Donnerstag, 7. Januar 2021
Trumps Prätorianer-Garde
Der römische Kaiser Augustus war gewarnt. Nachdem sein Vorgänger G. J. Caesar im Jahr 44 v.u.Z. von seinen eigenen Leuten umgebracht worden war, schuf Augustus sich eine Leibgarde (Prätorianer-Garde) zu seinem persönlichen Schutz. .--------------- Die Garde bestand aus 9 Kohorten à 500 Mann. Drei Kohorten durften in Rom stationiert sein, die übrigen sechs außerhalb. Die Gardisten waren Elitesoldaten mit besonders hohem Sold.

Dieses Modell wurde später von Mussolini in Italien und von Hitler in Deutschland übernommen. Hitlers Prätorianer waren vor wie nach 1933 die SA und die SS, die persönlich auf ihn eigeschworen waren und tatsächlich bis zum bitteren Ende zu ihrem Führer hielten.

US-Präsident Trump hätte gerne auch eine solche Truppe gehabt, war aber durch die Verfassung daran gehindert. Seine Hoffnung, die National-Garde dazu zu missbrauchen, erfüllte sich nicht. Er hoffte aber auf ideologische und gewaltsame Unterstützung durch seine Anhänger, besonders die Proud Boys. Diese sind eine selbstorganisierte Miliz, bewaffnet und mit martialischer und militärischer Ausstattung. Sie mögen intern eine hierarchische Struktur haben, aber die Mitgliedschaft und deren Aktivitäten beruhen auf Freiwilligkeit.

Die Tatsache, dass die genaue Größe dieser Gruppe genauso unbekannt ist, wie die lokale oder territoriale Verbreitung sowie die Fluktuation, macht die Miliz zusätzliche unkalkulierbar.

Dennoch gehorchten sie gestern Trumps Aufruf, zum Kapitol zu marschieren. Was dort passierte, entzog sich seiner Befehlsgewalt, aber die war auch gar nicht mehr nötig. Die Proud Boys wussten, was Trump von ihnen erwartete. Die Freiwilligkeit macht die Truppe so gefährlich: ist sie einmal auf dem Marsch, kann kein Politiker-Befehl sie mehr aufhalten. Dass wusste sicher auch Trump, als er zu Beginn des Sturms aufs Kapitol die Order erließ, friedlich zu bleiben und nach Haus zu gehen, nicht ohne zu betonen, alles andere würde den Demokraten in die Hände spielen . Gestoppt, vertrieben wurde der Mob erst durch die Polizei und die Nationalgarde.

Erneut stiftete Trump Verwirrung und Chaos: Erst forderte er seine Anhänger auf, zum Kapitol zu marschieren, um sie dann stoppen zu wollen, vergeblich wie die Ereignisse zeigen. Die gleiche Taktik wandte er schon vorher an. Vor Jahresfrist forderte er die Proud Boys auf: „Stand back and stand by. – Haltet euch zurück, aber haltet euch bereit!“ Keine 24 Stunden später erklärte er, er kenne die Proud Boys gar nicht. Es ging ihm nie um Politik, es ging ihm immer um Chaos und um ihn selbst. Insofern ist der gestrige Aufstand das konsequente Ende (hoffentlich!) seiner Regentschaft.

Er hat mit Sicherheit erreicht: er wird mit seinem spektakulären Abgang als zweifelhaftester und unangenehmster Präsident der USA dauerhaft im kollektiven Bewusstsein erhalten bleiben.

Der neue Präsident Biden wird viel zu tun haben, den Scherbenhaufen, den sein Vorgänger hinterlässt, zu beseitigen. Man kann ihm nur viel Erfolg wünschen!

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