Freitag, 25. November 2016
Schöne neue digitale Welt
Befragt, warum ich kein „Navi“ im Auto habe, antworte ich: „Ich gebe doch mein Orientierungsvermögen und meine Fähigkeit, eine Karte zu lesen, nicht an einen Automaten ab!“
Es gibt Beispiele dafür, wie das blinde Vertrauen in die Unfehlbarkeit des Navis buchstäblich ins Verderben führt: Einmal fährt ein LKW in einen Fluss, der Fahrer ertrinkt. Ein anderes Mal biegt eine Frau von der Straße ab und stürzt einen Abhang herunter. Tragisch!
Jetzt gab es neues Beispiel, zum Glück eher komisch als tragisch. Ein LKW-Fahrer transportiert eine Schneeraupe (!) aus Baden-Württemberg statt ins Tiroler Seefeld nach Schleswig-Holstein in den Ortsteil Seefeld von Bad Oldesloe. Der Fahrer scheint weder gewusst zu haben, was er transportierte, noch, wohin er fuhr.
Kein Wunder, denn er gab seinen Verstand an ein kleines Gerät ab, dem er blindlings vertraute. Schöne neue digitale Welt!

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Sonntag, 20. November 2016
Die Überheblichkeit der Berichterstatter
Aus Anlass der Belagerung von Aleppo habe ich am 27.8.16 über „sog. unabhängige Berichterstatter“ reflektiert. Die Tagesschau am 20.11. d.J. gibt erneut zu denken.
In der Nachricht über die Bombardierung des letzten Krankenhauses – verantwortlich können nur sein: die syrische oder die russische Luftwaffe – werden Bilder von zerstörten Gebäuden, flüchtende Menschen, Krankenbetten und Helfer in Räumen, in denen der Staub wabert, gezeigt. Und nun kommt‘s: Der Off-Kommentator weist darauf hin, dass „eine unabhängige Bestätigung der Aufnahmen“ nicht zu haben ist!
Was muss bei solchen Bildern noch bestätigt werden? Dass sie nicht im Studio oder irgendwo auf der Welt „gefakt“ sind? Die offensichtliche Brutalität wird so klein gemacht. Der Zynismus, die Überheblichkeit, die Ignoranz des „unabhängigen Berichterstatters“ macht wütend. Wie kann sich der schockierte Zuschauer dagegen wehren?

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Freitag, 4. November 2016
Der kleine Finger
Als junger Mann amüsierte ich mich in den Plüschcafès, in denen alte Damen – Generation Silberlocke und Rubinring am kleinen Finger – ihre Tassen mit geziert abgespreizten kleinen Fingern hielten. Später beobachtete ich dasselbe auch bei Männern mit Schnapsgläsern.
Jetzt endlich weiß ich, was diese Geste symbolisiert: Finger weg vom Alkohol!

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Konservative Blockaden
Die Konservativen haben eine neue konzertierte Aktion zur Blockade unliebsamer politischer Initiativen gestartet.
Die vier Wirschafts“weisen“ bemängeln in ihrem Jahresgutachten mangelnden Reformeifer der Regierung. Dabei sind sie eigentlich gegen Reformen, die ihnen nur nicht passen: der Mindestlohn wird kritisiert (dessen Wirksamkeit eigentlich schon als bewiesen gilt). Das Rentenalter sei auf 71 Jahre zu erhöhen. Warum nicht gar!
Als ob ein 71-jähriger Bandarbeiter, Lehrer, Dachdecker oder Polizist nach vierzig – und mehr Jahren! - überhaupt noch funktionieren könne. Die betreffenden Arbeitgeber würden sich hüten, solche Greise noch zu beschäftigen.
Die Konservativen in der Regierung dagegen blockieren das Erreichen der Klimaziele, wie sie von Umweltministerin Hendricks angestrebt werden. Die Forderung, zugunsten des Weltklimas den Fleischkonsum zu halbieren und auf ein gesundes Maß zu reduzieren, wird als verbraucher- und bauernfeindlich diffamiert. (Das würde auch den Figuren vor allem bayrischer Politiker ganz gut tun!)
Wahrscheinlich stehen die CDU-Minister unter Druck, denn wirkliche Reformgesetze wurden bisher nur von SPD-Ministern bekannt: deutscher Meister ist Justizminister Maas, gefolgt von Arbeitsministerin Nahles. Frau Schwesig war auch nicht faul. Nur von den CDU-Ministern ist bisher wenig zu hören. Also opponiert man erst mal gegen Gesetzesinitiativen des Koalitionspartners. Verkehrsminister Dobrindt war bisher hauptsächlich mit Flops beschäftigt (nun zaubert er in Sachen PKW-Maut einen „Kompromiss“ aus dem Hut, der nun doch zu Lasten deutscher Autofahrer geht).

