Freitag, 23. Oktober 2015
Netanjahu, der Großmufti von Jerusalem und der Holocaust
In seiner aktuellen Not greift Israels Ministerpräsident Netanjahu zu immer abenteuerlicheren Formulierungen. Jetzt soll der Großmufti von Jerusalem bei seinem Berlinbesuch 1941 Hitler die Idee vom Holocaust eingeblasen haben. Welch ein Schwachsinn!
1. Hitler hat den Antisemitismus nicht erfunden, nur ihn mit unvorstellbarer Konsequenz umgesetzt.
2. Schon in „Mein Kampf“ (1923) gibt es genügend Passagen, mit denen sich Hitlers und der Nazis Antisemitismus belegen ließe.
3. Der offizielle Terror gegen Juden begann gleich nach der „Machtergreifung“ 1933. Zerstörung jüdischen Eigentums, Rausschmiss von Juden aus dem öffentlichen Dienst, Boykottaufrufe.
4. In den Folgejahren wurde die Rechte von Juden immer drastischer eingeschränkt.
5. 1938 die Reichspogromnacht, in der Juden drangsaliert, ermordet und in KZs verschleppt wurden.
6. Direkt nach der Invasion in Polen (1939) und der Sowjetunion (1941) begannen SS-Einheiten mit der systematischen Ermordung mittel- und osteuropäischer Juden.
Da brauchte es keinen Großmufti, um den Holocaust zu propagieren!
Zum Glück gibt es in Israel und Deutschland Kritiker von Netanjahus Verschwörungstheorie: In Israel widersprach die Leiterin der Holocaust-Gedächtnisstätte Yad Vashem, immerhin eine der wichtigsten HüterInnen des Holocaust-Bewusstseins. Und in Deutschland kam Kritik vom Zentralrat der Juden.
Schäm dich, Netanjahu!

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