Samstag, 28. März 2020
„America First“
Großmaul Donald Trump hat es mal wieder geschafft: Die USA führen die Rangliste in der Corona-Pandemie an. Sie haben in einer rasanten Aufholjagd erst Italien und dann China überholt. In Zahlen bedeutet das: 94.000 bekannte Infektionen, 1.400 Corona-Tote.

Verantwortlich dafür ist in erster Linie Bigmouth Trump: zunächst hat er wochenlang das „ausländische“ Virus kleingeredet: "Wir haben nur fünf Betroffene" (...), "es wird alles großartig werden" und "wir haben das Problem im Griff" (O-Ton Trump). Ernsthafte Maßnahmen seien nicht erforderlich. Das US-Gesundheitssystem sei gut aufgestellt. "Großartig" sind inzwischen nur die Zahlen der Kranken und Toten und die Defizite in der Krankenhäusern. Seine erste Idee, das Problem anzugehen, war ein Einreiseverbot für Europäer. Da war das "ausländische" Virus längst in den USA.



Genau diese Haltung ist verantwortlich für das aktuelle Desaster an der Ost- wie der West-Küste mit ihren Ballungsräumen. Die Red-Necks des dünn besiedelten Bible-Belt dazwischen blieben bisher weitgehend verschont. Dort, in Trumps größtem Wähler-Reservoir, bekommt er nach wie vor die größte Zustimmung. Und das ist der andere Skandal: Eine knappe Mehrzahl der US-Amerikaner von 51% ist mit Trumps Krisenmanagement zufrieden. Trumps persönlicher Popularitätswert stieg von 46% (Vorwoche) auf aktuell 48%. Das lässt erneut an der Vernunft und dem Demokratieverständnis mindestens dieser 51% bzw. 48% zweifeln.

In Wirklichkeit funktioniert nichts: Das Gesundheitssystem ist seit langem marode. Die meisten, vor allem die armen Amerikaner, haben keine Krankenversicherung und können sich weder einen Test noch eine Behandlung leisten. Die wirkliche Zahl der Opfer dürfte deshalb erheblich größer sein. Die personell hoffnungslos unterbesetzten Krankenhäuser verfügen weder über genügend Isolationsbetten noch über Beatmungsgeräte. Von Schutzkleidung und –masken gar nicht zu reden.



Jetzt versucht der Präsident sich an die Spitze zu setzen. Er hat ein siebzig Jahre altes Kriegsgesetz aus dem Koreakrieg ausgraben lassen, nach dem er die Industrie zur Produktion bestimmter Waren verpflichten kann. Aber die Industrie, die Beatmungsgeräte herstellen soll, tanzt nicht nach seiner Pfeife. Einzelne Konzerne (z.B. General Motors) zieren sich und wollen zunächst mal über Preise reden, bevor sie handeln.

Trump gibt sich empört, obwohl das eigentlich seiner ureigensten Logik entspricht. Jetzt gibt er sich patriotisch, er, der politisches Handeln als „Deal“ (Geschäft) bezeichnet, will sich auf einmal nicht den vielbeschworenen Markgesetzen unterwerfen. Sein unkontrolliert und chamäleonhaft wechselndes Handeln ist in der lebensbedrohlichen Krise noch gefährlicher als vorher.

Mehr lesen: https://taz.de/Ungerechte-Corona-Billionen-in-den-USA/!5673344/

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