Die Bundestagswahl steht vor der Tür (na ja, fast), wir sollten bei der Stimmabgabe berücksichtigen, wer wirklich was bewegt hat.

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Donnerstag, 13. Oktober 2016
Gewaltfreie Kommunikation lässt sich lernen
Es ist nicht leicht mit der Erziehung. Vom Kleinkind bis zum Jugendlichen, immer wieder treten schwierige und Nerven belastende Situationen auf. Auch die engagiertesten Eltern geraten manchmal an ihre Grenzen und sind vor Verzweiflung und Wut nicht gefeit. Doch egal, wie zermürbend die Auseinandersetzungen sind, nie sollten sie gewalttätig werden. Abgesehen davon, dass sie sich damit strafbar machen, beschädigen sie auch das Vertrauensverhältnis zwischen Groß und Klein beträchtlich.
Eigene Erziehungserfahrungen überwinden
Gewaltfreie Erziehung ist in Deutschland im Gesetz festgeschrieben. Schläge, seelische Grausamkeit und Demütigungen sind verboten, darüber informiert http://www.bambiona.de/thema/kindererziehung. Theoretisch sicher ein von jedermann gern akzeptiertes Gebot. Doch in der Praxis fällt es vielen Eltern schwer, danach zu leben. Das hat häufig mit der eigenen Sozialisation zu tun, die selten ohne Druck und harte Strafen stattgefunden hat. Die lange Tradition, Kinder eher zu disziplinieren als sie sich entwickeln zu lassen, ist noch tief in unserer Gesellschaft verankert und nur mühsam zu überwinden. Erziehung ohne Gewalt ist deshalb nur möglich, wenn die Erziehungsberechtigten sich einem Lernprozess unterziehen und bereit sind, an sich zu arbeiten.
Fachleute unterstützen die Eltern
Gewaltfreie Kommunikation ist das Ideal, das heute Pädagogen und Psychologen als optimale Erziehungsrichtlinie empfehlen. Es beinhaltet ein freundliches und respektvolles Miteinander, das trotz der elterlichen Führung immer das Prinzip der Gleichwertigkeit aller Familienmitglieder befolgt. Eltern, die sich dafür entscheiden, werden viele Hilfen angeboten. Es gibt nicht nur Ratgeber, sondern auch Seminare, die klar an der Praxis orientiert sind. Im Rollenspiel und gemeinsamem Gespräch entwickeln die Teilnehmer mit Hilfe von Experten Handlungsstrategien für Konfliktsituationen und üben optimale Reaktionsmuster ein. Volkshochschulen, Wohlfahrtsverbände und Familienberatungsstellen bieten diese Kurse an.

