Freitag, 19. Juni 2020
Corona-Tagebuch 53.: BM Heil wacht auf.
Wenn die Corona-Krise etwas Gutes hat, dann dass sie Missstände soweit zugespitzt, dass sie unübersehbar offensichtlich geworden sind. So die Zustände in den Schlachthöfen in Südoldenburg und Ost-Westfalen. Und jetzt ist auch der Bundesarbeitsminister (BM) wach geworden. Hubertus Heil hat angekündigt, dass die Arbeitsbedingungen in der Fleischbranche weiter verschärft werden sollen.
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Weiter verschärft? Die waren bis zum Exzess locker! Das verbrecherische System der Subunternehmen, die Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen – Akkord und Arbeitshetze, mangelnde Arbeitsplatzsicherheit und Hygiene –, die skandalösen Wohnverhältnisse der ausländischen Arbeiter; Extragewinne der Unternehmer durch überteuerte Wohnungsmieten – über 300 € für pro Person. Die Mieter wohnen bis zu sechs Personen in einem Zimmer.

Das alles war lange bekannt. Gewerkschaften und Einzelpersonen wie der mutige Pfarrer Peter Kossen haben immer wieder auf die Missstände hingewiesen und Verbesserungen gefordert. Und nun ist der Skandal perfekt. Natürlich konnten unter diesen Arbeits- und Wohnverhältnissen die Anti-Corona-Maßnahmen nicht eingehalten werden. Über 10% der Belegschaft EINER Firma von über 6.000 Arbeitern sind positiv auf Corona getestet worden. Der Rest wurde unter Quarantäne gestellt. Aber was heißt das? Die Leute gehen weiter einkaufen und betreten auch andere öffentliche Orte. Ob die ausländischen Arbeiter überhaupt wissen können, was die Situation ihnen abverlangt? Mund- und Nasenschutz, Hände waschen und desinfizieren, Abstandhalten und die Wohnung nicht verlassen.

Und der ganze Landkreis leidet darunter: Kitas und Schulen WIEDER geschlossen, Massen-Tests, die Angst vor Infektionen, wirtschaftliche Konsequenzen für die ganze Region. Und Landes“vater“ und Möchtegern-Kanzlerkandidat hat auch die Schuldigen gefunden: das Unternehmen, die Subunternehmen? Mitnichten! Die ausländischen Arbeiter sind’s, die mal eben übers Wochenende nach Rumänien oder so fahren und auf der Rückfahrt das Virus einschleppen.

Immerhin einer handelt: Heil. Er will die Arbeitsbedingungen in der Fleischbranche verschärfen. Na, wenn’s was wird. Das ginge gegen die Fleischbarone und ihre Profite, und da sind die Herren (!) sehr empfindliche. Es ist mit der Drohung mit dem Abbau von Arbeitsplätzen, der Verlagerung der Produktion ins osteuropäische Ausland und steigenden Preisen zu rechnen.

Da heißt es: BM Heil werde hart!
Und: Bleibt aufrecht und gesund!

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BM Heil wacht auf.
Die neueste Zahl der Infizierten liegt bereits über 700. Dabei sind die Tests noch gar nicht abgeschlossen. Also ist mit noch mehr Infizierten zu rechnen.
jf.

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