Donnerstag, 19. November 2020
Gleich ist nicht gleich in der Pflege
Wochenlang hielt die Dienstleistungsgewerkschaft verdi die Öffentlichkeit mit Warnstreiks in Atem. Mal blieb der Müll legen, mal schlossen einzelne Kitas, dann machten KrankenpflegerInnen Dienst nach Vorschrift. Dann erstritt die Gewerkhaft in zähen Verhandlungen eine finanzielle Verbesserung für den öffentlichen Dienst.

Alle atmeten auf! Alle? Nein! Keine kleine Gruppe, sondern die Mehrheit der in der Alten- und Krankenpflege Beschäftigten guckten in die Röhre. Nur ein Drittel des betroffenen Pflegepersonals profitiert von den Verbesserungen, nämlich das Drittel, das tatsächlich im öffentlichen Dienst (ÖD) ist. Die Übrigen zwei Drittel arbeiten bei kirchlichen und privaten Einrichtungen.

Die Kirchen haben für ihre Bediensteten ein eigenes System, den sog. Dritten Weg. Dieser Dritte Weg bedeutet: sie haben ein eigenes Tarifsystem, das nicht nur Streiks ausschließt(!), sondern auch hinsichtlich der Bezahlung deutlich hinter der im öffentlichen Dienst herhinkt. Der „missing link“ wird wohl in einem höheren System, also ganz oben außerhalb menschlicher Reichweite „vergütet“ – im Jenseits.

Die privaten Träger von Großkonzernen bis zu kleinen Klitschen haben Haustarife oder oft auch gar keine Tarifabsprachen mit den Beschäftigten. Diese können von der Besoldung im ÖD nur träumen. Diese Träger boomen seit den 80er Jahren nach der Liberalisierungs-, sprich Privatisierungswelle, die CDU und FDP zu verantworten haben.

Diese Träger profitieren andererseits von öffentlichen Zuschüssen zu ihren Finanzen. Nanu, denkt der unbedarfte Zeitgenosse: Wieso kriegen die Geld aus dem Staatssäckel, ohne zugleich den Beschäftigten dessen Tarife zu bezahlen?

In der Jugendarbeit ist das seit langem ganz anders. In jedem Bewilligungsbescheid von staatlichen Zuschüssen zu Personalkosten in Jugendverbänden und anderen Einrichtungen steht eindeutig, dass die Beschäftigten nach den Tarifen im ÖD zu bezahlen sind.

Wieso da und nicht auch in der Pflege? Weil Kirchen eine übermächtige Lobby in diesem Land haben und das „freie Unternehmertum“ die andere heilige Kuh ist. Zum Schaden der PflegerInnen und PatientInnen.

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