. Bis Jahresende soll die Truppe auf 1.000 Personen anwachsen.

Gibt's sonst nichts zu tun?-----------------------------------------------------------

Brauchen wir das jetzt auch noch? Ja, sagt die Bundeswehr: so werden Kräfte freigesetzt für militärische, vor allem Auslands-Einsätze. Insgeheim wird darauf spekuliert, dass der eine oder die andere SoldatIn sich doch noch entschließt, zur kämpfenden Truppe zu wechseln. Reserveoffiziere mit einer verkürzten Ausbildungszeit wurden von den Profis abschätzig "Neckermänner" tituliert. So ähnlich werden die Heimatschützer wohl zukünftig von den Profis eingeschätzt.

Kritiker bis hin zum Bundeswehrverband (BWV) sind skeptisch. Sanitäts- und Katastropheneinsätze seien nicht Kernaufgabe der Armee. Dafür seien Rotes Kreuz (RK) und Technisches Hilfswerk (THW) zuständig, so ein Sprecher des BWV in der Tagesschau. Die Sozialverbände bemängeln, dass das Freiwillige Soziale Jahr gegenüber dem Heimatschutz erbärmlich schlecht bezahlt wird, währen diese jungen Leute wirklich etwas Nützliches im Sozialwesen leisten. Die Linke wirft - bescheiden wie oft - ein, damit werde der bisher von rechts besetzte Heimatbegriff salonfähig. (Nebenbei bemerkt: Heimat ist nicht per se etwas Schlechtes. Ich bin froh, dass ich eine habe. Damit bin ich gegenüber den 80 Mio. Flüchtlingen weltweit und meinen beiden syrischen Freunden M. und B. deutlich privilegiert.)

Die Kritiker kommen in der taz überhaupt nicht zu Wort, haben im WK nur einen marginalen Raum. Ist wohl nicht gerade opportun, wo doch Bundeswehrsoldaten als "Amtshilfe" in der Pandemie Nützliches tun, - weil RK und THW mal wieder zu schwach besetzt sind und dennoch Wichtiges leisten!

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