Sonntag, 23. August 2020
Corona-Tagebuch 67.: Wer den Schaden hat….
Chaire, cheure, cheire nipton!
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Seit fast vierzig Jahre macht mir ein Bronchial-Asthma (COPD) Beschwerden. Pharmazeutisch richtig eingestellt kann man damit relativ unbeschwert leben. Wenn nur die lieben Mitmenschen nicht wären.

Neulich fuhr ich mit meinem Motorrad auf einer offenen Fähre. Vorgeschrieben war selbst im Freien ein Mund- und Nasenschutz. Nur wenige Passagiere hielten sich daran. Ich auch nicht. Allerdings habe ich ein Recht dazu: Laut ärztlichem Attest bin ich von der Masken-Pflicht befreit. Einen Button dafür trage ich nicht, denn so was gibt es gar nicht.

Prompt werde ich von einer Frau angemacht: „Maskenpflicht!“ Ruhig aber bestimmt weise ich auf meine Befreiung hin und gehe weiter. Die Frau pöbelt hinter mir her: „Aber unterm Helm geht es.“ Ja, hätte ich sagen können, weil mein Helm besser belüftet ist, als ihr Hirn durchblutet. Tat ich aber nicht, wollte keinen weiteren Stress.

Das Paar schon. Beim Verlassen der Fähre konnte der Typ es nicht unterlassen, noch mal nachzusetzen: „Warum tragen Sie denn überhaupt noch einen Helm?!“ Ich biss mir auf die Lippe und guckte geradeaus. Ein anderes Mal werde ich im Supermarkt – diesmal weniger übergriffig -angemacht.

Es sind nicht die ersten Male, dass mir so etwas passiert. Schon um das zu vermeiden, trage ich – trotz Befreiung – meist den Mundschutz. Dann gibt es aber die andere Form von wohl gut gemeinter Over-Protection. Eine Frau fragt besorgt, ob ich überhaupt Auto fahren dürfte: „Was, wenn du einen Anfall beim Fahren kriegst?“ Bekomme ich nicht, denn COPD ist keine Anfallkrankheit. Am Beginn des Lock-Down wurde mir Hilfe bei den Einkäufen angeboten. Sicher gut gemeint. Aber Einkäufe sind auch Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Und schützen kann ich mich – und alle anderen - so gut wie die anderen auch: Mundschutz (trotz Attest), Hände waschen, Abstand halten.

Abstand, das wäre auch die Empfehlung für die Frau im Supermarkt gewesen. Sie blockierte samt Kind und Einkaufswagen den eh schon engen Gang zwischen den Regalen. Ich musste mich vorsichtig durchschieben. Aber Mundschutz.
Bleibt aufrecht und gesund!

... comment