Mittwoch, 25. März 2020
Corona-Tagebuch 7.: Corona und Mangelware
In der Schule – so 9. oder 10. Klasse – besprach unser Biologielehrer Krankheiten mit uns. Er kannte sich da wohl aus, er war erst 1955 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft gekommen.
Wurden die Symptome erörtert, fanden wir Jugendlichen schnell heraus, dass wir die eine oder andere Krankheit mit großer Sicherheit hatten. Einmal wurde ein Parasit bei Hunden erwähnt, der bei intensivem Kontakt – Kraulen, Schmusen – auf den Menschen übergehen und als „Finne“ sich im Gehirn einnisten kann. Folglich machte, wenn jemand etwas Verrücktes äußerte, eine Vermutung die Runde: „Du hast wohl `ne Finne im Gehirn.“ Schon einfache Kopfschmerzen konnten ein Indiz sein.

Das Corona-Virus zeitigt ähnliche Reaktionen: Fieber – Corona! Erhöhter Blutdruck – Corona! Heiserkeit – Corona! Zweimal am Tag Verdauung – Corona! Kopfweh am Morgen – Corona! Demnach könnte ich mir täglich die Corona-Diagnose stellen. Man kann es auch Paranoia nennen.

Gesellschaftlich äußert sich ebendiese Paranoia als konstanter Mangel an Klopapier und Nudeln in den Warenhaus-Regalen. Die leeren Regale provozieren erneuten Kaufrausch, wenn dann mal Papier und Nudeln da sind. Flugs sind die Regale wieder leer: Man weiß ja nie, wann es wieder etwas gibt. Egal, ob man schon zehn Pakete im Haus hat.

Die französische Variante ist mir da sympathischer: Dort sind Rotwein und Kondome Mangelware.
Bleibt aufrecht und gesund!

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