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Donnerstag, 6. Oktober 2016
60 Jahre Ungarn-Aufstand
Anfang November jährt sich der Aufstand der Ungarn gegen die Diktatur und die sowjetische Besatzung zum 60. Mal. Ich erinnere mich: mit heißen Ohren verfolgte ich die Nachrichten am Radio. Besonders eingeprägt hat sich mir der leidenschaftliche Appell an den Westen, die Aufständischen zu unterstützen. Er war folgenlos.
Damals flüchteten hunderttausende über die ungarisch-österreichische Grenze. Allein Deutschland nahm 200.000 Flüchtlinge auf. Die deutsche Bevölkerung sammelte 1. Million DM zur Unterstützung dieser Menschen.
60 Jahre später: Die ungarische Regierung hat gerade ein Referendum über die Aufnahme von Bürgerkriegsflüchtlingen u.a. aus Syrien verloren, weigert sich aber beharrlich, die Menschen aufzunehmen, ja schottet sich sogar durch Sperrzäune nach außen ab.
Diese Geschichtsvergessenheit macht wütend. Fast möchte man den Ungarn wieder die Sowjets auf den Hals wünschen, damit sie noch mal erfahren, wie wichtig das Recht auf Asyl und Hilfe ist.

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Sonntag, 2. Oktober 2016
Hybrid-Motor ist Scheiße!
Japanische Autobauer sind jetzt mit einem Hybrid-Auto auf den deutschen Markt gekommen, reichlich spät. Die Technik gab es bereits seit Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts.
Damals führte ich Seminare mit Auszubildenden von Mercedes und VW zum Thema „Auto und Umwelt“ durch. Die Seminare dienten der Sensibilisierung der Teilnehmenden für Umweltfragen und stellten Alternativen zum Autoverkehr vor.
U.a. wurde über den Hybrid-Motor informiert: ein Verbrennungsmotor läuft mit gleichbleibender Drehzahl im Bereich der höchsten Effizienz, speist eine Batterie, die dann über einen Elektromotor den Wagen antreibt. Neben der Umweltfreundlichkeit durch geringere Abgase benötigt der Hybrid kein Schaltgetriebe.
Kommentar eines Azubis: „Das ist ja Scheiße, dann kann man ja gar nicht die Gänge so richtig hochziehen!“
Mit reiner Vernunft ist solch irrationalem Denken kaum beizukommen.

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Freitag, 16. September 2016
Kind oder Illu
Neulich im Wartezimmer eines Arztes:
Die Mutter blättert in der Illustrierten, guckt die Bilder genau an, liest in dem einen oder anderen Artikel. Die etwa sechsjährige Tochter rutscht unruhig auf ihrem Stuhl hin und her, sucht Körperkontakt, sucht Blickkontakt, erfolglos.
Mutter blättert ungerührt weiter.
Dann: "Mama, wenn ich diese Krankheit habe, ist das schlimm? - Mama, kann man daran sterben? - Mama, wenn ich sterbe...."
Der Rest ist unverständlich. Mama blättert weiter ungerührt in der Illu.
Ich hätte gerne laut geschrien: ALTE, DEIN KIND HAT EIN PROBLEM! REDE MIT IHM! Hab ich aber nicht, ich hätte des ganze Wartezimmer gegen mich gehabt. UM SO SCHLIMMER.

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Mittwoch, 14. September 2016
Verpatztes Date
Neulich sagt die Freundin zur besten Freundin - und nur der sagt frau sowas: "Heute Abend habe ich ein Date mit einem total süßen Typ."
Am nächsten Morgen fragt die beste Freundin die Freundin: "Na, und, wie war's?" - Darauf die Freundin: "War nichts. Der Typ trug das T-Shirt IN der Hose!"

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De ole Marschenbuer
Neulich seggt de Junge ut de Marsch to sein Vadder: "Vadder", seggt he, "ik bün nu groot un will nu in de Welt!" - De ole Marschenbuer seggt darop:" Du dumme Jung, wat wull du in Welt? Düt is der Marsch, un allens annere is man bloß Geest!"

