Sonntag, 20. September 2020
3-Sat-Kabarett-Festival
Das Fernsehprogramm am Samstag verhieß einen unterhaltsamen Abend: 3-Sat-Kabarett-Festival. Den Auftakt gestaltete Max Uthoff, der Informationen vortrug, die man in jeder linken Tageszeitung lange vorher nachlesen konnte. Leider waren sie weder neu noch sensationell. Uthoff hat den Charme und die Beweglichkeit eines Zaunpfahls. Das Ganze nennt sich wohl neudeutsch Infotainment, nur war die Präsentation weder besonders informativ und schon gar nicht unterhaltsam.

Okay, dachte ich nach diesen 45 Minuten, es geht ja noch weiter. Leider enttäuschte auch der nachfolgende Philipp Weber. Ein Sturmgewitter sauste über die Bühne, ohne Dramaturgie, ohne Rhythmus, ohne Pausen, ohne Tempowechsel. Das genaue Gegenteil von Uthoff, nur leider im Ganzen auch nicht besser. Die Ausfälle gegen Homöopathie und Heilpraktiker zeugten von Ignoranz, gingen aber bei großzügiger Interpretation unter Meinungsfreiheit durch. Der platte Witz über Analverkehr war dagegen intolerabel: er reduzierte Homosexualität auf die eine Praktik und bediente damit die Vorurteile der Generation 80+.

Den dritten Act präsentierte ein Till Reiners. Der junge Mann fand sich selbst wohl ziemlich komisch, sein Grinsen verriet es. Das locker im Raum verteilte Publikum – Corona! - reagierte verhalten. Hatte Weber den Applaus noch professionell herausgekitzelt, so ging Reiners selbst diese Fähigkeit ab. Die Inhalte noch banaler als bei Uthoff.

Das waren noch Zeiten:

Ich sehne mich so sehr nach Polt oder Hildebrand oder Schramm: Vollblutschauspieler mit Gespür für Dramaturgie, feinen Humor, Tempo, Rhythmus – alles Fähigkeiten die den drei genannten Mimen leider völlig abgehen. Kann denn niemand da mal Regie führen? – Gegen 22 Uhr schaltete ich den Fernseher aus.

Mein Tag endete mit einem ganz anderen Vergnügen: NDR-Info übertrug ein Konzert des Michael-Wollny-Trios. Schön!

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