Donnerstag, 22. Dezember 2016
Schnee in Nahost
Die Nachrichtenagentur dpa berichtet, in Aleppo sei es laut „Augenzeugenberichten“ kalt. Bilder zeigten, dass es „geschneit habe“. (taz vom 22.12.2016) Die Nachricht soll die erschwerten Bedingungen der Flüchtlinge in Syrien belegen.
Nanu, wundert sich der kritische Zeitungsleser, da wird ohne weitere Quellenangabe berichtet, ohne dass die Tatsachen von „unabhängiger Seite“ bestätigt wurden. Bisher wurde auf solche Verifizierungen immer gesteigerter Wert gelegt.
Wir haben recherchiert und sind zu folgenden Ergebnissen gekommen:
1. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London erklärte, sie könne wegen der geografischen Distanz dazu keine Stellung nehmen.
2. Der amerikanische Meteorologe Hugh Weatherman bezweifelt Schnee im Nahen Osten um diese Jahreszeit: „Dazu ist die Luft viel zu bleihaltig.“
3. Auch der bekannte Theologe Ignaz Gottlieb schließt sich an. Im Neuen Testament gäbe es bei keinem der Evangelisten einen Beleg dafür, dass es zur Zeit von Jesu Geburt, also Ende Dezember, Schnee gegeben habe.
4. Der Medienspezialist Optimus Drofil weist darauf hin, dass Bilder – insbesondere im Zeitalter der digitalen Fotografie – mit „Posotop“ sehr leicht zu manipulieren seien. Man müsse nur alle Bodenflächen markieren und weiß einfärben.
Alles in allem: Da wird eine sog. verbale und optische „Information“ von der westlichen Presse übernommen, ohne sie von „vertrauenswürdiger Seite“ – wo immer die ist - zu überprüfen. Das las man früher schon anders. Die Evidenz insbesondere von Bilddokumenten oder Augenzeugenberichte war den „Medien“ bisher nie ausreichend. Mir schon!
Vgl. "Die Überheblichkeit der Berichterstatter" (Eintrag vom 20.11.16) und "Die sog. unabhängigen Berichterstatter" (Eintrag vom 27.8.16)

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