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Samstag, 27. August 2016
Die sog. unabhängigen Berichterstatter
Gerade mal wieder versagt der klassische Journalismus bei seiner Aufgabe, über wichtige Ereignisse zu berichten. Die syrische Stadt Aleppo befindet sich im Belagerungszustand und kein Journalist kommt in die Stadt, um über die Verhältnisse „objektiv“ zu berichten.
In der Stadt gibt es aber Menschen, die per Internet, Skype und Handy berichten. Nur leider sind das gar keine „richtigen“ Journalisten. Ihre Meldungen werden von den etablierten Medien mit Skepsis aufgenommen: „Eine Bestätigung durch unabhängige Berichterstatter war nicht zu erhalten.“ Und das obwohl diese „Barfuß-Journalisten“ unter Lebensgefahr Nachrichten sammeln und kommunizieren.
Hinter solchen Formulierungen steckt eine gehörige Portion Selbstgerechtigkeit und Anmaßung. Man tun so, als seien die etablierten Medien objektiv, berichteten vorurteilsfrei und ehrlich. Ja, das gilt für einen großen Teil der Medien, aber: „Als erstes stirbt im Krieg die Wahrheit.“
Wieviel Unsinn wird vor allem über entlegene Weltgegenden berichtet. Die Korrespondenten sitzen weit vom Ort des Geschehens: Aus Kairo wird über den gesamten arabischen Raum berichtet, ein Afrika-Korrespondent einer an sich seriösen Tageszeitung sitzt in Berlin. Ein Berichterstatter über Libyen residiert in Madrid. Häufig waren diese Journalisten nie in ihrem Leben in den Ländern, über die sie schreiben oder reden. Woher haben sie dann ihre Informationen? Aus anderen Medien oder Nachrichten-Agenturen.
Ich will gar nicht einmal in der Mehrzahl der Fälle böse Absicht unterstellen, aber unter diesen Bedingungen gibt es keine „Objektivität“ (abgesehen davon, dass aller Journalismus interessengeleitet ist).
Aber auch die böse Absicht kommt vor. Wie oft haben „BILD“ und „RTL“ Nachrichten erfunden, „gefakt“ im schönsten Neudeutsch.
Da soll der um wahrheitsgemäße Information bemühte Medien-Konsument noch mal durchsteigen.

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Donnerstag, 25. August 2016
War Henryk M. Broder je ein Linker?
Die taz vom 25.8.16 setzt sich unter der Überschrift „Scharf rechts abgebogen“ mit Henryk M. Broder kritisch auseinander. Die Unterstellung lautet: Broder war links und paktiert jetzt mit Kräften aus dem rechten Lager. Wie links war Broder je?
Angefangen hat er mit den sexistischen „St. Pauli Nachrichten“. Nun ja, da war er in guter linker Gesellschaft und der damalige Sexismus galt als fortschrittlich, weil er die verkniffene Moral der 50er und 60er Jahre attackierte.
Später zeichnete er sich als Viel- und Alles-Schreiber aus, wobei seine linken Positionen m.E. eher dem Zeitgeist huldigten.
Dann bemühte er sich, allenthalben Antisemitismus aufzuspüren: Gerhard Zwerenz bezichtigte er des Antisemitismus wegen dessen Kritik an Israels Besatzungspolitik. Gar Erich Fried, selbst Jude und deswegen als Kind österreichischer Emigranten im Exil in England aufgewachsen, wurde wegen seiner Israel-Kritik „Höre Israel“ von Broder zum Antisemiten gestempelt. Bizarrer geht’s kaum!
Wie links Broder war, ist schwer zu beurteilen. Mir scheint eher, dass er sich dem jeweiligen Zeitgeist, oder was er dafür hielt, chamäleonhaft anbiederte. Das einzige Kontinuum Broderscher Parolen lautet: Auffallen um jeden Preis durch Provokationen. Dies sichert ihm die Aufmerksamkeit konservativer bis liberaler Gazetten von „Welt“ bis „Zeit“ und die entsprechenden Honorare.
Heute würde er sich in der Nachbarschaft des Ex-Linken, Ex-Terroristen und heute bekennenden Rechtsextremisten Horst Mahler sicher gut aufgehoben fühlen. Ach ne, geht nun auch nicht, denn der ist ausgewiesener Antisemit.
Aber wer weiß, vielleicht springt Broder doch noch über diesen Schatten. Diese intellektuellen Wendehälse sind immer da, wo sie vermeintliche "stärkeren Bataillone" vermuten. Darin ähneln sie dem kleinbürgerlichen Spießer frappant.

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