Mittwoch, 6. Januar 2021
Corona-Tagebuch 82.: Den Lock-Down-Bogen nicht überspannen!
chaire, cheure, cheira nipton
Der Lieblingsfeind von Corona-Leugnern und
Verschwörungsmystikern ist ein Virologe und Politiker: Karl Lauterbach. Mit gleichmäßig leiernder Stimme und Leidensmine, inzwischen ohne Fliege, betet er sein Mantra: Infektion, Lock-Down, Infektion, Lock-Down, Infizienzwert, Lock-Down. Und er hat Recht: das Infektionsgeschehen wurde durch die beiden bisherigen Lock-Downs nicht wesentlich gebremst. Darauf weisen seine Fans hin.

Die andere Seite der Medaille wurde bisher nur unzureichend ausgeleuchtet. Darauf weist Ilka Hofmann – Ex-Sonderschullehrerin und im Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft – in einem Interview mit der taz hin. „Die eklatanten Probleme, die ein gegliedertes Bildungssystem hat, haben sich im Lock-Down verschärft. Soziale Probleme wirken sich beim Fernunterricht noch stärker auf die Bildungsbiografie der Kinder aus – wenn sie beispielweise den einzigen Berührungspunkt mit Lernen und Schule haben und nun davon abgeschnitten sind.“ – Und: „Wir haben beobachtet, dass viele Kinder psychisch extrem unter der Pandemie leiden – beispielsweise, wenn die Eltern Existenzsorgen haben.“

Dass Schulschließungen kein Allheilmittel sind, beweist die Entwicklung in Bremen. Noch im Herbst lag der Inzidenzwert bei über 220, inzwischen liegt die Stadt bei 73 am Ende der Skala. Und das bei teilweise geöffneten Schulen.

Zwei weitere wichtige Aspekte sind die wirtschaftlichen Nachteile für viele Familien, vor allem aber für die Gesamtgesellschaft sowie die negativen Folgen für die Bildungsbiografie nicht nur, aber vor allem, für Kinder sowieso benachteiligter Familien.

Die Abwägung zwischen der Notwendung zum Lock-Down und den Lebensbedingungen – nicht nur! – von SchülerInnen darf nicht einseitig zugunsten der Virologie erfolgen. Das oft massenhafte Durchbrechen der Regeln besonders durch junge Leute ist ein Warnsignal, den Bogen nicht zu überspannen!
Bleibt aufrecht und gesund!

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